1990 – Chronik der außenpolitischen Ereignisse in der UdSSR

Januar

1 – Die Botschaft von Michail Gorbatschow an die Bürger der Vereinigten Staaten wurde veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „Das Jahr 1990 kann und sollte eine wahrhaft friedliche Periode in der Weltgeschichte einleiten. Es gibt noch immer Zögern, abwartende Haltungen, Zweifel und Misstrauen. Doch all dies bestätigt nur den Wendepunkt der Situation … In Malta vereinbarten Präsident Bush und ich, dass wir uns vom Kalten Krieg abwenden müssen. Das bedeutet, dass wir auch die Instrumente des Kalten Krieges aufgeben müssen. Dann werden uns 1990 und die folgenden Jahre eine Zeit echter Zusammenarbeit eröffnen. Und in einer Atmosphäre größeren Vertrauens werden wir beginnen, eine Welt aufzubauen, die subversive Aktionen, Druck, Einmischung und bewaffnete Invasionen ausschließt, die weder Waffen noch Politik Ehre machen … Philosophen und Historiker argumentieren, dass das Ende jedes Jahrhunderts eine besondere psychologische Atmosphäre schafft. Sie vereint Nostalgie für die Vergangenheit, Unsicherheit und sogar eine gewisse Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten und, unweigerlich, die Hoffnung auf ein besseres Leben. Und doch besteht ein großer Unterschied zwischen den Menschen des letzten Jahrhunderts und denen der Gegenwart. Der Hauptunterschied liegt darin, dass wir verstehen: Je stärker die Hoffnung, desto mehr …“ Um dies zu verwirklichen, sind kraftvolle und gemeinsame Anstrengungen erforderlich… Die 1990er Jahre könnten das Jahrzehnt werden, in dem sich Freiheit, Demokratie und Gleichheit weltweit und zunehmend unumkehrbar durchsetzen. Man könnte sagen: altbekannte Wahrheiten, ewige Werte. Das stimmt! Doch nie zuvor waren wir so gut darauf vorbereitet, sie mit Leben zu füllen. Lasst uns zielstrebig, geduldig und im Glauben an ihren Triumph arbeiten.“ (Prawda, 2. Januar 1990).
2 – Das Verteidigungsministerium der UdSSR veröffentlichte eine Mitteilung, wonach bis zum 31. Dezember 1989 81,1 Prozent der Mittel- und Kurzstreckenraketen sowie 67,2 Prozent der zugehörigen Startrampen in der Sowjetunion vernichtet worden waren. (Iswestija, 2. Januar 1990).

Michail Gorbatschow


5 – Das Außenministerium der UdSSR veröffentlichte eine Erklärung, in der es gegen die zunehmenden Angriffe von Neonazis in der DDR, die barbarischen Akte gegen Denkmäler sowjetischer Befreier und Grabsteine ​​auf den Gräbern sowjetischer Soldaten protestierte (Iswestija, 5. Januar 1990).
9–10 – In Sofia fand die 45. Sitzung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (GME) auf Ebene der Staats- und Regierungschefs statt. Die Sitzung betonte die Notwendigkeit einer grundlegenden Erneuerung des gesamten Systems der gegenseitigen Zusammenarbeit und der Mechanismen der multilateralen Kooperation innerhalb des GME, einer grundlegenden Erneuerung der Aktivitäten des Rates, einer Überarbeitung seiner Funktionen und Ziele sowie der Entwicklung einer neuen Charta, die den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen der Zusammenarbeit zwischen den GME-Mitgliedstaaten gerecht wird. Zur Erreichung dieser Ziele wurde eine Sonderkommission eingesetzt (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 3, S. 4).
10 – E. A. Schewardnadse empfing auf seinen Wunsch hin den israelischen Minister für Wissenschaft und Technologie, E. Weizmann, der sich auf Einladung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR in der UdSSR aufhielt. Sie erörterten die Lage im Nahen Osten. E. A. Schewardnadse betonte, dass alle Schritte zur Lösung des Konflikts in der Region auf die Vorbereitung und Einberufung einer internationalen Konferenz als Hauptweg zu einem echten und dauerhaften Frieden ausgerichtet sein müssten. Der israelische Minister hob die Bedeutung der Beteiligung der UdSSR an allen Friedensbemühungen im Nahen Osten hervor und sprach sich für eine Verbesserung der sowjetisch-israelischen Beziehungen aus. Die sowjetische Seite erklärte sich bereit, Gespräche über die Regelung des Status der Konsularabteilungen beider Länder zu führen. Beide Seiten sprachen sich für die Fortsetzung der politischen Kontakte zwischen den beiden Ländern aus. (Iswestija, 11. Januar 1990)
11. – Das Außenministerium der UdSSR veröffentlichte eine Mitteilung über die Zustimmung der Sowjetunion zur Umwandlung der PLO-Vertretung in Moskau in die Botschaft des Staates Palästina in der UdSSR (Iswestija, 11. Januar 1990).
15. – Präsident Gorbatschow traf sich mit dem Leiter der Delegation der Liberaldemokratischen Partei Japans, Shintaro Abe. Gorbatschow merkte erneut an, dass die sowjetisch-japanischen Beziehungen den rasanten Veränderungen in der Welt, insbesondere in Europa, hinterherhinken, deutete aber gleichzeitig an, dass sich in diesen Beziehungen etwas verändere – und zwar nicht zum Schlechteren. Nun, so fuhr er fort, werde die Politik für die kommenden Jahrzehnte gestaltet. Und wir wünschen uns, dass Japan sich daran mit derselben Dynamik beteiligt, mit der es im Wirtschaftsbereich agiere. In einem Vieraugengespräch legte Abe ein Acht-Punkte-Programm zur Vertiefung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern in verschiedenen Bereichen vor. Gorbatschow äußerte die Ansicht, dass dieses Programm in der UdSSR auf positive Resonanz stoßen würde. (Prawda, 16. Januar 1990).
15 – Das bulgarische Parlament hob das Machtmonopol der Kommunistischen Partei auf. (Nezavisimaya Gazeta, 14. Januar 1995).
16 – M. S. Gorbatschow traf sich mit UN-Generalsekretär N. de Cuéllar, der zum „Globalen Forum für Umwelt und Entwicklung zum Überleben“ angereist war. M. S. Gorbatschow bekräftigte erneut die feste Unterstützung der UdSSR für die Aktivitäten dieser einzigartigen globalen Organisation, die die Weltgemeinschaft gerade jetzt besonders benötigt. Er seinerseits äußerte die Hoffnung auf Solidarität und Unterstützung der Vereinten Nationen für die Perestroika. Die Probleme Namibias und Afghanistans, die Lage in Osteuropa und die Entwicklung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen wurden erörtert. P. de Cuéllar hob insbesondere die Bedeutung von M. S. Gorbatschows Initiative hervor. Gorbatschows Rede vor den Vereinten Nationen im Dezember 1988. (Prawda, 1990, 17. Januar).
18. Januar 1990 wurde ein Bericht über die Entwicklung bestimmter Prinzipien zur Beilegung der Kambodscha-Frage durch die ständigen Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrates veröffentlicht. Ziel dieser Prinzipien ist die Erreichung des Selbstbestimmungsrechts des kambodschanischen Volkes durch freie und demokratische Wahlen unter direkter Aufsicht der Vereinten Nationen. (Iswestija, 17. Januar 1990)
18. Januar 1990 wurde in einer Pressekonferenz im Pressezentrum des sowjetischen Außenministeriums bekannt gegeben, dass die Sowjetunion im Einvernehmen mit Vietnam begonnen hat, ihre Präsenz im Hafen von Cam Ranh zu reduzieren, um die Stärke ihrer Streitkräfte im Osten des Landes und im asiatisch-pazifischen Raum zu verringern. (Prawda, 19. Januar 1990) 19. Januar 1990
sprach M. S. Gorbatschow zu den Teilnehmern des „Globalen Forums für Umweltschutz und Entwicklung zum Überleben“. In seiner Rede betonte er vor allem die Notwendigkeit einer ökologischen Politik. Was meinen wir damit? Es geht in erster Linie um einen grundlegenden Wandel der Produktionsweise hinsichtlich ihrer Umweltfolgen. … Die Ökologisierung der Politik ist ein neuer Ansatz für das Problem des Konsums, seine Rationalisierung. Die Verbesserung des Lebensstandards der Menschen sollte nicht auf Kosten der Natur gehen, sondern mit dem Erhalt und der Wiederherstellung der Lebensbedingungen von Flora und Fauna einhergehen. … Die Ökologisierung der Politik betrifft auch die Lösungsansätze für viele soziale Probleme, vor allem im Zusammenhang mit den Gesundheitsschäden durch die bereits bestehende Umweltzerstörung. … Die Ökologisierung der Politik bedeutet maximale Förderung der wissenschaftlichen Forschung und der Grundlagenforschung zur Biosphäre und ihren Ökosystemen. … Die Ökologisierung der Politik bedeutet die Bekräftigung des Vorrangs universeller Werte, die Integration von Umweltthemen in Bildung und Erziehung von Kindesbeinen an. Die Herausbildung einer neuen, modernen Haltung zur Natur.
Die Umweltkrise, die wir erleben, ist ein überzeugender, wenn auch tragischer Beweis dafür, dass die Welt tatsächlich vernetzt und voneinander abhängig ist. Dies wird heute scheinbar überall anerkannt. Daraus folgt jedoch, dass auch eine angemessene internationale Politik erforderlich ist. Im Bereich der Ökologie… werde ich über unsere wichtigsten Ideen zu diesem Thema sprechen.
Erstens. Die Sowjetunion unterstützt entschieden die Umweltschutzpläne und -maßnahmen der Vereinten Nationen und ihrer Organe. Wir setzen uns dafür ein, dass die für 1992 in Brasilien geplante UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung auf höchster Ebene abgehalten wird. (Beifall.) Es wäre wohl angebracht, dort die Entwicklung eines internationalen Umweltethikkodex zu erörtern. Dieser wäre für alle Staaten verbindlich und würde einheitliche Kriterien für einen respektvollen Umgang mit der Natur enthalten. Zweitens. Die Sowjetunion hält die Entwicklung eines internationalen Rechtsrahmens zum Schutz einzigartiger Naturgebiete von globaler Bedeutung für notwendig. Drittens. Die Sowjetunion hält die Schaffung eines internationalen Mechanismus für technologische Zusammenarbeit im Umweltschutz für dringend erforderlich. Die Integrität der Weltzivilisation erfordert auch in diesem Bereich einheitliches Handeln. Viertens. Der Übergang zu neuen, dem 21. Jahrhundert angemessenen Formen der Zusammenarbeit macht einen internationalen Mechanismus zur Umweltüberwachung und -kontrolle unerlässlich. Fünftens. Das Recht auf eine gesunde Umwelt ist ein Menschenrecht. Doch auch das Recht von Einzelpersonen und Gruppen, an der Entwicklung der Umweltpolitik mitzuwirken, muss gewährleistet sein. Die Sowjetunion teilt diese Schlussfolgerung des Umweltgipfels in Sofia, an dem die Staaten des gesamteuropäischen Prozesses teilnehmen. Derzeit diskutieren die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften intensiv über die Organisation und die Aufgaben der Europäischen Umweltagentur. Die Sowjetunion unterstützt die Idee der Gründung dieser Agentur und ist bereit, sich von Anfang an an ihrer Arbeit zu beteiligen. In diesem Sinne steht der Vorschlag der UdSSR, bei den Vereinten Nationen ein Zentrum für dringende Umwelthilfe einzurichten. Wir sehen die Hauptaufgabe dieses Zentrums in der Bildung internationaler Expertenteams, die in Gebiete reisen, in denen sich die Umweltsituation rapide verschlechtert. Sechstens – wie man so schön sagt: Letzter Platz, aber nicht wichtiger. Die Sowjetunion ist der Ansicht, dass die Zeit gekommen ist, die militärischen Aktivitäten nicht nur zur Reduzierung der militärischen Bedrohung, sondern auch zum Schutz der Umwelt einzuschränken. Der richtige und entscheidendste Schritt wäre hier ein vollständiges Verbot von Atomtests.“ (Prawda, 21. Januar 1990).
19.–20. – Die erste Phase des Seminars über Militärdoktrinen fand in Wien unter Beteiligung der Generalstabschefs europäischer Länder sowie der USA und Kanadas statt (der Vorschlag dazu stammte vom Warschauer Pakt aus dem Jahr 1987). (Iswestija, 21. Januar 1990).
23. – In Moskau wurde ein Kooperationsabkommen zwischen der Industrie- und Handelskammer der UdSSR und dem Verband der Handelskammern Israels unterzeichnet. (Iswestija, 25. Januar 1990).
25. – Die zweite Phase des Seminars über Militärdoktrinen der KSZE-Teilnehmerstaaten begann in Wien. Sie befasst sich mit dem Aufbau und der Struktur der Streitkräfte. (Iswestija, 25. Januar 1990).
30. – Ein Treffen zwischen M. S. Gorbatschow, N. I. Ryschkow und E. A. Schewardnadse mit dem Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, H. Modrow, fand statt. Im Mittelpunkt standen die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern, die Entwicklung der Lage vor Ort und gesamteuropäische Prozesse. In der Sowjetunion, so Gorbatschow, würden die Veränderungen in der DDR als integraler Bestandteil der entscheidenden Durchsetzung demokratischer und humanistischer Werte und der Befreiung Osteuropas vom überholten Verwaltungs- und Kommandosystem betrachtet. Zu den gefährlichen Gegnern dieses Prozesses zählten, wie die Fakten belegten, nihilistische Elemente, die Diktate der Masse und Versuche sozialer und ideologischer Rache. Die Gesprächspartner verurteilten neofaschistische Übergriffe in die DDR und die Einmischung jener Kreise in die Angelegenheiten der Republik, die Spannungen schürten, die verfassungsmäßigen Strukturen untergruben und die Handlungsfähigkeit der Regierung schwächten. Die Destabilisierung der Lage in der DDR ist aufgrund ihrer Sonderstellung mit unvorhersehbaren Folgen für die gesamte europäische Region und vor allem für die Deutschen selbst verbunden. H. Modrow unterbreitete eine Reihe von Ideen zur Annäherung der beiden deutschen Staaten und zum Aufbau neuer Kooperations- und Partnerschaftsbeziehungen. Eine Bündnisgemeinschaft, als praktischer Schritt hin zur Konfrontation auf der Grundlage gemeinsamer Verantwortung gegenüber dem deutschen Volk und allen Völkern Europas, würde den Interessen von Stabilität und Vertrauen in der Region dienen. Die sowjetische Seite nahm diese neuen Ideen ernst und betonte die Notwendigkeit der Beteiligung aller direkt betroffenen Staaten an den Diskussionen. M. S. Gorbatschow erklärte, die Sowjetunion verstehe die legitimen Interessen der Deutschen in der DDR und der BRD, ihren Wunsch nach vertiefter Kommunikation, Zusammenarbeit und Interaktion… Das Bewusstsein der Verantwortung für das Gemeinwohl, den Frieden, werde es ermöglichen, die richtigen Lösungen und für alle akzeptablen Methoden zu ihrer Umsetzung zu finden. (Prawda, 31. Januar 1990)
30. – In Wien begann die dritte Phase des Seminars über Militärdoktrinen, die sich mit militärischen Aktivitäten und der militärischen Ausbildung befasste. (Iswestija, 31. Januar 1990).
31. – M. S. Gorbatschow traf sich mit F. Color, dem gewählten Präsidenten Brasiliens. Beide Seiten stellten die Übereinstimmung ihrer Ansichten zu den weltweiten Entwicklungen fest. Die Weltgemeinschaft trete in eine neue Ära ein, in der Konfrontation, Diktate und Gewaltanwendung keinen Platz hätten. Internationale Beziehungen sollten auf Prinzipien wie der Achtung der Souveränität, der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten und dem Ausgleich der Interessen beruhen. Der Rolle Lateinamerikas in der Weltpolitik wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Dass Lateinamerika einen breiten, unabhängigen Weg einschlage, sei, so Gorbatschow, das wichtigste Phänomen des späten 20. Jahrhunderts. Die Sowjetunion respektiere die Entscheidung der Völker Lateinamerikas und sei offen für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit allen Ländern dieser Region. (Prawda, 1. Februar 1990).
31. – Ein Telegramm von M. S. Gorbatschow an Alexander Kwasniewski und Leszek Miller wurde anlässlich ihrer Wahl in die höchsten Ämter (Vorsitzender des Hauptrats und Generalsekretär des Zentralexekutivkomitees) der Sozialdemokratischen Partei der Republik Polen veröffentlicht. (Prawda, 31. Januar 1990).
31. – Auf Initiative von George Bush fand ein Telefongespräch zwischen ihm und M. S. Gorbatschow über aktuelle Fragen der internationalen Lage, insbesondere in Europa, und über die Abrüstung statt. (Prawda, 1. Februar 1990).


Februar


2 – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem Vorsitzenden der SED, Heinrich Gysi. Im Gespräch erörterten sie die Unzulässigkeit jeglicher Einmischung von außen in die inneren Angelegenheiten der DDR. Diese könne nur als Versuch gewertet werden, einen souveränen Staat zu untergraben, der in der gegenwärtigen historischen Wende seiner Entwicklung einer der wichtigsten Stabilitätsgaranten Europas sei. Gorbatschow betonte, die Sowjetunion verstehe den Wunsch der Deutschen in der DDR und der BRD nach Annäherung und Zusammenarbeit. Dies sei selbstverständlich. Dies sei auch in einem kürzlich geführten Gespräch mit Heinrich Modrow erörtert worden. Er wolle jedoch nochmals die Schädlichkeit betonen, in dieser Frage die Emotionen anzuheizen und sie zu vereinfachen. Man sei überzeugt, so der sowjetische Staatschef, dass sich die Frage der deutschen nationalen Einheit auch im Rahmen des europäischen Prozesses, beim Aufbau eines gemeinsamen Hauses in Europa, lösen lasse. „Ob dies unter den Bedingungen einer gesamteuropäischen Konföderation, wie sie Präsident O. Mitterrand vorschlug, oder in einer anderen Form geschehen wird, bleibt eine Frage der Geschichte. Wir hoffen, dass die beiden deutschen Staaten bei der Suche nach Wegen und Formen einer möglichen Wiedervereinigung, die nicht den Interessen aller europäischen Völker und dem Weltfrieden widersprechen, ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein beweisen werden. Angesichts der aktiven Entwicklung deutscher Probleme müssen alle Länder, alle Parteien und Bewegungen, deren Interessen stark betroffen sind, die Menschen auf der Straße und in den Ämtern – alle – umsichtig und mit größter Vernunft handeln. Andernfalls könnten wir Europa zerstören, das gerade erst den Weg des gegenseitigen Vertrauens und der gemeinsamen Gestaltung eingeschlagen hat.“ (Prawda, 3. Februar 1990).
5 – M. S. Gorbatschow ging in seinem Bericht auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU auf verschiedene internationale Fragen ein. „Die in den Beschlüssen des Kongresses der Volksdeputierten und des Obersten Sowjets der UdSSR verankerte Außenpolitik hat weltweit breite Resonanz und Anerkennung gefunden und bereits zu einer deutlichen Verbesserung der internationalen Lage geführt. Genau diese Politik entspricht unseren innenpolitischen Bedürfnissen und stärkt die internationale Stellung und das Ansehen des Sowjetstaates. … Am wichtigsten ist es für uns jetzt, den Abrüstungsprozess voranzutreiben, den Dialog und das gegenseitige Verständnis in entscheidenden Bereichen der internationalen Entwicklung zu vertiefen und alles zu tun, um den Ausbau und die Stärkung der Grundlagen für den Aufbau einer europäischen Heimstätte zu fördern. Und in diesem Rahmen gilt es, die Bündnisbeziehungen mit den Ländern Osteuropas zu verbessern, die diese dringend benötigen.“ Mit Blick auf die Fortsetzung des Abrüstungskurses betonte M. S. Gorbatschow: „Dies geschieht unter Berücksichtigung der realen Lage und der bestehenden Gefahren. Wir brauchen gut ausgebildete und ausgerüstete Streitkräfte. Ihre Reorganisation erfolgt so, dass die Verteidigungsfähigkeit des Landes in keiner Weise geschwächt wird.“ (Prawda, 6. Februar 1990)
5 – Auf deren Ersuchen empfing das Komitee für Staatssicherheit den stellvertretenden Staatssekretär für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, R. Schiffer, den Leiter der Sowjetabteilung des US-Außenministeriums, A. Werschbow, sowie Mitarbeiter der US-Botschaft in Moskau. Ihnen wurde die Tätigkeit des KGB als eine der Strafverfolgungsbehörden unter den neuen Bedingungen erläutert. (Prawda, 6. Februar 1990).
6 – E. A. Schewardnadse sprach auf dem Plenum des Zentralkomitees der KPdSU. Er ging auf verschiedene außenpolitische Fragen ein. „Unsere aktuelle Lage und die Art und Weise, wie die Welt uns behandelt, sind bekannt. Ich weiß, dass die ausländische Unterstützung für die Perestroika selbst einige in unserem Land verärgert. Manchmal wird gefordert, die außenpolitischen Aktivitäten zurückzufahren. Leider wird das nicht funktionieren… Nur durch eine breite internationale Zusammenarbeit können die drängendsten innenpolitischen Probleme erfolgreich gelöst werden. Es ist auch die Rede von einseitigen Zugeständnissen und dem Aufgeben von Positionen. Wir haben niemals Zugeständnisse gemacht, und wenn doch, dann nur aus Vernunft. Was das Aufgeben von Positionen angeht, so geschah dies vor vielen Jahren, und wir gewinnen sie nun zurück. Es war mühsam, aber wir gewinnen sie zurück… Und die Perestroika darf nicht für die Zerstörung der politischen Struktur Europas verantwortlich gemacht werden. Sie wurde durch den Willen der Völker zerstört, die die Gewalt nicht länger dulden wollten. Und diese Gewalt – und das wird irgendwie vergessen – wurde in den späten 1940er Jahren verübt, als die Struktur der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Volksdemokratien zerbrach. Als demokratische Kräfte mit den Im Namen des Sieges über Faschismus, der Freiheit und der Demokratie wurden Kommunisten aus den Koalitionsregierungen Mittel- und Osteuropas vertrieben, und es entstanden Regime persönlicher Herrschaft, die sogenannte Diktatur des Proletariats. Politiker wie Wissenschaftler haben sich diesem Phänomen noch immer nicht gestellt. Eine weitere Frage: Gebären Systeme Diktatoren, oder schaffen Diktatoren Systeme, oder beides? Dies ist ein Thema für ernsthafte, sehr ernsthafte und tiefgreifende Forschung. Damals, und nicht erst 1985, begann die Untergrabung des Glaubens an den Sozialismus, basierend auf Repression und Gewalt. Heute hört man: Wo wart ihr? Diese Frage wurde von diesem Podium aus gestellt. Warum habt ihr den Lauf der Ereignisse in diesen Ländern nicht vorhergesehen? Wir haben ihn vorhergesehen. Und genau deshalb haben wir ab April 1985 die zwischenstaatlichen Beziehungen zu diesen Ländern grundlegend umgestaltet, auf Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten verzichtet und aufgehört, ihnen Entscheidungen aufzuzwingen. Aber, wie unsere eigene Erfahrung zeigt, ist es leichter, etwas zu ändern. „Politik ist wichtiger als Menschen. Viele der führenden Köpfe dieser Länder stammen aus demselben Milieu, und wer es genäht hat, ist wohlbekannt.“ (Prawda, 8. Februar 1990).
6 – Das Seminar der Vertreter der 35 KSZE-Teilnehmerstaaten zu Militärdoktrinen wurde in Wien abgeschlossen. (Iswestija, 7. Februar 1990).
7 – Die sowjetische Parlamentsdelegation unter der Leitung von W. A. ​​Medwedew begann ihren Besuch im Vereinigten Königreich. Im Mittelpunkt der Gespräche an diesem Tag stand die Rolle des neuen politischen Denkens in den Ost-West-Beziehungen. W. A. ​​Medwedew erinnerte daran, dass der Begriff „neues politisches Denken“ erstmals von M. S. geprägt wurde. Gorbatschow sagte während seiner Londonreise 1984: „Natürlich war dies damals nur der Ausgangspunkt eines Konzepts, das sich in den folgenden Jahren zu einem ganzen System von Ansichten über globale Entwicklungsprozesse entwickelte… Ich möchte betonen, dass dieses Konzept selbst zu reifen begann, als die Leidenschaften des Kalten Krieges ihren Höhepunkt erreichten, dass neues politisches Denken das Ergebnis tiefgründiger, nicht opportunistischer Reflexion, einer Bewertung der Realitäten unserer Gegenwart und des Versuchs ist, in die Zukunft zu blicken. Es ist untrennbar verbunden mit der Suche nach einem neuen dominanten Prinzip im Verhältnis zwischen zwei Gesellschaftssystemen, konventionell gesprochen Ost und West, in der gegenwärtigen Phase der historischen Entwicklung. Es ist die Frucht einer Abkehr von den Ideen, die unsere Gesellschaft leider viele Jahrzehnte lang geleitet haben. Wir gelangten zu einer neuen Philosophie der Beziehungen zwischen Ost und West durch die Erkenntnis der Notwendigkeit einer grundlegenden Revision unserer Ansichten über den Weg unserer eigenen Entwicklung – mit anderen Worten, durch die Perestroika. Und dies ermöglichte es uns, die vorrangige Bedeutung universeller menschlicher Werte für das Schicksal dieses Prozesses zu verstehen.“ Tatsächlich ist dies der Kern neuen politischen Denkens. Es steht im Gegensatz zu den nach wie vor hartnäckigen machtbasierten Ansätzen, die weiterhin auf Gewalt, Konfrontation und den „Sieg“ eines Systems über ein anderes setzen. Unsere neue Weltanschauung entspringt völlig neuen Sichtweisen auf uns selbst, den Sozialismus und die Menschheit – dem Wesen der wahrhaft revolutionären Umwälzungen in der Sowjetunion. Darüber hinaus wird die Wahrnehmung der Menschheit als Ganzes von ihren wirtschaftlichen, militärischen, ökologischen und informationellen Realitäten bestimmt. Diese erfordern objektiv Kooperation, gemeinsame Entwicklung und Interaktion. Anders ausgedrückt: Neues Denken ist das Ergebnis einer bewussten Entscheidung der heutigen sowjetischen Führung, einer objektiven Bewertung der neuen Realitäten, der wachsenden Interdependenz und der Integrität der modernen Welt. Die Beschaffenheit der modernen Welt, ihre inhärenten Prozesse und Trends sowie die reiche Erfahrung internationaler Beziehungen bieten die einzige Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen, die auf der Anerkennung der Universalität des Prinzips der Wahlfreiheit beruhen. Trotz der Bedeutung integrierender und vereinheitlichender Elemente erleben wir eine wachsende Vielfalt an Wegen und Formen sozialer Bewegungen in verschiedenen Ländern. Länder. Und es wäre wohl sinnlos, wenn nicht gar unmöglich, sie alle auf einen einzigen Nenner zu reduzieren. Jedes Land, jedes Volk hat das unveräußerliche Recht, seinen eigenen Weg zu wählen. Versuche, dieses Recht zu verletzen, einen diesem Land fremden Willen aufzuzwingen, führen unweigerlich zu Spannungen und untergraben das äußerst fragile Gleichgewicht.Dies wird derzeit durch die enormen Anstrengungen der Weltgemeinschaft erreicht. In letzter Zeit wurde die Frage der Wegwahl häufig im Zusammenhang mit den rasanten und turbulenten Veränderungen in einigen osteuropäischen Ländern diskutiert. Die Entwicklungen in dieser Region erregen naturgemäß jetzt Aufmerksamkeit, umso mehr, als sie dynamisch und mitunter dramatisch sind. Unserer Ansicht nach wäre es jedoch falsch, die Prozesse in Osteuropa weiterhin durch die Brille der Ost-West-Konfrontation zu betrachten, etwa als den „endgültigen Zusammenbruch“ des Sozialismus und den Triumph des kapitalistischen Systems. Ein solcher Ansatz wäre ein Relikt überholter Denkweisen. Man sollte den Zusammenbruch bestimmter Gesellschaftsordnungsmodelle nicht mit der sozialistischen Idee selbst verwechseln. Ich glaube, dass trotz der entschiedensten Ablehnung deformierter Modelle grundlegende sozialistische Ideen wie die Idee der sozialen Gerechtigkeit bestehen bleiben werden; sie sind im genetischen Gedächtnis der Generationen verankert und können nicht ausgelöscht werden.“ (Pravda, 8. Februar 1990)
9 – Präsident Gorbatschow traf sich mit dem US-Außenminister George Baker. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Themen des für Juni 1990 geplanten Gipfeltreffens. Gorbatschow betonte, Bakers Besuch setze den sowjetisch-amerikanischen Dialog fort, vertiefe ihn und führe ihn auf eine neue Ebene des gegenseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit. Baker berichtete, die USA hätten ihre bisherige Position geändert und zugestimmt, 1990 im Rahmen des KSZE-Prozesses ein gesamteuropäisches Gipfeltreffen abzuhalten. Neue Vorschläge zur Abrüstung, die der Außenminister mitgebracht hatte, wurden erörtert. Laut Gorbatschow führten diese zu einer weiteren Angleichung der Positionen in mehreren Punkten. Die deutsche Frage spielte eine wichtige Rolle in der Diskussion. Die Parteien tauschten Informationen und Meinungen aus. „Natürlich waren Abkommen zwischen der UdSSR und den USA in dieser Angelegenheit ausgeschlossen. Wie jedoch im veröffentlichten Bericht über das Treffen festgehalten wurde, betonten die Gesprächspartner ihr gemeinsames Interesse an einer Lösung der deutschen Frage im gesamteuropäischen Kontext und daran, dass alle Europäer darauf vertrauen können, dass Deutschland ein friedliebender Staat sein wird, der fähig und bestrebt ist, in gleichberechtigter Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn und allen anderen Ländern zu leben, ohne eine Bedrohung für irgendjemanden darzustellen.“ (Prawda, 10. Februar 1990).
7–9 – Treffen zwischen E. A. Schewardnadse und J. Baker in Moskau. Im Anschluss an die Gespräche wurde eine Gemeinsame Erklärung sowie eine Gemeinsame Erklärung zu Chemiewaffen veröffentlicht, in der die Parteien ihren Wunsch nach der weltweiten Abschaffung dieser Waffen bekräftigten und sich auf einen allgemeinen Rahmen zur Erreichung dieses Ziels einigten. (Prawda, 11. Februar 1990).
10 – M.S. Gorbatschow traf sich mit dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Kohl. Das Treffen basierte auf allen Grundbestimmungen der sowjetisch-westdeutschen Erklärung vom Juni 1989. Es wurde festgestellt, dass „die deutsche Frage auf der gegenwärtigen Ebene nur im Kontext der gesamteuropäischen Entwicklung gelöst werden kann, unter Berücksichtigung der Sicherheit und der Interessen beider Nachbarländer sowie anderer Staaten in Europa und der Welt.“ M. S. Gorbatschow erklärte – und der Bundeskanzler stimmte ihm zu –, dass zwischen der UdSSR, der BRD und der DDR derzeit kein Uneinigkeit darüber bestehe, dass die Frage der Einheit der deutschen Nation von den Deutschen selbst gelöst werden müsse und dass sie selbst die Regierungsform, den Zeitrahmen, das Tempo und die Bedingungen für die Verwirklichung dieser Einheit bestimmen sollten. Gorbatschow bezog sich auch auf sein kürzliches Gespräch mit dem Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Heinrich Modrow. Er betonte, dass alle Deutschen, sowohl im Osten als auch im Westen, die Position der Sowjetunion kennen sollten. Bei der Lösung ihrer nationalen Frage müssten sie sich jedoch der Realitäten bewusst sein – dass es einen Krieg gegeben habe und dass dieser, wie die Nachkriegszeit, Spuren hinterlassen habe. Das Erbe. Wir überdenken all dies nun. Wir haben uns von der Konfrontation abgewandt, und der europäische Prozess nimmt Fahrt auf. Die deutsche Annäherung sollte weder die hier bereits erzielten positiven Ergebnisse noch die Ost-West-Beziehungen insgesamt untergraben oder das europäische Gleichgewicht stören. Im Gegenteil, so Gorbatschow, sie kann und sollte so gestaltet werden, dass sie zu einer konstruktiven gesamteuropäischen Entwicklung beiträgt. Daher ist nur eine Politik akzeptabel, die alle Realitäten und alle möglichen Konsequenzen berücksichtigt: innenpolitische, wirtschaftliche und natürlich die psychologischen Reaktionen sowohl der Deutschen als auch anderer Länder, insbesondere der am Krieg beteiligten. Die Lösung der deutschen Frage ist untrennbar mit dem Erfolg der Abrüstungsverhandlungen in Europa, der sich wandelnden Rolle der beiden militärisch-politischen Bündnisse und Fragen im Zusammenhang mit der Präsenz ausländischer Truppen auf europäischem Boden verbunden. Herr Kohl bekräftigte die feste Entschlossenheit der Deutschen: Nie wieder wird von deutschem Boden aus Krieg entfesselt werden, und bekräftigte diese Formulierung: „Nur der Frieden muss von deutscher Seite kommen.“ Der Aufbau der deutschen Einheit, so wurde angemerkt M. S. Gorbatschow und die Suche der Deutschen nach einem neuen Platz in der europäischen und globalen Struktur müssen die grundlegenden Realitäten der neuen Ära stets berücksichtigen. Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, dass die Geschichte die Lösung der deutschen Frage bestimmen wird. Und nun hat die Geschichte begonnen, sich in unerwartetem Tempo zu bewegen. Wir müssen daher mit großer Bedachtsamkeit handeln und dabei wahrhaft historische Kriterien berücksichtigen. In dieser neuen Situation müssen wir so zusammenarbeiten, dass nicht nur das auf Staatsebene erreichte gegenseitige Verständnis gewahrt und die neue Natur der Beziehungen zwischen dem deutschen und dem sowjetischen Volk nicht beeinträchtigt wird, sondern dass sich diese Beziehungen auch weiterentwickeln und bereichern.“ (Prawda, 11. Februar 1990)
10 – Es fanden Gespräche zwischen E. A. Schewardnadse und G. D. Genscher statt. Die deutsche Frage wurde erörtert. E. A. Schewardnadse betonte: „Es geht darum, Lösungen zu finden, die den Interessen der DDR und der BRD sowie den Interessen der Sowjetunion und anderer europäischer Staaten gerecht werden, unter Berücksichtigung der Verantwortung der vier Großmächte in deutschen Angelegenheiten und im Verhältnis zu West-Berlin sowie der rechtlichen und politischen Gegebenheiten… Es wurde hervorgehoben, dass die Annäherung der DDR und der BRD schrittweise und im Einklang mit dem Helsinki-Prozess erfolgen sollte. Es ist wichtig, dass dies der Stärkung der Stabilität und Sicherheit Europas dient.“ (Iswestija, 11. Februar 1990).
11–16 – Besuch von N. I. Ryschkow in Thailand, Australien und Singapur. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 5, S. 5–18).
12 – Die sowjetische Regierung hat eine Erklärung zu den Entwicklungen in Europa veröffentlicht. Darin wird die bereits geäußerte Position bekräftigt, alle ausländischen Truppen bis 1995/96 aus Europa abzuziehen und alle Militärbasen im Ausland bis 2000 aufzulösen. Die Sowjetunion hat bereits Verhandlungen mit der Tschechoslowakei und Ungarn über den Truppenabzug aufgenommen. Sollte die polnische Regierung ein entsprechendes Interesse bekunden, könnten wir die Frage der sowjetischen Truppen in Polen auch mit ihren Vertretern erörtern. Bezüglich der in der DDR stationierten Westgruppe reduziert die Sowjetunion ihre dort stationierten Truppen bereits einseitig. Weitere Schritte in diese Richtung sind im Rahmen der bei den Wiener Verhandlungen erzielten Vereinbarungen möglich… Darüber hinaus stellt die Präsenz ausländischer Truppen sowohl in der DDR als auch in der BRD eine besondere Frage dar, die mit den Verpflichtungen der vier Nachkriegsmächte zusammenhängt und nur unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen aller betroffenen Staaten gelöst werden kann.“ (Iswestija, 12. Februar 1990).
13 – Die Internationale Konferenz über den Offenen Himmel wurde in Ottawa eröffnet. Im Rahmen der Konferenz wurde auf Grundlage der vorangegangenen Ministertreffen folgende Erklärung veröffentlicht: „Die Außenminister der BRD, der DDR, Frankreichs, des Vereinigten Königreichs, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten trafen sich in Ottawa. Sie vereinbarten, dass die Außenminister der BRD und der DDR sich mit den Außenministern Frankreichs, des Vereinigten Königreichs, der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten treffen werden, um die außenpolitischen Aspekte des Aufbaus der deutschen Einheit, einschließlich Sicherheitsfragen in den Nachbarstaaten, zu erörtern. Vorgespräche zu diesem Thema auf offizieller Ebene werden in Kürze beginnen.“ Es wurden ein Kommuniqué über den Offenen Himmel und ein Kommuniqué über konventionelle Waffen in Europa und den KSZE-Gipfel am Ende des laufenden Jahres verabschiedet. (Pravda, 15. Februar 1990).
14 – Im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen in Nordäthiopien und Eritrea wurde eine Erklärung der sowjetischen Regierung veröffentlicht. Darin heißt es: „Die gesamte Geschichte des fast drei Jahrzehnte andauernden bewaffneten Konflikts in Eritrea zeigt, dass er nicht mit Gewalt gelöst werden kann. Nur die Entwicklung politischer Kompromisslösungen ist ein gangbarer Weg zur Lösung des eritreischen Problems.“ (Prawda, 15. Februar 1990).
17 – Bei einer Pressekonferenz im Pressezentrum des sowjetischen Außenministeriums wurde festgestellt, dass die Sowjetunion Polens Bedenken hinsichtlich der Garantien für die Unverletzlichkeit seiner Grenzen infolge einer möglichen Wiedervereinigung Deutschlands versteht. G. I. Gerassimow, Leiter der Informationsabteilung des sowjetischen Außenministeriums, erklärte: „Ich denke, die in Ottawa verabschiedete ‚2+4‘-Formel lehnt die laufenden Konsultationen zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Mächten, die eine besondere Verantwortung für die Lösung dieser Frage tragen, nicht ab, sondern im Gegenteil, sie impliziert sie – mit allen interessierten Ländern, darunter natürlich auch Polen.“ (Iswestija, 1990, 18. Februar).
19. – Die Zeitung „Iswestija“ veröffentlicht ein Interview mit E. A. Schewardnadse, in dem es insbesondere ausführlich um die deutsche Frage geht. Auf die Frage eines Korrespondenten nach dem Zeitrahmen für die deutsche Wiedervereinigung antwortet E. A. Schewardnadse sagte: „Ich finde das Konzept des Regierungschefs der DDR, Hans Modrow, sehr interessant. Er hat einen sehr vernünftigen und ausgewogenen Plan vorgelegt: eine Bündnisgemeinschaft – konföderale Beziehungen – eine Föderation – und schließlich die Wiedervereinigung Deutschlands mit Berlin als Hauptstadt als letzte Stufe. Mit anderen Worten: Es geht um Stufen. Modrow räumt ein, dass die Wiedervereinigung ein schrittweiser Prozess ist. Gleichzeitig fällt es schwer, der Position mancher Politiker zuzustimmen. Sie haben die deutsche Frage (insbesondere alles, was mit der DDR zu tun hat) zum Wahlkampfthema gemacht. Die Parteiführer scheinen sich gegenseitig mit den radikalsten, revolutionärsten Parolen zu überbieten. In einem Gespräch mit Genscher schlug ich ihm vor, die möglichen Konsequenzen zu bedenken. Er erinnerte uns daran, dass die UdSSR noch nicht zu Wort gekommen sei. Niemand sollte glauben, Moskau bleibe gleichgültig, wenn ein vereintes Deutschland der NATO beitritt. Wir haben einige Optionen in der Hinterhand … Sie fragten nach einem Zeitrahmen … Das ist schwer vorherzusagen. Aber ich glaube nicht, dass die Wiedervereinigung so schnell vonstattengehen wird.“ So schnell, wie Bonn prognostiziert, wird es wohl mehrere Jahre dauern… Wir sind besorgt, dass der Prozess der deutschen Wiedervereinigung den Fortschritt der europäischen Integration überholt. Dies ist nicht nur für uns, sondern auch für die Franzosen und Briten ein Problem. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Veränderungen in Deutschland den Aufbau eines gemeinsamen europäischen Hauses verlangsamen.“ Auf die Frage, ob wir in der deutschen Frage ins Hintertreffen geraten seien, antwortete Eduard Schewardnadse: „Das würde ich nicht sagen. Es gab einen Rückstand, aber nicht unseren. Ich bin sicher, dass die Situation heute anders wäre, wenn die DDR-Führung damals (sagen wir, vor zwei Jahren) mit Reformen begonnen hätte.“ Auf die Frage nach einem möglichen Zusammenbruch des Warschauer Pakts erklärte Schewardnadse: „Ich halte eine solche Aussicht für unwahrscheinlich. Solange die deutsche Frage nicht gelöst ist, sind die Tschechoslowaken und erst recht die Polen an Stabilitätsgarantien interessiert. Und der Warschauer Pakt bietet diese Garantien.“
19 – Eine Delegation sowjetischer Parlamentarier unter der Leitung von W.M. Falin, Mitglied des Internationalen Ausschusses des Obersten Sowjets der UdSSR, besuchte das NATO-Hauptquartier, traf sich mit der Führung des Bündnisses und nahm an einer gemeinsamen Sitzung der beiden Hauptausschüsse der Nordatlantischen Versammlung teil. Dies war der erste Kontakt auf dieser Ebene. (Prawda, 20. Februar 1990).
19 – Der Besuch der Delegation des Obersten Sowjets der UdSSR – Ausschuss für Verteidigung und Staatssicherheit – unter der Leitung ihres Vorsitzenden W. L. Lapygin in den Vereinigten Staaten auf Einladung des US-Kongresses ist beendet. (Iswestija, 20. Februar 1990).
21. – Die Prawda veröffentlichte die Antworten von M. S. Gorbatschow an ihren Korrespondenten. Darin wurde die deutsche Frage ausführlich behandelt. In diesem Zusammenhang wurde insbesondere gesagt: „Ich möchte hier zwei Aspekte hervorheben. Erstens das Recht der Deutschen auf Einheit. Dieses Recht haben wir nie bestritten… Diese Frage ist uns nicht neu… Wir gehen davon aus – und ich musste darüber schon mehrfach sprechen, sowohl öffentlich als auch im Gespräch mit deutschen Politikern –, dass die Geschichte die Entstehung zweier deutscher Staaten bewirkt hat und es der Geschichte obliegt, über die Staatsform der deutschen Nation zu entscheiden. Und so hat die Geschichte unerwartet schnell gewirkt. Unter diesen Umständen haben wir erneut bekräftigt, dass die Deutschen selbst bestimmen müssen, wie, in welchem ​​Zeitrahmen und in welcher Form ihre Wiedervereinigung erfolgen soll. Dies wurde in Gesprächen mit H. Modrow und kurz darauf mit H. Kohl erörtert. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille, und diese Gespräche beschränkten sich nicht darauf… Die Wiedervereinigung Deutschlands betrifft mehr als nur die Deutschen. Bei allem Respekt vor ihrem nationalen Recht ist die Situation so, dass es unvorstellbar ist, dass die Deutschen untereinander eine Einigung erzielen und dann alle anderen bitten, diese Entscheidungen einfach abzusegnen.“ Sie haben bereits Entscheidungen getroffen. Es gibt grundlegende Dinge, die die internationale Gemeinschaft wissen muss und bei denen kein Raum für Zweideutigkeiten sein darf.
Darüber hinaus muss von vornherein klar sein, dass weder der Annäherungsprozess zwischen der BRD und der DDR noch ein wiedervereinigtes Deutschland eine Bedrohung oder einen Schaden für die nationalen Interessen seiner Nachbarn oder anderer Staaten darstellen dürfen. Und selbstverständlich ist jede Verletzung der Grenzen anderer Staaten ausgeschlossen.
Neben der Unverletzlichkeit der infolge des Zweiten Weltkriegs festgelegten Grenzen, die die bedeutendste ist, gibt es weitere Konsequenzen. Niemand hat die vier Mächte von ihrer Verantwortung entbunden. Und nur sie selbst können sich davon freisprechen. Es gibt noch keinen Friedensvertrag mit Deutschland. Und nur eine kann Deutschlands Stellung in der europäischen Struktur nach Völkerrecht endgültig bestimmen.
Lange Zeit wurde die Sicherheit, aus welchen Gründen auch immer, durch die Existenz zweier militärisch-politischer Bündnisse – des Warschauer Pakts und der NATO – gewährleistet. Die Voraussetzungen für die Bildung eines grundlegend neuen Sicherheitssystems in Europa zeichnen sich erst jetzt ab. Die Rolle dieser Bündnisse bleibt daher bestehen, auch wenn sie sich mit dem Abklingen der bewaffneten Auseinandersetzungen, der Schwächung der militärischen Sicherheitskomponente und der Stärkung der politischen Aspekte ihrer Aktivitäten deutlich verändert. Folglich muss die deutsche Wiedervereinigung diese Umstände berücksichtigen, insbesondere die Unzulässigkeit einer Störung des militärstrategischen Gleichgewichts dieser beiden internationalen Organisationen. Dies erfordert absolute Klarheit.
Und schließlich. Aus dem Vorangegangenen folgt, dass der Prozess der deutschen Wiedervereinigung organisch mit dem gesamteuropäischen Prozess und dessen Kernlinie – der Bildung einer grundlegend neuen europäischen Sicherheitsstruktur, die die des Blocks ablösen wird – verbunden ist und mit diesem synchronisiert werden muss. Nachdem er Wesen und Rolle des „Zwei-plus-Vier“-Systems weiter erläutert hatte, bemerkte M.S. Gorbatschow: „Seine Rechtsgrundlage ist an die Folgen des Krieges und die Verantwortung der vier Mächte für die künftige Rolle Deutschlands in der Welt geknüpft. Gleichzeitig berücksichtigt sie die enormen Veränderungen, die sich seither in Europa und der Welt, aber auch in den beiden deutschen Staaten selbst vollzogen haben, und bezieht sie daher in die Formel dieses Mechanismus, der vorläufig „Zwei-plus-Vier“ genannt wird, mit ein.“ Auf die Frage, ob dieses Verfahren nicht ein Element der Diskriminierung anderer am Krieg beteiligter Länder enthalte, antwortete M.S. Gorbatschow bemerkte:
„Die Frage ist berechtigt. Genau deshalb verknüpfen wir, ohne das historisch bedingte Recht der vier Mächte zu schmälern, den ‚2+4‘-Mechanismus mit dem gesamteuropäischen Prozess und berücksichtigen gleichzeitig die besonderen Interessen anderer Länder, die nicht in diese Formel einbezogen sind.“ Es wurde auch die Frage gestellt: Wie beurteilen Sie die gewisse Besorgnis im sowjetischen Volk und in anderen europäischen Nationen angesichts der Aussicht auf die Entstehung eines vereinigten deutschen Staates im Herzen Europas?
Gorbatschow antwortete: „Sowohl historisch als auch psychologisch ist diese Besorgnis verständlich. Es lässt sich nicht leugnen, dass das deutsche Volk aus den Erfahrungen mit Hitlers Herrschaft und dem Zweiten Weltkrieg gelernt hat. In beiden deutschen Staaten sind neue Generationen herangewachsen, die Deutschlands Rolle in der Welt anders sehen als beispielsweise im vergangenen Jahrhundert, insbesondere während der NS-Zeit … All das ist richtig. Dennoch hat niemand das Recht, das negative Potenzial zu ignorieren, das sich in Deutschlands Vergangenheit entwickelt hat.“ Und es ist umso unmöglicher, die Erinnerung der Bevölkerung an den Krieg, seine Schrecken und Verluste außer Acht zu lassen. Daher ist es von größter Wichtigkeit, dass die Deutschen bei der Entscheidung über die Wiedervereinigung ihrer Verantwortung und der Notwendigkeit, nicht nur die Interessen, sondern auch die Gefühle anderer Völker zu respektieren, bewusst sind. (Prawda, 21. Februar 1990).
21. – N. I. Ryschkow empfing den Staatssekretär für Planung beim französischen Premierminister, L. Stoller, der sich zu Konsultationen über die Zusammenarbeit im Bereich der Wirtschaftsführung in Moskau aufhielt. (Prawda, 22. Februar 1990).
23 – Der polnische Botschafter S. Czosek überbrachte E. A. Schewardnadse ein Schreiben des Ministerratsvorsitzenden T. Masowiecki an M. S. Gorbatschow und N. I. Ryschkow. Darin wurde Polens Position zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und seine Beteiligung an den Diskussionen über deren außenpolitische Aspekte dargelegt. Masowiecki dankte Gorbatschow für dessen Unterstützung der polnischen Position in seinen Antworten an die Prawda und betonte, dass die Republik Polen, ohne die Rolle der vier Mächte zu schmälern, das moralische und rechtliche Recht habe, sich an den Gesprächen in jenen Phasen der „2+4“-Verhandlungen zu beteiligen, in denen Fragen der polnischen Sicherheit behandelt werden. E. A. Schewardnadse stimmte dieser Formulierung vollumfänglich zu. Die UdSSR werde darauf bestehen, dass die Verhandlungspartner ein ähnliches Verfahren anwenden. Auch die Frage des militärischen und politischen Status Deutschlands nach der Wiedervereinigung wurde angesprochen. Die Argumente, ein vollständiger NATO-Beitritt Deutschlands würde dessen Kontrolle gewährleisten und die von Deutschland ausgehende Bedrohung beseitigen, halten einer kritischen Prüfung nicht stand. Im Gegenteil, es spricht alles dafür, dass ein solcher Verlauf das europäische Machtgleichgewicht stören würde. Die Aussagen einiger westlicher Staats- und Regierungschefs, keine NATO-Truppen auf dem Gebiet der heutigen DDR zu stationieren, entbehren jeder Grundlage. Die vorgeschlagene Struktur, nach der ein Teil des Staates NATO-Mitglied und der andere nicht wäre, ist künstlich. Sie dient offenbar der Beschwichtigung der europäischen Öffentlichkeit. (Prawda, 24. Februar 1990).
26 – Ein Treffen zwischen M. S. Gorbatschow und dem tschechoslowakischen Präsidenten Václav Havel fand statt. Im Ergebnis der Verhandlungen wurde die „Erklärung über die Beziehungen zwischen der UdSSR und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik“ unterzeichnet. Darin wurde betont, dass sich diese Beziehungen „auf der Grundlage von Gleichberechtigung und uneingeschränkter gegenseitiger Achtung der staatlichen Souveränität entwickeln werden. Nur auf dieser Grundlage kann eine freiwillige und für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit in allen Bereichen des öffentlichen Lebens verwirklicht werden.“ Beide Seiten sprachen sich für eine Vertiefung der sowjetisch-tschechoslowakischen Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung des gesamteuropäischen Prozesses aus. Die Außenminister beider Länder unterzeichneten ein Abkommen über den Abzug der sowjetischen Truppen aus der Tschechoslowakei. Im Verlauf der Gespräche wurde die Frage der deutschen Wiedervereinigung angesprochen. „Wir sind uns einig, dass dieser Prozess im gesamteuropäischen Kontext stattfinden sollte“, sagte Wladimir Havel.
– Im Rahmen des regelmäßigen Meinungsaustauschs zwischen der UdSSR und den USA fand ein Telefongespräch zwischen M. S. Gorbatschow und George Bush statt. (Prawda, 1. März 1990).
– Der DDR-Botschafter in der UdSSR, Gerd König, übergab E. A. Schewardnadse ein Memorandum des DDR-Außenministeriums zur Einbeziehung der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten in den gesamteuropäischen Prozess. E. A. Schewardnadse unterstützte die DDR-Initiative. (Prawda, 1. März 1990).


Marsch


1 – Das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR sandte ein Telegramm an den Präsidenten der Republik Nicaragua, Daniel Ortega Saavedra, anlässlich der am 25. Februar abgehaltenen Parlamentswahlen. Darin wurden diese als entscheidender Meilenstein für das Land und wichtiger Schritt hin zu einer gerechten Beilegung der Krise in Zentralamerika bezeichnet. Auch Violeta Barrios de Chamorro wurde anlässlich ihres Wahlsiegs bei den Präsidentschaftswahlen in Nicaragua ein Glückwunschtelegramm übermittelt. (Pravda, 3. März 1990).
2 – E. A. Schewardnadse traf sich mit dem Vorsitzenden des Ministerkomitees des Europarats, dem portugiesischen Außenminister J. de Deus Pinheiro, und dem Generalsekretär des Europarats, C. Lalumière. Erörtert wurden die weitere Entwicklung der für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen zwischen der UdSSR und dem Europarat. Im Rahmen der Diskussion europäischer Fragen einigten sich die Teilnehmer darauf, dass eine Reihe ständiger Strukturen des Europarats im Laufe der Zeit an den Helsinki-Prozess angebunden und gesamteuropäischen Charakter erhalten könnten. (Iswestija, 3. März 1990)
6 – M. S. Gorbatschow empfing den Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, H. Modrow. Es wurden grundlegende Aspekte der deutschen Frage und der bilateralen Zusammenarbeit erörtert. M. S. Gorbatschow bekräftigte, dass die Sowjetunion das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen in der DDR und der BRD respektiere und gleichzeitig dem Annäherungsprozess zwischen den beiden deutschen Staaten und der Erfüllung ihrer internationalen Verpflichtungen nicht gleichgültig gegenüberstehe. Die UdSSR habe das Recht, Garantien zu fordern, dass von deutschem Boden aus nie wieder ein Krieg ausbrechen werde. „Wir sind fest davon überzeugt“, sagte M. S. Gorbatschow. Gorbatschow sagte: „Eine Annäherung zwischen der DDR und der BRD kann das Gleichgewicht der Interessen auf dem Kontinent nur dann wahren, wenn sie schrittweise, überprüfbar und im Rahmen des gesamteuropäischen Prozesses mit der Sicherheit aller betroffenen Staaten verknüpft ist. Das Schüren von Aufregung, der Versuch einer Annexion der DDR und eine Politik des ‚Fait accomplis‘ entsprechen keinem verantwortungsvollen Umgang mit einer so heiklen Frage für das Schicksal Europas und der Welt wie der deutschen.“ „Dies entspricht unserer Ansicht nach nicht den Interessen der Deutschen selbst, die an konstruktiven, fruchtbaren Beziehungen zu allen Völkern Europas interessiert sein können, die auf starkem gegenseitigem Vertrauen beruhen… Die Unannehmbarkeit der Einbeziehung eines künftigen Deutschlands in die NATO, ungeachtet etwaiger Vorbehalte, wurde mit aller Entschlossenheit festgestellt… Die grundlegenden Aspekte der deutschen Wiedervereinigung, einschließlich des militärisch-politischen Status Deutschlands, könnten, so der sowjetische Staatschef, im Rahmen einer friedlichen Lösung eine endgültige Regelung finden, die ein wichtiges Element der sich auf dem Kontinent herausbildenden neuen Sicherheitsstrukturen darstellen und Deutschland aus völkerrechtlicher Sicht den anderen Mitgliedern der Weltgemeinschaft gleichstellen würde.“ (Prawda, 7. März 1990).
6 – Nach seinem Gespräch mit H. Modrow gab M.S. Gorbatschow dem Fernsehen der DDR und der BRD ein Interview. Auf die Frage nach der Haltung der UdSSR zur NATO-Teilnahme eines vereinten Deutschlands bekräftigte er die prinzipielle sowjetische Position und sagte insbesondere: „Wohin soll ein vereintes Deutschland gehen? Ich denke, wenn die europäischen und Wiener Prozesse voranschreiten, werden wir Helsinki II erreichen, und die NATO und der Warschauer Pakt werden sich von militärpolitischen zu politischen Organisationen wandeln – das ist eine Möglichkeit. Und dann wird es dieses Gezänk darüber, wohin ein vereintes Deutschland gehen soll, nicht mehr brauchen … Wir werden uns aktiv und konstruktiv an den laufenden Prozessen beteiligen, aber wir werden nicht zulassen, dass die sich abzeichnenden und an Dynamik gewinnenden positiven Tendenzen in Europa untergraben oder der Prozess der Erneuerung der Beziehungen zwischen den europäischen Ländern gestoppt wird. Das ist unser Ausgangspunkt.“ Auf die Frage, ob Deutschland im Vorfeld der Wahlen genügend Verantwortung getragen habe, antwortete M.S. Gorbatschow antwortete: „Sie wissen, es gibt heikle Bereiche, und man kann sich nicht in innere Angelegenheiten einmischen. Wir haben diese Position entschieden eingenommen: uns nicht in innere Angelegenheiten einzumischen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass wir gleichgültig sind; im Gegenteil, wir sympathisieren mit einigen Prozessen und solidarisieren uns mit ihnen, während wir andere negativ bewerten. Letztendlich trifft aber jede Nation ihre eigene Wahl… Ich glaube, dass die Menschen selbst sorgfältig überlegen sollten, wem sie Priorität einräumen, denn in dieser Phase ist es besonders wichtig, dass Parlament, Regierung und alle Regierungsorgane mit Menschen besetzt sind, die in der Lage sind, verantwortungsvoll zu handeln und mit allen interessierten Regierungen und Völkern zu interagieren.“ (Prawda, 7. März 1990).
11 – Es wurde berichtet, dass die UdSSR beim Generaldirektor des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) einen Antrag auf Beobachterstatus in dieser Organisation gestellt hatte. (TASS, 12. März 1990).
13 – Der vollständige Abzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn begann. (Iswestija, 13. März 1990).
14 – Das Außenministerium der UdSSR veröffentlichte eine Erklärung zu deutschen Angelegenheiten, in der es sein Befremden über die in der BRD gemachten Vorschläge zum Ausdruck brachte, die DDR gemäß Artikel 23 der BRD-Verfassung mechanisch an die BRD als Ganzes oder in einzelnen Gebieten anzugliedern. Dies käme einer Usurpation eines deutschen Staates durch einen anderen gleich. Es wurde betont, dass die Wiedervereinigung Deutschlands nur im Einklang mit den in Ottawa getroffenen Vereinbarungen und auf der Grundlage völkerrechtlicher Prinzipien erfolgen könne. (Prawda, 14. März 1990).
Am 15. sprach der gewählte Präsident der UdSSR, M. S. Gorbatschow, vor dem Dritten Außerordentlichen Kongress der Volksdeputierten der UdSSR. Mit Blick auf außenpolitische Fragen bemerkte er: „In den letzten Jahren hat sich unsere Politik am Prüfstein von Realismus und Vernunft bewährt. Der Realismus ermöglichte es, den Kalten Krieg zu beenden und die unmittelbare militärische Bedrohung zu beseitigen. Die Sowjetunion hat mit ihrer friedliebenden Natur einen verdienten Platz in der Weltgemeinschaft eingenommen. Und ich weise amateurhafte, wenn nicht gar unverantwortliche Angriffe auf unsere Außenpolitik entschieden zurück.“ Mit dem Hinweis, dass die militärische Konfrontation noch nicht überwunden sei, betonte Gorbatschow die Bedeutung einer Verteidigungspolitik, die auf dem Prinzip der angemessenen Verteidigungsfähigkeit und einer neuen Militärdoktrin beruhe. Er skizzierte die wichtigsten Handlungsfelder für die nahe Zukunft. Zunächst geht es um die Fortsetzung der Verhandlungen über Abrüstungsfragen, die Lösung der deutschen Frage unter Berücksichtigung der Interessen aller europäischen Völker und den Fortschritt hin zu einem gemeinsamen europäischen Haus. Im asiatisch-pazifischen Raum müssen Fortschritte bei der Umsetzung der Initiativen von Wladiwostok und Krasnojarsk erzielt werden. Eine aktive Politik im Nahen Osten muss wiederaufgenommen werden. Es gilt außerdem, gemeinsam mit den Ländern Lateinamerikas auf den positiven globalen Entwicklungstendenzen aufzubauen. Abschließend betonte M. S. Gorbatschow die Bedeutung der Einbindung der UdSSR in das System der globalen Wirtschaftsbeziehungen und die Stärkung der Vereinten Nationen und ihrer friedenserhaltenden Funktionen. (Prawda, 16. März 1990).
15 – Auf einer Pressekonferenz nach seiner Wahl zum Präsidenten der UdSSR ging M. S. Gorbatschow auf eine Reihe internationaler Fragen ein. Auf die Frage, wie das Blocksystem durch eine Organisation für kollektive Sicherheit ersetzt werden könne, antwortete er: „Das Leben treibt unser Denken, unser Streben und unsere Politik an. Insbesondere die Frage der deutschen Wiedervereinigung zwingt uns, zu überlegen, wie dieser Schritt, auf den die Deutschen ganz natürlich hinarbeiten, nicht zu einem Ungleichgewicht führen oder das Machtgleichgewicht stören kann. Deshalb müssen wir jetzt nicht nur reflektieren, sondern unsere Maßnahmen auch in die Praxis umsetzen. Und vor allem müssen wir den Weg beschreiten, die bestehenden Blöcke mit neuen Inhalten zu füllen und neue Strukturen zu schaffen. Das heißt, den Charakter einiger Blöcke zu verändern und die Entstehung anderer zu fördern. Auf diese Weise wird ein System entstehen, auf dessen Grundlage ein neues Gebäude europäischer Sicherheit errichtet werden kann. Ich glaube, dass wir durch den Wiener Prozess, durch Helsinki, durch neue Schritte in Richtung Wiedervereinigung, durch die Etablierung wirtschaftlicher, handelsbezogener und wissenschaftlich-technischer Beziehungen in Europa eine starke und verlässliche Sicherheit gewährleisten können. Vielleicht ist dies eine grobe Skizze, aber ich stelle mir vor, dass wir uns genau in diese Richtung bewegen werden.“ (Pravda, 17. März 1990)
15 – Das erste Treffen der in Ottawa gegründeten „4+2“-Gruppe fand in Deutschland statt. (Pravda, 16. März 1990).
16. – Es wurde berichtet, dass die Sowjetunion und der Heilige Stuhl vereinbart hatten, offizielle Vertreter im Rang eines außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters bzw. eines Apostolischen Nuntius für besondere Aufgaben auszutauschen. (Prawda, 16. März 1990).
17. – In Prag fand ein Treffen der Außenminister der Warschauer-Pakt-Mitgliedstaaten statt. Die Minister tauschten sich über Fragen der deutschen Einheit und der künftigen Strukturen der europäischen Sicherheit aus. (Iswestija, 18. März 1990).
18.–27. – Besuch von E. A. Schewardnadse in Namibia, Angola, Sambia, Mosambik, Simbabwe, Tansania und Nigeria. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 8, S. 8–20).
19. – M. S. Gorbatschow empfing den Vorsitzenden des Ministerrats der Volksrepublik Bulgarien, A. Lukanow. Nachdem die Gesprächspartner die Ähnlichkeit der Ansätze beider Länder zu den zentralen Fragen der Erneuerung und Humanisierung der Gesellschaft hervorgehoben hatten – was selbstverständlich eine angemessene Berücksichtigung der historischen Einzigartigkeit und der gegenwärtigen Besonderheiten jedes Landes voraussetzt –, tauschten sie sich über internationale und europäische Probleme aus. In Europa werde „die weitere Entwicklung der hier begonnenen tiefgreifenden positiven Veränderungen nun ernsthaften Prüfungen unterzogen, die vor allem mit der Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts der Deutschen der DDR und BRD zusammenhängen. Ihre Wiedervereinigung kann ohne Schaden für andere europäische Staaten, für dauerhaften Frieden und Zusammenarbeit auf dem Kontinent nur im gesamteuropäischen Rahmen und im Kontext der Schaffung eines europäischen Sicherheitssystems erfolgen. Sie muss eine einseitige Blockorientierung ausschließen und in einer friedlichen Lösung münden.“ (Prawda, 20. März 1990).
21 – In Windhoek fanden Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit Namibias statt. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten fanden Treffen zwischen E. A. Schewardnadse und J. Baker, N. Mandela und erstmals auch mit dem südafrikanischen Präsidenten F. de Klerk statt. (Prawda, 21.–22. März 1990). –
21. – Eine Botschaft von M. S. Gorbatschow an den Präsidenten der Republik Namibia, Sam Nujoma, wurde veröffentlicht: „Der Sieg des namibischen Volkes in seinem langjährigen, selbstlosen Kampf gegen koloniale und rassistische Unterdrückung, in dem die SWAPO-Partei stets an vorderster Front stand, ist ein Ereignis von tiefgreifender historischer Bedeutung: Die letzte Kolonie auf dem afrikanischen Kontinent hat aufgehört zu existieren.“ (Iswestija, 21. März 1990).
22. – In Windhoek fand ein Treffen zwischen Eduard Schewardnadse und Heinrich-David Genscher statt. Dabei wurde die Notwendigkeit betont, zahlreiche Faktoren und miteinander verflochtene Interessen sorgfältig abzuwägen und alle Vorschläge, auch unerwartete, zu berücksichtigen. Dies gilt auch für die Frage des militärpolitischen Status eines wiedervereinigten Deutschlands. Eduard Schewardnadse sprach die Frage an, ob es ratsam sei, auf den Abschluss eines Friedensvertrags hinzuarbeiten, der die gesamte Komplexität der Nachkriegsfragen abschließen würde. Heinrich-David Genscher argumentierte, dies sei eine zu schwierige und zudem nicht mehr zeitgemäße Aufgabe. Seiner Ansicht nach sollte der Fokus auf der endgültigen Lösung derjenigen Fragen liegen, die dies erfordern. Ein Friedensvertrag ist eines der Themen, die weiter erörtert werden sollen. Besondere Aufmerksamkeit galt der Intensivierung des gesamteuropäischen Prozesses und der Schaffung neuer Sicherheitsstrukturen auf dem Kontinent. In den von beiden Seiten geäußerten Ideen zur Schaffung eines europäischen Zentrums zur Gewährleistung von Sicherheit sowie zur Beilegung und Prävention von Konfliktsituationen zeigte sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung. G.-D. Genscher zeigte sich zufrieden, dass die jüngsten Wahlen in der DDR ordnungsgemäß und ohne Auswüchse verlaufen seien. E.A. Schewardnadse erklärte, die Sowjetunion respektiere die Wahl des Volkes der DDR und sei bereit, mit der künftigen Regierung zusammenzuarbeiten. (Iswestija, 23. März 1990).
23 – Der Erste Stellvertretende Außenminister der UdSSR, J. M. Woronzow, sprach im Pressezentrum des sowjetischen Außenministeriums. Er bezog sich auf die Aussage von M. S. Gorbatschow, der Nahe Osten sei eine Region, in der die Sowjetunion eine aktive Politik verfolgen wolle. „Unsere Arbeit“, fuhr er fort, „geht von der Notwendigkeit aus, den arabisch-israelischen Konflikt rasch und umfassend auf der Grundlage eines Interessenausgleichs aller Beteiligten beizulegen. Zu diesem Zweck berufen wir eine internationale Konferenz unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen ein, an der alle direkt beteiligten Parteien, einschließlich der PLO, sowie die ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates teilnehmen.“ (Iswestija, 23. März 1990).
25 – Ein Brief von E. A. Schewardnadse an UN-Generalsekretär P. de Cuellar veröffentlichte einen Artikel zum Thema der Schaffung eines Zentrums für dringende Umwelthilfe, das M.S. Gorbatschow in seiner Rede vor der 43. Sitzung der UN-Generalversammlung vorgeschlagen hatte. (Iswestija, 25. März 1990).
26. – M.S. Gorbatschow empfing US-Senator E. Kennedy. Sie erörterten die allgemeinen Probleme der aktuellen globalen Entwicklungsphase. „Tiefgreifende Veränderungen in der Welt“, so M.S. Gorbatschow erklärte: „Wir kommen nur schwer voran, stellenweise sogar schmerzhaft. Unerwartete Wendungen, Konflikte und Krisen entstehen. Als die Welt gerade an diesen Wendepunkt eintrat, wurde in Gesprächen mit westlichen Staats- und Regierungschefs wiederholt betont, dass man in diesem komplexen und turbulenten Prozess der Versuchung widerstehen müsse, ihn zum Nachteil anderer auszunutzen. Und es schien Einigkeit darüber zu herrschen. Doch wenn Schwierigkeiten auftreten, vergessen die Menschen dies oder greifen gar auf den üblichen Doppelstandard zurück: Sie messen ihr eigenes Handeln, selbst in anderen Ländern, an einem Maßstab als das Handeln anderer im eigenen Land und äußern ‚Besorgnis‘, warnen, belehren usw. Auch E. Kennedy ‚äußerte Besorgnis‘ über die Ereignisse in Litauen. Wir, so scheint es, haben darauf reagiert, M. S. Gorbatschow, und reichlich Beweise für unser Engagement für ein neues Denken geliefert, für einen Kurs, der die Methoden des ‚Kalten Krieges‘ und die Mittel der Gewalt ablehnt, die Achtung des Rechts der Völker auf freie Wahl und die Gewährleistung gleicher Sicherheit. Der Prozess tiefgreifender Veränderungen in unserer Gesellschaft selbst ist der stärkste Beweis dafür.“ dass wir unwiderruflich den Weg der Demokratie, des Rechts und der Ordnung, den Weg radikaler Umgestaltungen des politischen Systems und der Wirtschaft, ja unserer gesamten Lebensweise eingeschlagen haben.“ (Prawda, 27. März 1990).
26 – Der neuntägige Besuch von E. A. Schewardnadse in sieben afrikanischen Ländern ging zu Ende. Auf einer Pressekonferenz in Lagos erklärte er: „Die Sowjetunion ist überzeugt, dass kein einziges globales Problem von universellem Ausmaß ohne die Beteiligung afrikanischer Staaten und ohne Berücksichtigung des afrikanischen Faktors für das Schicksal der Welt erfolgreich gelöst werden kann.“ (Iswestija, 27. März 1990).
27 – In seiner Rede auf der ersten Sitzung des Präsidialrats der UdSSR sagte M. S. Gorbatschow bemerkte: „Was die internationalen Angelegenheiten betrifft, verfolgen wir eine klare Politik, die auf den Prinzipien des neuen Denkens beruht, welche im Land Anklang gefunden und weltweit positive Resonanz erfahren haben. Es wäre jedoch ein Irrtum zu glauben, dies sei das Ende der Geschichte und alles werde sich einfach wie gewohnt fortsetzen. Da die Veränderungen nun eine neue Dynamik und ein anderes Ausmaß angenommen haben, stellen sich viele neue, ernste Fragen. Dies betrifft die Abrüstung, den europäischen Prozess, unser Vorgehen im asiatisch-pazifischen Raum und andere Bereiche. Unsere Zusammenarbeit mit den Ländern Osteuropas bedarf eines Umdenkens. Im Bereich der Außenwirtschaftsbeziehungen ergeben sich völlig neue Aufgaben. Wir stehen unter Zeitdruck, diese zu lösen.“ (Prawda, 28. März 1990)
28. – Die Erklärung der sowjetischen Regierung zu Eigentumsfragen in der DDR wurde veröffentlicht (im Zusammenhang mit der Erklärung der DDR-Regierung vom 1. März). „Die Sowjetunion befürwortet unter Berücksichtigung ihrer Rechte und Pflichten in deutschen Angelegenheiten die Wahrung der Rechtmäßigkeit der Eigentumsverhältnisse in der DDR und wendet sich gegen Versuche, die Eigentumsverhältnisse in der DDR im Falle der Schaffung einer Währungsunion und Wirtschaftsgemeinschaft mit der BRD sowie im Falle der Entstehung eines vereinigten Deutschlands in Frage zu stellen…
Versuche, die Rechte der gegenwärtigen Eigentümer von Grundstücken und anderem Eigentum in der DDR, die einst mit Zustimmung oder durch Beschluss der sowjetischen Seite erworben wurden, in Frage zu stellen, wobei diese sich an der Erklärung über die Niederlage Deutschlands, dem Potsdamer Abkommen und anderen Viererbeschlüssen und -verordnungen orientierte, wären völlig inakzeptabel.“ (Prawda, 28. März 1990). 38.
– Es fand ein Telefongespräch zwischen M. S. Gorbatschow und M. Thatcher statt. (Pravda, 29. März 1990).
30 – Es fand ein Treffen zwischen Eduard Schewardnadse und dem französischen Außenminister Roland Dumas statt. Die deutsche Frage spielte in dem Gespräch eine wichtige Rolle. Beide Seiten betonten, dass die sich entwickelnde Lage eine entscheidende Beschleunigung des KSZE-Prozesses erfordere. (Pravda, 31. März 1990).


April


3.–6. – Besuch von E. A. Schewardnadse in den USA zur Vorbereitung des sowjetisch-amerikanischen Gipfeltreffens. Es wurde vereinbart, dass dieses Treffen vom 30. Mai bis 3. Juni stattfinden sollte. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 8, S. 23–28).
5. – Eine Erklärung des Vertreters des Außenministeriums der UdSSR wurde veröffentlicht, in der das jüngste Treffen der fünf Präsidenten mittelamerikanischer Länder zur weiteren Normalisierung der Lage in der Region positiv bewertet wurde. (Iswestija, 1990, 6. April).
10. – M. S. Gorbatschow empfing den britischen Außenminister Douglas Hurd. M. S. Gorbatschow stellte fest, dass die sowjetisch-britischen Beziehungen trotz der bestehenden Probleme im Grunde den aktuellen Zeiten und Einflüssen angemessen seien. Der gegenseitige Ausgleich habe auch zu komplexen Fragen geführt. Zu einer dieser Fragen – der deutschen – sagte M. S. Gorbatschow erklärte unter Bezugnahme auf ein Telefongespräch mit Margaret Thatcher und ihren jüngsten Brief, dass ihre Positionen sehr ähnlich seien. Gleichzeitig betonte er, dass ein NATO-Beitritt eines vereinigten Deutschlands für die Sowjetunion inakzeptabel sei. Dies dürfe nicht zu Misstrauen führen und das beträchtliche politische Kapital in internationalen Angelegenheiten schmälern, das neue Kooperationen und einen zuversichtlicheren Blick in die Zukunft ermögliche. Die Lösung müsse in der Schaffung neuer Sicherheitsstrukturen für ganz Europa – vom Atlantik bis zum Ural – liegen. Die Bildung einer solchen Struktur müsse beschleunigt und mit der Wiedervereinigung Deutschlands synchronisiert werden. In der Zwischenzeit sei eine Art Übergangsphase möglich. Die sowjetische Seite hob die Bedeutung der US-Beteiligung am europäischen Prozess hervor. (Prawda, 11. April 1990).
11.–12. – Verhandlungen zwischen E. A. Schewardnadse und D. Hurd fanden statt. Im Mittelpunkt der Ministergespräche standen die europäischen Probleme. Eduard Schewardnadse bestätigte, dass die Sowjetunion die Entwicklung eines vereinigten Deutschlands mit der positiven Entwicklung des gesamteuropäischen Prozesses und der Bildung einer grundlegend neuen Sicherheitsstruktur, die die bestehende blockbasierte Struktur ersetzen soll, in Einklang bringen möchte. Ein Schlüsselelement dieser Struktur könnte ein Zentrum zur Prävention militärischer Gefahren in Europa sein – eine Idee, die von der UdSSR vorgeschlagen und von mehreren europäischen Staaten unterstützt wurde. Es wurden Fragen im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen der 35 KSZE-Mitgliedstaaten sowie weitere Themen erörtert. Die Minister unterzeichneten Abkommen über die unverzügliche Meldung eines nuklearen Unfalls und über den Informationsaustausch bezüglich des Betriebs und der Verwaltung kerntechnischer Anlagen sowie über die Zusammenarbeit in Kultur, Bildung und Wissenschaft. (Iswestija, 11.–12. April 1990)
12. – M.S. Gorbatschow empfing eine Gruppe US-amerikanischer Senatoren unter der Leitung des Fraktionsvorsitzenden der Demokraten, John Mitchell. Im Gespräch wurde zwar Einigkeit darüber erzielt, dass die USA die internationale Bedeutung der Perestroika grundsätzlich verstehen, doch Gorbatschow wies er auch auf andere Meinungen hin, die darauf abzielten, die Sowjetunion zu schwächen, sowie auf einige Resolutionen des Kongresses, die das sowjetische Volk als Einmischung betrachten würde. Es wurden Fragen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Gipfeltreffen zwischen Gorbatschow und George Bush erörtert. (Prawda, 13. April 1990).
13. – Gorbatschow traf sich mit dem Präsidenten der Republik Polen, W. Jaruzelski. Es fand ein ausführlicher Meinungsaustausch über die sowjetisch-polnischen Beziehungen statt. Die Gesprächspartner betonten die besondere moralische Bedeutung der Aufklärung der Umstände des Todes polnischer Offiziere in den Lagern Koselsk, Starobelsk und Ostaschkow. Jüngst von sowjetischen Historikern entdeckte Dokumente legen nahe, dass Beria und seine Gefolgsleute dafür verantwortlich sind. „Wir fühlen tief mit dem polnischen Volk und den Familien und Freunden der Opfer“, erklärte Michail Gorbatschow. „Auch sowjetische Bürger wurden dort, in Katyn, ermordet; dies ist unsere gemeinsame Tragödie.“ In diesem Zusammenhang betonten die Gesprächsteilnehmer die Wichtigkeit der vollständigen Rehabilitierung der Polen sowie der sowjetischen Bürger, die Stalins Repressionen zum Opfer fielen. Die Präsidenten tauschten sich über die internationale Politik aus und widmeten der deutschen Frage besondere Aufmerksamkeit. Ohne das Recht der Deutschen auf Wiedervereinigung in Frage zu stellen, betonten die Gesprächspartner, dass es vor allem darauf ankomme, dass die aktuelle Wendung in der deutschen Frage die europäische Ordnung nicht gefährde oder die positiven Prozesse, die sich in den letzten Jahren auf dem Kontinent vollzogen haben, unterbreche. Die UdSSR und Polen sind überzeugt, dass mit einem verantwortungsvollen und konstruktiven Vorgehen der Beteiligten eine für alle akzeptable Lösung gefunden werden kann. Ein verlässlicher Weg dorthin ist die Synchronisierung der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten mit der Bildung neuer gesamteuropäischer Sicherheits- und Kooperationsstrukturen. Dies wiederum erfordert Garantien für die Unverletzlichkeit der bestehenden Nachkriegsgrenzen in Europa, einschließlich der West- und Nordgrenzen Polens und der Sowjetunion. Die Präsidenten sprachen sich für eine beschleunigte gesamteuropäische Annäherung aus und bekundeten ihre Unterstützung für Initiativen, die die Institutionalisierung der KSZE erleichtern würden (Prawda, 15. April 1990).
13 – Der sowjetische Präsident M. S. Gorbatschow und der polnische Präsident W. Jaruzelski unterzeichneten eine Erklärung, die die Grundlage für neue Beziehungen zwischen den beiden Ländern legte. Diese basieren auf der konsequenten gegenseitigen Achtung von Gleichheit, Souveränität, territorialer Integrität, Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Freiheit der gesellschaftspolitischen Entscheidungsfindung sowie anderen allgemein anerkannten internationalen Prinzipien und Normen, die in der UN-Charta und der Schlussakte der KSZE verankert sind. Die Erklärung sieht die Erneuerung und Verbesserung der Kooperationsformen, die Schaffung optimaler Bedingungen für den Austausch zwischen sowjetischen und polnischen Bürgern sowie die Aufarbeitung der schwierigen Momente in den russisch-polnischen und sowjetisch-polnischen Beziehungen vor. Die von beiden Seiten geteilten Grundsätze einer Politik zur Schaffung eines neuen Sicherheitssystems in Europa und zur Synchronisierung der deutschen Wiedervereinigung mit dem gesamteuropäischen Prozess werden bekräftigt. Die Staatsoberhäupter erklärten: „Die Sowjetunion und die Republik Polen werden sich konsequent für die vollständige Abschaffung von Gewalt in den internationalen Beziehungen, deren Demokratisierung und Humanisierung sowie die Bekräftigung des Vorrangs des Völkerrechts und der universellen Werte und Interessen einsetzen.“ (Iswestija, 14. April 1990).
17. – M. S. Gorbatschow empfing den italienischen Außenminister Gianni de Michelis. Beide Seiten erklärten einstimmig, der Aufbau eines neuen Europas auf der Grundlage von gegenseitigem Verständnis, Zusammenarbeit, Vertrauen und einem Interessenausgleich aller Staaten sei eine natürliche Fortsetzung des in Helsinki begonnenen Prozesses. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage der deutschen Wiedervereinigung angesprochen. M. S. Gorbatschow betonte insbesondere die Notwendigkeit, den europäischen Prozess und die Schaffung neuer Sicherheitsstrukturen in Europa mit der deutschen Wiedervereinigung zu synchronisieren. De Michelis stimmte diesem Ansatz zu. (Prawda, 18. April 1990).
17. – Es wurde ein Bericht veröffentlicht, demzufolge die Entscheidung über den Beitritt der UdSSR zur Internationalen Kriminalpolizeilichen Organisation (Interpol) gefallen sei. (Iswestija, 17. April 1990).
23.–26. – Der Ministerpräsident des Staatsrats der Volksrepublik China, Li Peng, besuchte die Sowjetunion.
24. – M.S. Gorbatschow traf sich mit Li Peng. M.S. Gorbatschow zeigte sich zufrieden mit den deutlichen Fortschritten in den chinesisch-sowjetischen Beziehungen in allen Bereichen. Dies sei das Ergebnis der Umsetzung der grundlegenden Vereinbarungen, die beim chinesisch-sowjetischen Gipfeltreffen im vergangenen Frühjahr getroffen wurden und die, bildlich gesprochen, „die Vergangenheit abgeschlossen und die Zukunft eröffnet“ hätten. Li Peng schloss sich dieser Einschätzung an. Die beiden Staatschefs waren sich einig, dass nun auf beiden Seiten energische Anstrengungen erforderlich seien, um konkrete Abkommen zu Handel, Zusammenarbeit und neuen Formen wirtschaftlicher Beziehungen zu unterzeichnen. Die Gesprächsteilnehmer stimmten darin überein, dass es keine allgemeingültigen Modelle oder Vorlagen für die Umsetzung sozialistischer Ideen und Prinzipien gebe. Jedes Land habe seine eigene Geschichte, seine eigenen spezifischen Gegebenheiten und seinen eigenen Entwicklungsstand, die nicht ignoriert werden dürften. Die Übereinstimmung der Positionen beider Länder in vielen internationalen Fragen wurde hervorgehoben, insbesondere hinsichtlich der Begrenzung des Wettrüstens und der Verhinderung eines Atomkriegs. Es wurde bekräftigt, dass die verbleibenden Differenzen zwischen den Parteien in ihren Lösungsansätzen für bestimmte Probleme in keiner Weise ein Hindernis für die weitere Entwicklung eines für beide Seiten vorteilhaften Dialogs und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit darstellten. (Pravda, 25. April 1990).
25 – Es wurde ein Bericht veröffentlicht, demzufolge die Sowjetunion die Erklärung des Vorsitzenden des Präsidiums der Volksversammlung der Sozialistischen Volksrepublik Albanien, R. Alia, zum Interesse seines Landes an der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen mit der UdSSR als positiven Schritt wertet und ihre Bereitschaft zur Wiederherstellung und zum Ausbau freundschaftlicher Beziehungen zu Albanien auf der Grundlage vollständiger Gleichberechtigung, Achtung der Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität, Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und gegenseitigen Nutzens zum Ausdruck bringt. (Pravda, 25. April 1990).
27 – Es wurde ein Bericht über den Besuch von Li Peng in der UdSSR veröffentlicht. Darin wurden die Bestimmungen des gemeinsamen sowjetisch-chinesischen Kommuniqués vom 18. Mai 1989 bekräftigt. Es wurde festgehalten, dass die Parteien die Verhandlungen zur Erreichung einer fairen und rationalen Lösung der Grenzfragen zwischen der VR China und der UdSSR fortsetzen würden. Man zeigte sich zufrieden mit dem Fortschritt der Verhandlungen über die gegenseitige Reduzierung der Streitkräfte und die Stärkung des militärischen Vertrauens im chinesisch-sowjetischen Grenzgebiet. Die Unterzeichnung eines Pakets von Abkommen und Memoranden zu Fragen der Entwicklung der bilateralen Beziehungen zwischen den Ländern wurde gemeldet. (Prawda, 27. April 1990)
28. – Michail Gorbatschow und der Präsident der Arabischen Republik Syrien, Hafiz al-Assad, trafen sich. Sie tauschten Informationen und Meinungen zu internationalen Fragen aus. Gorbatschow erklärte, er sehe die Hauptaufgabe der Außenpolitik darin, im Spannungsfeld der Widersprüche der globalen Entwicklung einen relativ stabilen Fortschritt zu gewährleisten. Die Probleme des Nahen Ostens spielten in der Diskussion eine zentrale Rolle. Beide Seiten waren sich einig, dass der Prozess einer allgemeinen Lösung und des Beitritts zu einer internationalen Konferenz durch die Position der USA behindert werde. Anschließend wandte sich das Gespräch einem wichtigen globalen Thema zu. Gorbatschow sagte, die im Westen anhaltende Tendenz zu einer Art Rache verdiene eingehende Beachtung. Sie stehe in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen in Osteuropa und basiere auf Missverständnissen und antikommunistischen Stereotypen. Diese würden die sozialistische Idee untergraben. Gleichzeitig verliefen die Prozesse in diesem Teil der Welt, trotz ihres schmerzhaften Charakters, im Zuge tiefgreifender demokratischer Veränderungen, die für die moderne Entwicklung charakteristisch seien. Und dieser Wandel berge eine neue Perspektive für die sozialistische Idee. Genau darauf basiert die Philosophie der sowjetischen Perestroika. Globale Entwicklung lässt sich nicht an der Dauer eines einzelnen Wahlkampfes oder der Amtszeit einer bestimmten Regierung messen. Weltweit zeichnen sich gegenwärtig Faktoren ab, die unser Schicksal für Jahrzehnte, wenn nicht gar ein Jahrhundert, bestimmen werden. Aus dieser Perspektive wird das historische Ausmaß des gegenwärtigen Wendepunkts in der Geschichte unserer Zivilisation deutlich. Und es ist besonders wichtig, dass diese Übergangsphase nicht von Kräften untergraben wird, die enge, eigennützige Interessen verfolgen. „Ich teile nicht“, betonte M. S. Gorbatschow, „pessimistische Zukunftsprognosen. Illusionen sind inakzeptabel, aber wir dürfen eine Perspektive nicht aus den Augen verlieren, die auf einer völlig realistischen Einschätzung der Fortschrittsmöglichkeiten beruht. Die Kräfte des Dialogs und der Interaktion sind sehr bedeutend, auch in Westeuropa und den Vereinigten Staaten, obwohl die Versuchung besteht, die Situation auszunutzen, um die ‚amerikanische Weltführerschaft‘ wiederherzustellen. Das sehen wir alle.“ (Prawda, 29. April 1990)
29. – M. S. Gorbatschow empfing den neuen Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, Lothar de Maizière, und erörterte mit ihm grundlegende Fragen der Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der DDR. Der gegenseitige Wert der engen, vielfältigen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, die sich über Jahrzehnte entwickelt hatten, wurde bekräftigt. Es fand ein konstruktiver Meinungsaustausch über die Wiedervereinigung der DDR und der BRD statt. Die sowjetische Seite bekräftigte unmissverständlich ihren Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht der Deutschen und den legitimen Interessen der DDR als souveränem Völkerrechtssubjekt. Mit Blick auf die Annäherung und Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten merkte M. S. Gorbatschow an, es sei gefährlich, diesen natürlichen, wenn auch keineswegs einfachen Prozess durch die Eingliederung eines Staates in den anderen zu ersetzen. Dies würde zu einem Ungleichgewicht führen und könnte, bildlich gesprochen, die europäische Stabilität untergraben, deren Untergrabung für alle eine große Katastrophe wäre. Die Sowjetunion steht den einseitigen, unausgewogenen Vorschlägen für einen NATO-Beitritt des künftigen deutschen Staates weiterhin ablehnend gegenüber. Diese Haltung ist durch politischen Realismus, ernsthafte Sorge um die Zukunft Europas und neue Lösungsansätze für seine Probleme bedingt. Die Sowjetunion hat ein legitimes Recht, an der Festlegung des völkerrechtlichen Status eines wiedervereinigten Deutschlands mitzuwirken. Unserer Ansicht nach würde ein Friedensvertrag oder ein gleichwertiger Akt über eine endgültige Friedensregelung diesem Zweck dienen – dessen Abschluss, wie bekannt, im Übrigen … Dieses Dokument, das sowohl von der DDR als auch von der BRD als erklärtes Ziel formuliert wurde, würde eine Phase der deutschen Frage vollständig abschließen und eine neue eröffnen, die sowohl der nationalen Würde der Deutschen als auch den Interessen aller europäischen Nationen gerecht würde. Wir befürworten die Synchronisierung und Verknüpfung des deutschen Wiedervereinigungsprozesses mit der Bildung gesamteuropäischer Sicherheitsstrukturen. Dies wird den Frieden auf dem Kontinent stärken und die gesamteuropäische Zusammenarbeit maßgeblich voranbringen. Wir müssen gemeinsam genau eine solche Lösung finden. Die Ähnlichkeit und Übereinstimmung der Ansätze der Sowjetunion und der DDR in Bezug auf zentrale außenpolitische Aspekte der deutschen Wiedervereinigung ist, wie Michail Gorbatschow feststellte, ein Faktor, der die Suche nach ausgewogenen und verlässlichen Lösungen erheblich erleichtert. L. de Maizière zeigte Verständnis für diese Formulierung des Problems und seine Bereitschaft, in den strittigen Punkten konstruktive Kompromisse anzustreben.“ (Prawda, 30. April 1990)


Mai


5 – Das erste Treffen der Außenminister der an den „Zwei plus Vier“-Verhandlungen beteiligten Staaten fand in Bonn statt. Die Parteien legten ihre Positionen dar und einigten sich auf das weitere Vorgehen. (Pravda, 6. Mai 1990).
8 – In Moskau fand eine feierliche Versammlung zum 45. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus im Großen Vaterländischen Krieg statt. Michail Gorbatschow hielt dort einen Bericht. In Bezug auf die Lehren des Krieges sagte er: „Die wichtigste Lehre, die uns die Geschichte des Krieges lehrt, lautet: Um zu überleben, muss die Menschheit sich vereinen und abrüsten. … Der Krieg hat die Fähigkeit der demokratischen Kräfte der Erde bewiesen, sich angesichts einer gemeinsamen, tödlichen Gefahr zu vereinen. Dieses Ergebnis ist von bleibender Bedeutung für uns, die wir in einer historisch entscheidenden Zeit leben. Daraus ergibt sich eine für die moderne Politik so wichtige Schlussfolgerung: Werden universelle menschliche Werte für ‚große Politik‘ geopfert, sind globale Katastrophen unvermeidlich. Diese bittere historische Lektion muss gelernt werden. Und nicht nur von uns.“ Der uralte Traum vom Frieden beginnt vielleicht erstmals Wirklichkeit zu werden – angesichts des wachsenden Zusammenhalts der modernen Zivilisation, der wirtschaftlichen, ökologischen und informationellen Vernetzung, der gegenseitigen Abhängigkeit von Ländern und Völkern, politischen und sozialen Systemen sowie aller Interessen und Bestrebungen. Die Knoten der modernen Probleme lassen sich nicht mehr mit Waffengewalt lösen – das muss jedem klar sein. Sie müssen geduldig entwirrt werden, unter Achtung der Interessen aller und vor allem unter Wahrung des höchsten Wertes – des menschlichen Lebens. Meiner Ansicht nach sollte sich die Diskussion auf folgende grundlegende Elemente einer Nachkriegswelt konzentrieren. Allen voran die Übereinkunft, dass die Siegermächte eine Wiederholung der Aggression durch Deutschland oder einen anderen Staat nicht zulassen werden. Aus dieser grundlegenden Nachkriegsrealität gingen die gesamteuropäische Konferenz und der gesamte Helsinki-Prozess hervor. Nun stehen wir am Beginn einer neuen, dritten Phase in der Entwicklung dieser Idee, deren Ziel die Schaffung einer dauerhaften Struktur gesamteuropäischer Sicherheit und Zusammenarbeit ist. Eine weitere Realität der Nachkriegszeit ist die Anerkennung der Unverletzlichkeit der Grenzen zwischen den europäischen Staaten, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegt wurden. Der Frieden auf dem Kontinent konnte in den letzten 45 Jahren vor allem deshalb bewahrt werden, weil selbst in den schärfsten Momenten politischer Konflikte niemand an diesem Prinzip rüttelte. Und sollte jemand unter Berufung auf das „Ende der Ära von Jalta und Potsdam“ schlussfolgern, dass es heute an der Zeit sei, Grenzen aufzulösen, wäre dies ein schwerwiegender, fataler Fehler. Hinzu kommt, dass sich unter den gegenwärtigen Bedingungen das Wesen der Idee der Unverletzlichkeit der Grenzen in Europa selbst wandelt. Eine Änderung der Grenzen darf nicht die Voraussetzungen für ein weiteres Blutbad schaffen. Es ist jedoch möglich und wünschenswert, sie in wirtschaftlicher, politischer, sozialer, rechtlicher, ökologischer und jeder anderen denkbaren Hinsicht durchlässiger zu machen. Alle Nationen werden davon profitieren; dieser Prozess hat sich, wie wir wissen, in letzter Zeit erfolgreich entwickelt. Wir setzen uns für ein Europa ein, in dem die Nationen, um es mit Puschkins Worten zu sagen, „ihre Streitigkeiten vergessen und sich zu einer einzigen Familie vereinen“. Ist dies erreichbar? Das ist durchaus möglich, vorausgesetzt, niemand schleppt offen oder heimlich Altlasten aus Zeiten der Feindschaft und Zwietracht in das „gemeinsame europäische Zuhause“ ein.„Wir werden nicht versuchen, den dauerhaften Frieden auf dem Kontinent durch neue Versionen des Kalten Krieges zu ersetzen. Dies prägt unseren Ansatz zur Wiedervereinigung Deutschlands. Wir haben Verständnis für den verständlichen Wunsch der Deutschen der DDR und BRD, als eine einzige Familie zusammenzuleben. Es ist an der Zeit, dieses Nachkriegskapitel der deutschen Geschichte aufzuschlagen.“ Gorbatschow erläuterte anschließend die prinzipielle Position der UdSSR zu diesem Thema und betonte, dass die Wiedervereinigung Deutschlands weder die Sicherheitsinteressen unseres Landes noch die anderer Völker verletzen dürfe. „Zu den wichtigen Themen gehört ein deutscher Friedensvertrag, der einen endgültigen Schlussstrich unter den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg ziehen soll. Er muss die Gewissheit geben, dass fortan nur noch Frieden von deutschem Boden ausgeht. Der Vertrag soll Deutschlands militärischen Status und seinen Platz in der gesamteuropäischen Sicherheitsstruktur definieren und seine Verpflichtungen hinsichtlich der Unverletzlichkeit der Nachkriegsgrenzen festschreiben. Ich betone: Die Idee eines Dokuments, das Deutschland diskriminiert oder die nationale Würde der Deutschen beeinträchtigt, ist uns fremd. Ein neues Versailles ist unangebracht, ebenso wie die Wiederholung der Einzelabkommen von 1952–1954. Nein, dies muss ein Friedensakt im wahrsten Sinne des Wortes sein. Unser Ziel ist nicht die Erneuerung der Vergangenheit, sondern die Gestaltung eines Europas der Zukunft.“ (Prawda, 9. Mai 1990)
10. – Die erste Sitzung der Gemischten Kommission der UdSSR und der Europäischen Gemeinschaften, die gemäß dem Abkommen zwischen der UdSSR und der EU über Handels-, Wirtschafts- und Wirtschaftskooperation eingerichtet wurde, nahm in Moskau ihre Arbeit auf. (Prawda, 11. Mai 1990).
11. – M. S. Gorbatschow sprach zu den Kommunisten des Moskauer Frunsenski-Bezirks. Zum Thema der Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern sagte er: „Sie sind weiterhin gut. Wir werden die Wirtschaftsbeziehungen aber künftig auf einer realistischeren Grundlage, auf dem Prinzip des gegenseitigen Nutzens, pflegen. Diese Beziehungen werden auf den Weltmarktpreisen für Rohstoffe und Waren basieren und in frei konvertierbarer Währung abgerechnet. Dies wurde bereits auf der letzten Sitzung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (GWACH) beschlossen. Der Übergang beginnt im Januar 1991. Die KPdSU unterhält weiterhin die bisherigen Beziehungen zu den linken Parteien in diesen Ländern. Wir sind aber bereit für einen konstruktiven Dialog mit den Regierungsparteien – sowohl mit denen, die bereits an der Macht sind, als auch mit denen, die es werden könnten.“ (Prawda, Mai 1990).
14 – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem vatikanischen Nuntius für Sonderaufgaben, Francesco Colasuono. Dieser überbrachte ihm eine Botschaft von Papst Johannes Paul II., die eine Antwort auf ein Schreiben des sowjetischen Präsidenten an das Oberhaupt des Heiligen Stuhls darstellte. Beide Seiten zeigten sich zufrieden mit der Fortsetzung der Kontakte und dem Wunsch, diese für die … zu nutzen. Um die Lage in Europa und der Welt zu verbessern. (Pravda, 15. Mai 1990).
14.–16. – Offizieller Besuch des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in der UdSSR. Am 15. Mai fanden Verhandlungen zwischen M. S. Gorbatschow und Hosni Mubarak statt. An diesem Wendepunkt, einer sehr wichtigen Phase der globalen Entwicklung, betonten die Präsidenten, sei es äußerst wichtig, in der Politik realistisch und vernünftig zu handeln und sich aufrichtig um eine Verbesserung der internationalen Beziehungen zu bemühen. Dies führe zu langfristigen Ergebnissen und diene echten nationalen Interessen. Der Nahe Osten spielte in den Gesprächen eine zentrale Rolle. Auch hier wurde trotz der unterschiedlichen Rollen der einzelnen Staaten bei der Konfliktlösung eine Übereinstimmung in Ansichten und Zielen festgestellt. (Pravda, 16. Mai 1990)
15 – Die sowjetisch-ägyptische Erklärung wird in Moskau unterzeichnet. Geleitet von der festen Überzeugung von der Einheit des menschlichen Schicksals und der Stärke seiner kollektiven Weisheit bekräftigen die Parteien die Notwendigkeit, die Anstrengungen der gesamten internationalen Gemeinschaft zum Aufbau einer atomwaffenfreien, gewaltfreien und sicheren Welt zu intensivieren. Diese soll auf der Ablehnung von Konfrontation, dem Streben nach einem für alle Seiten akzeptablen Interessenausgleich, dem Ausbau vielfältiger Zusammenarbeit, Vertrauen und gegenseitigem Verständnis zwischen den Völkern beruhen. Die UdSSR und Ägypten betonen die dringende Notwendigkeit, in den internationalen Beziehungen ein neues politisches Denken zu etablieren, die Priorität universeller Werte, das Recht jedes Volkes auf die Wahl seines eigenen Entwicklungsweges und auf Selbstbestimmung sowie die Prinzipien des Humanismus und der zivilisierten Kommunikation zu wahren. Sie bringen ihren gemeinsamen Wunsch zum Ausdruck, die Grundprinzipien der Gleichheit und Gerechtigkeit, der Achtung der Souveränität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten in der internationalen Praxis umzusetzen. Die Parteien bekräftigen ihr Bekenntnis zu den Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit und dem Vorrang des Völkerrechts. Frieden muss das strategische Ziel der Politik aller Staaten und Völker sein. Die Staats- und Regierungschefs sprechen sich ferner für verstärkte Abrüstungsbemühungen, die Beseitigung der Gefahr eines Atomkriegs, die Verbesserung internationaler Mechanismen zur Gewährleistung universeller Sicherheit und die Stärkung der Rolle und Effektivität der Vereinten Nationen bei der Bewältigung der grundlegenden Herausforderungen unserer Zeit aus. Ein eigener Abschnitt der Erklärung ist den Problemen der Entwicklungsländer gewidmet. Die Parteien rufen zu verstärkten gemeinsamen Anstrengungen auf, um dringende Probleme wie die Verringerung der sozialen und wirtschaftlichen Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern und die Gewährleistung einer ausgewogenen und nachhaltigen Entwicklung der Weltwirtschaft anzugehen. Der nächste Abschnitt enthält Bestimmungen zur Schaffung eines dauerhaften und gerechten Friedens im Nahen Osten. „Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist eine umfassende arabisch-israelische Einigung auf der Grundlage des Völkerrechts, eines Ausgleichs der legitimen Interessen der Parteien, von der internationalen Gemeinschaft anerkannter Prinzipien und vor allem einer gerechten Lösung der Palästinafrage, die auf der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts des palästinensischen Volkes und der Errichtung eines unabhängigen Staates beruht.“ Die Rolle internationaler Mechanismen, insbesondere der Vereinten Nationen, wird hervorgehoben. Die Parteien befürworten einen mehrstufigen Ansatz zur Etablierung eines Friedensprozesses. Den Höhepunkt dieser Bemühungen könnte eine internationale Konferenz unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen bilden. Der letzte Abschnitt der Erklärung ist der Entwicklung der bilateralen Beziehungen gewidmet. (Iswestija, 1. Mai 1990).
16–19 – J. Bakers Aufenthalt in Moskau und seine Gespräche mit E. A. Schewardnadse dienten der Vorbereitung des Gipfeltreffens zwischen M. S. Gorbatschow und G. W. Bush.
18. – M.S. Gorbatschow traf sich mit J. Baker. Gorbatschow hob die zunehmende Dynamik im Dialog zwischen den beiden Ländern hervor. Er regte an, genauer zu prüfen, inwieweit die Maßnahmen beider Seiten dem Verständnis der grundlegenden Veränderungen in der globalen Entwicklung entsprächen, die bei früheren sowjetisch-amerikanischen Treffen erzielt worden waren. Vor diesem Hintergrund fand ein Meinungsaustausch über die Europapolitik beider Länder statt, insbesondere im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung. Das Gespräch verlief sehr offen und vertraulich. Die Frage wurde im Kontext der Verantwortung der vier Siegermächte und der Perspektiven für einen gesamteuropäischen Prozess erörtert. Anschließend wurden Abrüstungsfragen angesprochen. Die Ausarbeitung eines Vertrags zur Reduzierung strategischer Offensivwaffen wurde eingehend geprüft. (Prawda, 19. Mai 1990). Auf einer Pressekonferenz am 19. Mai erklärte E.A. Schewardnadse, dass während der im Kreml geführten Gespräche grundlegende Lösungen für viele Punkte der gemeinsamen Tagesordnung gefunden worden seien. Die Hauptbestimmungen des Vertrags über die radikale Reduzierung strategischer Atomwaffen wurden vereinbart. (Prawda, 20. Mai 1990).
18.–21. – Besuch des Vorsitzenden der Föderalen Versammlung der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik, Alexander Dubček, in der UdSSR. Am 21. Mai wurde Alexander Dubček von Michail Gorbatschow empfangen. Gorbatschow begrüßte den Gast mit den Worten: „Dieses Treffen ist in vielerlei Hinsicht bedeutsam; es spricht Bände. Und vor allem spricht es für die Tragfähigkeit der Idee einer humanistischen, demokratischen Erneuerung der Gesellschaft im Interesse der Werktätigen.“ Mit Blick auf den August 1968 erklärte Michail Gorbatschow: „Politisch war das Thema für uns mit der Erklärung der Sowjetregierung, die die Ungerechtfertigtheit der militärischen Intervention in den inneren Angelegenheiten der Tschechoslowakei anerkannte, abgeschlossen. Diese Maßnahme wirkte sich auch negativ auf die Entwicklung der Sowjetunion selbst aus, führte zum Einfrieren geplanter Reformen, verlangsamte den natürlichen Fortschritt und trieb sie in die Sackgasse der Stagnation. M. S. Gorbatschow betonte erneut, dass die Sowjetunion das Recht der Völker der Tschechoslowakei sowie anderer Länder, ihre eigenen Entwicklungswege und -modelle frei zu wählen, entschieden und unmissverständlich respektiert.“ (Prawda, 22. Mai 1990)
22 – Michail Gorbatschow empfing Vertreter des amerikanischen Magazins „Time“. Auf die Frage nach den zu erwartenden Meinungsverschiedenheiten während seines Treffens mit George W. Bush antwortete er: „Wenn zwei Partner zusammentreffen, verfolgt jede Seite ihre eigenen Interessen, und die andere Seite muss dies berücksichtigen. Hauptsache ist, die Positionen beider Seiten so weit wie möglich in Einklang zu bringen. Wenn wir in irgendeinem Bereich unserer Außenpolitik etwas tun, das den Interessen der Vereinigten Staaten schadet, kann eine solche Politik nicht erfolgreich sein. Aber wenn wir ein optimales Gleichgewicht in unseren Beziehungen zu den Vereinigten Staaten herstellen können, werden beide Seiten ihre Ziele erreichen. Auch in der Außenpolitik müssen wir uns vom Kommando-und-Kontroll-System verabschieden; es gibt keinen anderen Weg. Ist das ein Gebot der Zeit?“ Auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass sich die verbesserten sowjetisch-amerikanischen Beziehungen wieder verschlechtern könnten, antwortete M.S. Gorbatschow, getreu dem Newtonschen Gesetz: Was hochgeht, muss auch wieder runterkommen. Gorbatschow sagte: „Ich glaube nicht, dass es ein unerbittliches ‚Gesetz der Zyklen‘ in den Beziehungen zwischen unseren Ländern oder in den internationalen Beziehungen im Allgemeinen gibt. Alles liegt in den Händen der Menschen, und natürlich in erster Linie in den Händen derjenigen, die für die Politik verantwortlich sind. Früher, als sozusagen die gesamte Infrastruktur der Konfrontation noch bestand – von der ideologischen Unvereinbarkeit bis zum Wettrüsten als Hauptpfeiler der Sicherheit –, waren Schwankungen und sogar starke Auf- und Abwärtsbewegungen in unseren Beziehungen vielleicht unvermeidlich. Heute ist eine Rückkehr zu den Verhältnissen von gestern kaum noch möglich. Schon allein deshalb, weil das Bewusstsein für die Integrität und die gegenseitige Abhängigkeit der Welt die Politik bereits tiefgreifend durchdrungen hat. Und auch, weil es auf beiden Seiten unwahrscheinlich ist, das ‚Feindbild‘ wiederzubeleben, das den Kalten Krieg und die Konfrontation befeuert hat. Wir haben unsere Interessen und die Realitäten der modernen Welt zu gut verstanden und genug übereinander gelernt, um zu alten Vorurteilen und ideologischen Klischees zurückzukehren. Darüber hinaus können sich die UdSSR und die USA, solange sie sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen, eine Konfrontation schlichtweg nicht leisten.“ Angesichts der größten und folgenschwersten Probleme in ihren eigenen Ländern und der globalen Gefahren, die über der gesamten Menschheit schweben … Die beste Garantie gegen einen Rückschritt sind neue Fortschritte: bei der Abrüstung, die weiterhin hinter den politischen Veränderungen zurückbleibt, bei der Zusammenarbeit in transnationalen Fragen, beim wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Austausch und in der einfachen menschlichen Kommunikation zwischen Menschen verschiedener Generationen und Berufe.“ Auf die Frage nach dem Wesen der Veränderungen in der Welt antwortete M. S. Gorbatschow: „…Wo wir uns Mitte der 1980er-Jahre befanden, ist jedem klar. Das Wettrüsten gewann an Dynamik. Die Notlage der Dritten Welt, geprägt von der Bedrohung durch eine globale Explosion, regionalen Konflikten, die ständig zu eskalieren drohten, Feindseligkeit und sogar Hass, hielt die Welt in einem Zustand ständiger Unruhe und der Angst vor einer Katastrophe. Wenn ich
also auf diese Jahre zurückblicke, sehe ich eine Reihe bedeutender Veränderungen im Bewusstsein der Menschen und in der politischen Lage.“
Erstens traten die Widersprüchlichkeit und die Gefahren des Militarismus immer deutlicher zutage. Die Einstellung zu Krieg und militärischer Gewalt als Instrumente staatlicher Politik wandelte sich. Man begann zu verstehen, dass auf der Erde immer weniger Raum für Krieg blieb und der Teufelskreis des Wettrüstens daher gestoppt werden musste. Es zeigte sich, dass die bestehenden Militärausgaben selbst für wohlhabende Länder wie die Vereinigten Staaten zu hoch waren. Kurz gesagt, Ende der 1980er-Jahre keimte ein Hoffnungsschimmer für die Entmilitarisierung des globalen politischen Prozesses auf.
Zweitens begann die Menschheit in den 1980er-Jahren, sich ernsthaft mit Umweltfragen auseinanderzusetzen. Die Notwendigkeit eines grundlegenden Umdenkens im Verhältnis zwischen Mensch und Planet wurde durch Tschernobyl, sauren Regen, Ozonabbau, Treibhauseffekt, Waldsterben und Süßwasserknappheit schmerzlich deutlich. Die Umweltbewegung wuchs. Veränderungen in der nationalen Politik wurden sichtbar. Die internationale Umweltkooperation nahm Gestalt an. Es wird jedoch enorme Anstrengungen erfordern, die Trägheit der gedankenlosen Zerstörung der Ökosphäre zu überwinden oder zumindest die Trägheit des Industrialisierungszeitalters einzudämmen.
Drittens, und dies knüpft an die beiden vorherigen Punkte an, ist die grundlegende Einheit der Welt spürbarer geworden, die Gemeinsamkeit der grundlegenden, vitalen Interessen der Länder und Völker des Ostens, Westens, Nordens und Südens – trotz der Vielfalt ihrer Gesellschaftssysteme, Entwicklungsstände und der Verschiedenheit ihrer Kulturen, Überzeugungen und Ideologien. Auf diesen einigenden Prinzipien und diesem neuen sozialen Bewusstsein muss die moderne Weltpolitik aufgebaut werden. Und sie nimmt bereits Gestalt an.
Viertens markierten die 1980er Jahre einen Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion. Die Logik des Lebens selbst warf die Frage nach der Notwendigkeit tiefgreifender Transformationen im Rahmen der sozialistischen Idee auf. Daher die Perestroika, denn unser Volk kann sich seinen Fortschritt außerhalb des Rahmens der sozialistischen Idee nicht vorstellen. Daher die starke Tendenz unserer demokratischen Veränderungen. Daher auch das neue Denken in der Außenpolitik. Die Folge ist ein tiefgreifender Einfluss der Veränderungen in der UdSSR auf den Lauf der Weltgeschichte. Die neue Sowjetunion steht für eine neue internationale Lage, die Aussicht auf eine friedliche Phase der Zivilisationsentwicklung und große Chancen für positive Veränderungen im Leben der Menschen weltweit.
Wir bekräftigen unsere neue Philosophie weiterhin durch unser Handeln, unsere Taten, die Kraft des Vorbilds und unsere gesamte Politik. Perestroika und neues Denken sind untrennbar miteinander verbunden.
Fünftens hat sich der demokratische Aufschwung nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf andere Länder ausgebreitet, insbesondere auf jene, die ihr eng verbunden waren. Natürlich hat jedes Land seine eigenen, einzigartigen Entwicklungen erlebt. Doch es gibt auch eine gemeinsame Logik: einen deutlichen Anstieg der gesellschaftspolitischen Aktivitäten von Bürgern, die nach echter Kontrolle über ihre Lebensbedingungen und die Politik ihrer Länder streben.
Der wahrhaft fortschrittliche und innovative Verlauf dieser Prozesse hängt auch davon ab, wie fest sich die Prinzipien der Wahlfreiheit und die Ablehnung von Gewaltpolitik, nicht nur militärischer, in der Weltpolitik verankern. Für uns, die Sowjetunion, ist diese Frage endgültig geklärt. Doch auf der anderen Seite machen sich die Verlockungen alter Methoden, eines konfrontativen Ansatzes, der darauf abzielt, einigen den Sieg und anderen die Niederlage zu sichern, weiterhin bemerkbar.
Neues Denken entsteht nicht von selbst. Es muss hart erarbeitet werden – das sehe ich in meinem eigenen Land und auch in den Vereinigten Staaten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wichtigsten Punkte des historischen Umbruchs der 1980er-Jahre in kürzester Zeit wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft schöpften.
Später sagte M. S. Gorbatschow über seine Vision des 21. Jahrhunderts: „Wie das 21. Jahrhundert aussehen wird, hängt maßgeblich davon ab, ob wir die richtigen Lehren aus dem 20. Jahrhundert ziehen und seine schwerwiegenden Fehler nicht wiederholen.“
Ich glaube, eine der wichtigsten Lehren des 20. Jahrhunderts ist folgende: Das Ziel, so edel und verlockend es auch sein mag, rechtfertigt niemals einen wahllosen Einsatz. Im Gegenteil, die Mittel, die wir wählen, können uns letztlich entweder helfen, das Ziel zu erreichen, es verzerren oder uns in die Irre führen. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir das gesamte System der sozialen Beziehungen erneuern wollten und dabei wie ein Elefant im Porzellanladen agierten.
Eine weitere historische Lehre betrifft das Schicksal der sozialistischen Idee. Im 20. Jahrhundert gewann sie Millionen von Anhängern, wurde zu einem einflussreichen Faktor im ideologischen und politischen Kampf sowie in sozialen und staatlichen Prozessen vieler Länder, wurde aber nie adäquat umgesetzt. Das Niveau und die Qualität der vom sozialistischen Weg erwarteten sozioökonomischen und kulturellen Errungenschaften erwiesen sich als unerreichbar. Der Hauptgrund dafür (neben externen Faktoren) ist, dass die sozialistische Idee das künstliche Modell ablehnt, in das die Gesellschaft gezwungen wurde. Ein Leben „nach Plan“ ist eine Utopie voller Intoleranz und Gewalt. „Sozialismus ist die lebendige Kreativität der Massen.“ Dieser Slogan wurde von der Revolution von 1917 ausgerufen. Doch erst jetzt beginnen wir, seine Bedeutung und Tragweite wirklich zu erfassen – durch Demokratisierung und Glasnost, durch die Einbeziehung von Individuen, Persönlichkeiten und Talenten in die gesellschaftliche Kreativität.
Die Ergebnisse des 20. Jahrhunderts haben zu einer weiteren entscheidenden Erkenntnis geführt: Wir sind eine Zivilisation. Dies hat weitreichende Konsequenzen für Politik und zwischenmenschliche Beziehungen. Ein Ausgleich der Interessen – oder neue Herausforderungen – stehen uns bevor. Gemeinsame Sicherheit bedeutet, die Idee der „Weltherrschaft“ und der Überlegenheit über andere aufzugeben; ein Verständnis für die Widersprüchlichkeit des Fortschritts, den Konflikt zwischen Konsum und Natur. Politik und Wissenschaft, die friedliche Humanisierung der Gesellschaft, neue soziale Realitäten, das Entstehen neuer Staaten, Wettbewerb und Verantwortung. All dies erfordert neue Ansätze und neue Menschen in der Politik.
Wenn Sie von mir eine detaillierte Prognose unserer Zukunft erwarten, muss ich gestehen, dass ich das nicht tun möchte. Es wird davon abhängen, wie wir die gegenwärtige, kritischste Phase des Übergangs zu den grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen im Kontext der Weltzivilisation bewältigen. (Pravda, 28. Mai 1990).
23 – In Genf fand ein Treffen zwischen E. A. Schewardnadse und G.-D. Genscher statt. Die Minister erörterten die externen Aspekte des Aufbaus der deutschen Einheit im Zusammenhang mit der Zuständigkeit des „Zwei-plus-Vier“-Mechanismus. Das erste Treffen der Teilnehmer dieses Mechanismus wurde positiv bewertet, und die Notwendigkeit einer Intensivierung seiner Arbeit wurde anerkannt. (Pravda, 24. Mai 1990).
24 – E. A. Schewardnadse traf sich mit M. Abbas, Mitglied des Exekutivkomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Die Gesprächspartner äußerten ihre tiefe Besorgnis über die anhaltende Stagnation der Friedensbemühungen im Nahen Osten. Es wurde festgestellt, dass Israel die Verantwortung dafür trägt, da es eine Politik der Errichtung künstlicher Friedensbarrieren in der Region verfolge. (Iswestija, 25. Mai 1990).
25. – In Moskau fand ein weiteres Treffen zwischen Michail Gorbatschow und François Mitterrand statt. Im Mittelpunkt stand eine umfassende, konzeptionelle Diskussion über die tiefgreifende Entwicklung der globalen Lage. „Manche glauben, die Welt breche zusammen, aber meiner Ansicht nach sprechen wir vom Aufbau einer neuen Welt“, bemerkte Gorbatschow. François Mitterrand stimmte dieser Auffassung zu. Beide Seiten bekräftigten die grundsätzliche Übereinstimmung zwischen der Sowjetunion und Frankreich hinsichtlich der politischen Zukunft des Kontinents. Der Weg dorthin führt über die zunehmend aktive Bildung gesamteuropäischer Sicherheitsstrukturen und eine umfassende Zusammenarbeit. Es wurde betont, dass Europas Eintritt in eine qualitativ neue Phase infolge der Veränderungen im Osten, Westen und insbesondere im Zentrum des Kontinents einerseits neue Möglichkeiten eröffnet, die europäischen Völker einander näherzubringen – unter bedingungsloser Achtung ihrer jeweiligen Entscheidungen. Andererseits setzt er aber auch widersprüchliche, teils negative Tendenzen frei. Laut beiden Präsidenten besteht die Aufgabe darin, eine Eskalation negativer Prozesse zu verhindern und gleichzeitig die positiven Entwicklungen der laufenden Veränderungen zu fördern. Das zunehmend etablierte neue Denken muss in entsprechendes politisches Handeln umgesetzt werden. Die Synchronisierung des beschleunigten Tempos der kontinentalen Erneuerung mit der Fortsetzung und Intensivierung des KSZE-Prozesses ist von größter Bedeutung. Erfreulicherweise wurde festgestellt, dass immer mehr Länder die Idee der Institutionalisierung des gesamteuropäischen Prozesses und der Schaffung seiner permanenten Strukturen unterstützen. In Bezug auf die Lage in Mitteleuropa und den Prozess der deutschen Wiedervereinigung widmeten die Gesprächspartner der Frage der künftigen Zugehörigkeit des deutschen Staates zu bestehenden militärisch-politischen Bündnissen besondere Aufmerksamkeit. Die ablehnende Haltung der UdSSR gegenüber der Aufnahme eines vereinigten Deutschlands in die NATO, die weiterhin an ihrer im Kalten Krieg entwickelten Strategie festhält, wurde bekräftigt. Beide Seiten stellten Übereinstimmung in Bezug auf Aspekte der deutschen Neuordnung fest, wie die Wahrung der Unverletzlichkeit der Nachkriegsgrenzen in Europa und die Synchronisierung des Aufbaus der deutschen Einheit mit dem KSZE-Prozess. (Prawda, 26. Mai 1990)
29.–30. – Michail Gorbatschow stattete Kanada einen offiziellen Besuch ab. In einem Gespräch mit dem kanadischen Premierminister Barack Obama wurde eine fortschreitende Annäherung der Ansichten und Positionen festgestellt, die auf einem wachsenden Bewusstsein für die Integrität der Zivilisation beruhte. Auch die Frage der deutschen Wiedervereinigung wurde unter diesem Gesichtspunkt betrachtet. Der beharrliche Versuch, zu beweisen, dass der Beitritt eines vereinten Deutschlands zur NATO der Sowjetunion nicht schaden würde – und auch der kanadische Premierminister versuchte dies –, war nicht überzeugend. Allein die Tatsache, dass sie auf dieser und nur dieser Option beharrten, weckte bereits Misstrauen. Die UdSSR glaubte, die Diskussion über die externen Aspekte der deutschen Wiedervereinigung sei noch nicht abgeschlossen, während die NATO-Staaten von der Annahme ausgingen, sie sei bereits beendet. Diese Herangehensweise widerspricht genau dem positiven Haupttrend in der Welt, der wachsendes Vertrauen voraussetzt. (Prawda, 31. Mai 1990).
30. Mai – 4. Juni – Staatsbesuch Michail Gorbatschows in den USA.
31. Juni – Treffen von Michail Gorbatschow mit Vertretern der amerikanischen Intelligenzija. In Bezug auf die Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA bemerkte der Präsident: „Wir bewegen uns von der Konfrontation zur Rivalität, von der Rivalität zur Partnerschaft, auch wenn diese noch nicht existiert.“ Mit Blick auf die Bedeutung der Feststellung, dass wir alle, die gesamte Menschheit, eine einzige Zivilisation bilden, erinnerte sich M. S. Gorbatschow: „… Als ich 1987 bei einem ähnlichen Treffen sagte, dass ich nicht die Theorie der Konvergenz vertrete, sondern dass wir trotz aller Eigenheiten und Unterschiede eine einzige Zivilisation seien, stand Herr Galbraith auf und fragte ganz ruhig, wie ein weiser und kenntnisreicher Mann: Herr Gorbatschow, warum fürchten Sie sich so sehr vor der Konvergenz? Ich denke, er hat die Frage richtig gestellt… Wir sind also eine einzige Zivilisation, trotz all unserer Unterschiede, und ich betrachte diese Unterschiede nicht als Nachteile, sondern als Vorteile, denn sie bieten eine Grundlage für Diskussionen, für Austausch und für ein höheres Wissensniveau. Und ich möchte Sie zur Zusammenarbeit, zur Solidarität und vor allem zum gegenseitigen Verständnis einladen.“ Dieses Wort, das wir gedankenlos und ohne viel Nachdenken benutzt haben, scheint mir nun seine wahre Bedeutung zu erlangen. Und wir können ihm seine Rolle als universeller menschlicher Wert zurückgeben.“ (Iswestija, 2. Juni 1990)
31 – Rede bei einem Abendessen im Namen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Frau S. Gorbatschow sagte unter anderem: „Mir scheint, dass in letzter Zeit eine einigende Idee immer mehr an Bedeutung gewinnt und die Menschen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert fesselt. Es ist die Idee der universellen Einheit. Ihre praktische Umsetzung ist eine epochale Aufgabe. Die Vielfalt der Welt, die Komplexität ihrer Probleme sind so groß, dass sie nur durch Synthese oder zumindest durch die gegenseitige Durchdringung der Bestrebungen, Werte, Errungenschaften und Hoffnungen verschiedener Völker bewältigt werden können. In einer Welt voller nuklearer, ökologischer und anderer Bedrohungen ist dies eine Chance für das Überleben der Zivilisation. Doch die Menschheit darf nicht nur eine Überlebensgemeinschaft sein. Sie muss eine Gemeinschaft des Fortschritts sein. Fortschritt für alle – Ost, West, Nord, Süd; für die Hochentwickelten wie die noch Benachteiligten. Gleichzeitig bedarf heute die Idee des Fortschritts selbst des Fortschritts. Der Aufstieg der Menschheit zur Verwirklichung ihres historischen Plans muss ohne irreparable Schäden an der Umwelt, ohne Ausbeutung von Menschen und ganzen Nationen, ohne irreversible moralische und spirituelle Verluste erfolgen. Es ist schwierig und ungewöhnlich, eine neue Zivilisation aufzubauen.“ (Iswestija, 1. Juni 1990).
31 – Während der Verhandlungen zwischen M. S. Gorbatschow und G. Bush entbrannte die hitzigste und wohl heftigste Diskussion um die Frage, welchem ​​Bündnis das künftige vereinigte Deutschland beitreten sollte. Gorbatschow bestand auf der gleichzeitigen Mitgliedschaft in zwei Bündnissen. Bush plädierte für eine Mitgliedschaft ausschließlich in der NATO. Man einigte sich auf einen Kompromiss: „Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion befürworten ein vereinigtes Deutschland, das nach einer endgültigen Regelung, die die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs berücksichtigt, selbst entscheidet, welchem ​​Bündnis es angehören möchte.“ G. Bush schlug eine andere Option vor: „Die Vereinigten Staaten befürworten eindeutig die NATO-Mitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands. Sollte es sich jedoch anders entscheiden, werden wir dies nicht infrage stellen, sondern respektieren.“ M. S. Gorbatschow akzeptierte diese Formulierung. (Tschernjajew, A. S., S. 348).


Juni


1 – M. S. Gorbatschow traf sich in Washington mit führenden Vertretern des US-Kongresses. In seiner Rede sprach er über den gegenseitigen Nutzen im Kontext der Interdependenz und des Endes des Kalten Krieges. „…Wir gehen von der Prämisse aus, dass das, was für die Vereinigten Staaten nachteilig ist, im Großen und Ganzen auch für uns nachteilig sein sollte, wenn wir langfristig denken. Wenn unser Partner besorgt oder verunsichert wird, ist das Ziel nicht erreicht… Ich möchte dieses Verständnis unbedingt aufrechterhalten, nämlich dass unsere Sicherheit, genau wie Ihre, untrennbar miteinander verbunden ist. Es sind zwei Seiten derselben Medaille – die Verbesserung der Beziehungen, die Verbesserung der Lage.“ (Iswestija, 3. Juni 1990).
1 – Rede bei der Unterzeichnungszeremonie sowjetisch-amerikanischer Dokumente (Abkommen über die Handelsbeziehungen zwischen der UdSSR und den USA; Abkommen über die Nichtproduktion und Vernichtung chemischer Waffen und Maßnahmen zur Erleichterung einer multilateralen Konferenz über das Verbot chemischer Waffen; Protokolle zu den Verträgen über die Begrenzung unterirdischer Kernwaffentests und über unterirdische Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken; Abkommen über die friedliche Nutzung der Atomenergie; Abkommen über die Ausweitung des Studentenaustauschs an Hochschulen; zwölf gemeinsame Erklärungen der beiden Präsidenten), M.S. Gorbatschow sagte: „Franklin Roosevelt sprach vor einem halben Jahrhundert von einer zukünftigen Welt, in der vier Freiheiten triumphieren würden: Redefreiheit, Gewissensfreiheit, Freiheit von Not und Freiheit von Furcht. Dieses Ideal ist in keinem Land bisher erreicht worden. Und es könnte in einer Welt der Feindseligkeit und Konfrontation nicht erreicht werden. Deshalb: Die Befreiung der Menschheit von der Furcht bringt uns einer neuen Welt näher. Und wir gehen die ersten Schritte in diese Richtung und bündeln unsere Kräfte… Schwierige Aufgaben erwarten uns noch. Es ist klar, dass der Abbau eines so monumentalen Erbes des Kalten Krieges, angesichts des angehäuften Potenzials für gegenseitige Vernichtung, alles andere als einfach und sogar gefährlich ist. Das geringste Ungleichgewicht, unüberlegte Eile oder ein unausgewogenes Vorgehen beim Abbau dieses „Denkmals“ könnte zu einer gefährlichen Destabilisierung der gesamten internationalen Lage führen. Wenn wir hingegen umsichtig und verantwortungsbewusst handeln, die Anliegen des anderen berücksichtigen und die Standpunkte des anderen – auch bei Meinungsverschiedenheiten – beachten, bin ich zuversichtlich, dass wir, wenn wir diese Bedingungen einhalten, dazu in der Lage sein werden.“ um entschlossener und energischer voranzuschreiten. (Iswestija, 2. Juni 1990)
1 – Rede bei einem Abendessen zu Ehren von Präsident George W. Bush, M.S. Gorbatschow sagte unter anderem: „… Die eingehende Diskussion über die Probleme und Perspektiven des europäischen Prozesses war zweifellos nützlich. Sie hat Ansichten und Positionen geklärt und neue Argumente für Überlegungen und die Suche nach akzeptablen Lösungen geliefert. Der Schwerpunkt liegt dabei naturgemäß auf den äußeren Aspekten der deutschen Wiedervereinigung. Unseres Erachtens müssen zwei Prozesse abgeschlossen werden: die endgültige Regelung der Kriegsfolgen und die Lösung der inneren Fragen der Umwandlung der beiden Teile Deutschlands in einen einzigen Staat. Dies ist der Inhalt der Übergangszeit, deren Ende bedeutet, dass die Rechte der vier Siegermächte, die im Übrigen nicht durch die Teilung Deutschlands, sondern unmittelbar nach dem Krieg entstanden sind, ihre Gültigkeit verlieren und ein neuer souveräner Staat entsteht. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die Diskussion nicht abgeschlossen ist; sie wird fortgesetzt, und es kann mehrere Optionen geben, nicht nur eine. Alle werden gemeinsam geprüft, auch unter Beteiligung der Alliierten. Letztlich ist nur eine gemeinsam gefundene Lösung akzeptabel, die die Rechte niemandes verletzt.“ Interessen und untergräbt nicht den Gesamtprozess des positiven Wandels in Europa und der Welt. Und dies sind das wichtigste Ergebnis und der größte Gewinn wachsenden Vertrauens und eines stetig wachsenden Bewusstseins für die Einheit der Zivilisation.“ (Iswestija, 2. Juni 1990).
2 – M. S. Gorbatschow und E. A. Schewardnadse gaben dem sowjetischen Fernsehen ein Interview. Auf die Frage nach den Charakteristika der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen infolge des Treffens antwortete M. S. Gorbatschow sagte: „… Wir haben uns von der Konfrontation entfernt; es gab und gibt wohl immer noch Rivalität. Und es gibt jene, die es so beibehalten möchten… Ich teile diese Ansicht nicht. Anzeichen einer Partnerschaft zeichnen sich bereits ab. Und das gilt nicht nur für die Wirtschaft. Kooperation entsteht bei der Lösung globaler Probleme und der Beilegung regionaler Konflikte. Und es gibt bereits greifbare Früchte dieser Kooperation, dieser Partnerschaft, wenn Sie so wollen. Von der Konfrontation über die Rivalität zur Partnerschaft – das ist die Formel fürs Leben… Ich weiß nicht, ob man das Geschehen mit der Bildung der Anti-Hitler-Koalition vergleichen kann. Damals überwanden sie alles und bildeten eine Einheitsfront gegen den Faschismus, jene Macht, die die Zivilisation bedrohte. Sie vergaßen ihre ideologischen Differenzen, und dennoch entstand keine Kooperation. Ich muss sagen, dass wir jetzt von einer Kooperation gleichen Ausmaßes und gleicher Bedeutung sprechen.“ (Iswestija, 3. Juni 1990)
4 – M.S. Gorbatschow sprach an der Stanford University. Er sagte insbesondere: „Denken wir an die Zukunft. Unsere beiden Länder haben mehr als genug Gründe, beim Aufbau dieser Zukunft und der Bildung neuer Sicherheitsstrukturen zusammenzuarbeiten. In Europa, im asiatisch-pazifischen Raum, bei der Entwicklung einer wahrhaft globalen Wirtschaft und ganz besonders bei der Schaffung einer neuen Zivilisation. Ich mache mir keine Illusionen über die Möglichkeit einer beschleunigten Annäherung, einer Konvergenz unserer beiden Gesellschaften. Sie sind sehr unterschiedlich. Lange Zeit haben sie sich in verschiedene Richtungen entwickelt. Höchstwahrscheinlich werden sie, so glaube ich, niemals identisch werden. Und das ist im Übrigen auch gar nicht nötig. Wichtig ist, die Hauptrichtung hin zu einer Welt ohne Kriege, hin zu einer Welt der Gleichheit und Freiheit zu sehen, und ich würde den Ausgangspunkt für die Interaktion von Staaten und Völkern im Interesse der Zukunft darin wählen, festzustellen, dass der Kalte Krieg vorbei ist. Und es hat keinen Sinn, darüber zu streiten, wer ihn gewonnen hat. Im Kalten Krieg, wie in einem Atomkrieg, kann es keine Gewinner geben. Das wissen Sie und ich. Alles andere – Argumente darüber, ob der Kalte Krieg von Vorteil gewesen sei – ist irrelevant.“ Manches davon ist politischer Betrug und Verantwortungslosigkeit… Jedes unserer Länder trägt einen Teil der Schuld daran, dass die Nachkriegszeit in der Menschheitsgeschichte den Charakter einer zermürbenden und gefährlichen Konfrontation angenommen hat. Doch ebenso logisch ist es nun festzustellen, dass wir auch eine enorme Verantwortung für die schnellstmögliche Beseitigung der Mechanismen militärischer Konfrontation zwischen Ost und West tragen.
… Wir sehen, wie sich der Inhalt der internationalen Beziehungen hin zu einer immer umfassenderen und offeneren menschlichen Kommunikation entwickelt. In diesem Zusammenhang gewinnt die Rolle einer kreativen, konstruktiven Politik heute stark an Bedeutung. Doch auch die Kosten von Fehlern, die sich größtenteils durch das Festhalten an alten Dogmen, vertrauten Handlungsregeln und überholtem Denken erklären lassen, steigen. Damit ein neuer Fortschritt weltweit Realität werden kann, muss sich jeder verändern. Das A und O der neuen Ordnung ist Toleranz. Ohne eine tolerante und respektvolle Haltung gegenüber Partnern und ohne Verständnis für die Sorgen und Ängste des anderen wird nichts funktionieren. Dies setzt die Entwicklung eines neuen, zeitgemäßen Ansatzes für Sicherheitsstrukturen, Kooperation und sogar Bündnisse voraus. Ich bin… In der Überzeugung, dass wir kurz davor stehen, den Begriff „Bündnis“ neu zu definieren, wurden Bündnisse bisher selektiv und im Wesentlichen diskriminierend geschlossen und gegeneinander ausgespielt. Sie haben Länder und Völker weit mehr gespalten als vereint. Dieses System erreichte seinen Höhepunkt im Kalten Krieg, verkörpert in zwei gegensätzlichen Gebilden: der NATO und dem Warschauer Pakt. Doch die Zeit naht, in der sich das Prinzip des Bündnisses selbst ändern muss. Seine Bedeutung liegt darin, sich für menschenwürdige Lebensbedingungen und den Erhalt der natürlichen Umwelt, im Kampf gegen Hunger, Krankheit, Drogenabhängigkeit und Unwissenheit zusammenzuschließen.“ (Iswestija, 5. Juni 1990)
5 – In San Francisco traf sich Präsident Gorbatschow kurz mit dem Präsidenten der Republik Korea, Roh Tae-woo. Gorbatschow bekräftigte die grundlegende Position der Sowjetunion zur friedlichen Wiedervereinigung Koreas und begrüßte die Aufnahme wirtschaftlicher und kultureller Beziehungen zwischen der UdSSR und Südkorea, die angesichts beiderseitiger Interessen erhebliches Entwicklungspotenzial bergen. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen könne sich im Zuge der weiteren Entwicklung der Beziehungen und im Kontext der allgemeinen Verbesserung der politischen Lage in der Region und auf der koreanischen Halbinsel ergeben. (Prawda, 6. Juni 1990).
5–29 – Die zweite Konferenz zur menschlichen Dimension der KSZE fand in Kopenhagen statt. (International Affairs, 1990, Nr. 9, S. 135–149).
7 – In Moskau tagte das Politische Konsultativkomitee der Warschauer-Pakt-Mitgliedstaaten. Bei dem Treffen wurden die Perspektiven für einen gesamteuropäischen Prozess, die Bildung neuer Sicherheitsstrukturen und die Stärkung der Stabilität in Europa erörtert. Die Teilnehmer tauschten sich über die Überprüfung von Wesen, Funktionen und Aktivitäten des Warschauer Pakts sowie über dessen mögliche grundlegende Umstrukturierung aus. M. S. Gorbatschow informierte die Teilnehmer über die Ergebnisse des sowjetisch-amerikanischen Gipfeltreffens. Das Treffen verabschiedete eine Erklärung, in der es hieß: „Die gegenwärtigen Entwicklungen in Europa schaffen die Voraussetzungen für die Überwindung des Blockmodells der Sicherheit und der Teilung des Kontinents. Diese Entwicklungen sind unumkehrbar. … Die teilnehmenden Staaten sind sich einig, dass das ideologische Feindbild durch die gegenseitigen Anstrengungen von Ost und West weitgehend überwunden wurde und die Begriffe Ost und West wieder eine rein geografische Bedeutung annehmen. … Die konfrontativen Elemente in den Dokumenten des Warschauer Pakts und der NATO vergangener Jahre entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. In dieser neuen Situation werden die auf dem Treffen vertretenen Staaten die Natur, die Funktionen und die Aktivitäten des Warschauer Pakts überprüfen und ihn in einen Vertrag souveräner, gleichberechtigter Staaten umwandeln, der auf demokratischen Prinzipien beruht. … Es wurde die Bereitschaft bekräftigt, im Interesse der europäischen Stabilität und Abrüstung, des Vertrauensaufbaus und der Stärkung des Prinzips der Verteidigungsfähigkeit konstruktiv mit der NATO, ihren Mitgliedern sowie neutralen und blockfreien Staaten auf bilateraler und multilateraler Basis zusammenzuarbeiten.“ (Pravda, 8. Juni 1990).
7 – Bei einem Abendessen zu Ehren der Teilnehmer des Treffens des Politischen Konsultativkomitees der Warschauer-Pakt-Mitgliedstaaten erklärte M. S. Gorbatschow insbesondere Folgendes: „Ich möchte vor allem über einen immateriellen Wert sprechen, ohne den weder unsere Länder noch Europa als Ganzes auskommen können. Ich meine gegenseitiges Vertrauen. Dessen Quelle ist letztlich ein tiefes, von Opportunismus und ideologischen Vorurteilen freies Verständnis der objektiv übereinstimmenden und eng miteinander verbundenen vitalen Interessen unserer Völker… Gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Unterstützung sind heute wie Luft, wie Sauerstoff, notwendig für ein gemeinsames und zuversichtliches Voranschreiten in der vernetzten und voneinander abhängigen Welt von heute. Im Gegenteil: gegenseitiges Misstrauen, das Festhalten an überholten Stereotypen, die Neigung, alte Rechnungen zu begleichen und sich nach dem Prinzip ‚Wer gewinnt?‘ zu rächen, können nur spalten und von modernen Wegen des Fortschritts ablenken.“ (Prawda, 8. Juni 1990).
7 – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem Vorsitzenden des Ministerrats der DDR, L. de Maizière. „Die Sowjetunion beabsichtigt in keiner Weise, den Prozess der deutschen Wiedervereinigung zu behindern. Ganz im Gegenteil“, betonte der sowjetische Präsident, „wir streben eine wirklich solide und verlässliche Wiedervereinigung an, die keinerlei Misstrauen erregt und die langfristigen Interessen der Deutschen selbst, ihrer Nachbarn und aller Teilnehmer des Helsinki-Prozesses vollumfänglich berücksichtigt. Solche Lösungen müssen – und können – gefunden werden. Ein anderer Ansatz bei der deutschen Wiedervereinigung hieße, die begonnenen positiven Veränderungen zu zerstören, Veränderungen, die es Europa und all seinen Völkern ermöglichen würden, ohne Angst um ihre Zukunft zu leben, in gegenseitigem Vertrauen und in einer möglichst umfassenden, freien und fruchtbaren Zusammenarbeit.“ (Prawda, 8. Juni 1990)
8 – Es fand ein Treffen zwischen M.S. Gorbatschow und M. Thatcher statt, die anlässlich der Tage Großbritanniens in der UdSSR nach Moskau gereist war. M.S. Gorbatschow berichtete über seine Gespräche in den Vereinigten Staaten und die Sitzung des Sicherheitsrates des Warschauer Pakts. Die Gesprächspartner stellten mit Zufriedenheit den neuen Charakter dieses Treffens und die grundlegende Bedeutung der von den Teilnehmern geäußerten Absicht fest, den Warschauer Pakt den neuen Gegebenheiten entsprechend zu transformieren. Gorbatschow merkte an, dass die Mitglieder des Warschauer Pakts nun das Recht hätten, eine angemessene Reaktion von der NATO und dem bevorstehenden NATO-Rat in London zu erwarten. Beide Bündnisse könnten durch ihre Transformation die Zusammenarbeit stärken und eine positive Rolle bei der Entwicklung neuer europäischer Sicherheitsstrukturen spielen. Der deutschen Frage und den externen Aspekten der deutschen Wiedervereinigung wurde große Aufmerksamkeit gewidmet. Gorbatschow sprach von der Unannehmbarkeit einer eindeutigen Festlegung auf einen zukünftigen NATO-Beitritt Deutschlands. Darüber hinaus sei die Meinung des deutschen Volkes noch unbekannt, und die gegenwärtige deutsche Regierung könne nicht für das gesamte zukünftige souveräne Deutschland sprechen, das noch nicht existiere. Die deutsche Frage sei zu wichtig und komplex und erfordere einen unkonventionellen Ansatz. Dabei dürfe man sich nicht davor scheuen, dass die eine oder andere Option auf den ersten Blick unrealistisch erscheine. Die Erfahrung der letzten Jahre habe gezeigt, dass das, was zunächst utopisch schien, innerhalb weniger Jahre Realität geworden sei. Ich glaube, sagte Gorbatschow, dass die deutsche Frage in Zukunft noch nicht so weit sein werde. Gorbatschow sagte, dass eine Option gefunden werden könne, die das jüngst in Europa Begonnene nicht untergrabe. Und etwas Großes habe begonnen, von dem der Lauf der Weltgeschichte abhänge. Bei der Suche nach einer Lösung müssten mehrere miteinander verbundene Prozesse in Europa berücksichtigt werden, und eine Übergangsphase sei unausweichlich. In dieser Zeit könne man gemeinsam, durch den „2+4“-Mechanismus und unter angemessener Beteiligung aller interessierten Staaten, zu einer Lösung gelangen, die sowohl Deutschland als auch ganz Europa zufriedenstelle und die Bildung nicht nur eines einheitlichen europäischen Wirtschafts-, Rechts-, Kultur- und Informationsraums, sondern auch eines einheitlichen Sicherheitsraums ermögliche.“ (Prawda, 9. Juni 1990)
8 – Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Margaret Thatcher antwortete Michail Gorbatschow auf die Frage nach den Perspektiven des Warschauer Pakts und der NATO: „Wir haben gestern im PIK gesprochen. Sie haben heute die Kurzfassung der Erklärung gelesen. Und ich denke, Sie haben festgestellt, dass es sich um ein völlig neues Dokument handelt. Es zeigt erstens, dass die osteuropäischen Länder die positiven Entwicklungen unserer westlichen Partner anerkennen. Wir betrachten die Vertreter des Westens nicht als Gegner, sondern als Partner beim Aufbau neuer Beziehungen in Europa. Dies ist die erste Aussage darin. Zweitens enthält das Dokument eine Einladung an die NATO-Staaten, bei ihrem Treffen im Juli den Rückstand gegenüber dem Warschauer Pakt aufzuholen. Konkret geht es darum, die Militärdoktrin zu erörtern und zu diskutieren, welche Art von Doktrin es sein sollte.“ Es sollte eine Struktur innerhalb der NATO und der Streitkräfte dieses Blocks geben, um die Richtung der Transformation dieser Organisation im Einklang mit den Prozessen im Warschauer Pakt zu erörtern. Sollten sich ähnliche Prozesse in der NATO vollziehen, eröffnet dies die Möglichkeit, beide Organisationen neu zu betrachten – nicht nur im Hinblick auf ihre gegenwärtige Opposition. Wir sollten prüfen, was in der neuen Situation möglich ist und wie sie im Hinblick auf den Aufbau neuer Sicherheit zusammenarbeiten können. Durch diese Zusammenarbeit und die anschließende Erweiterung des Vertrauenskreises beginnt der Prozess der gegenseitigen Durchdringung. Dann könnte eine neue Situation entstehen, in der beide Blöcke offen sind und erklären, bereit zu sein, jeden weiteren europäischen Staat in ihre Reihen aufzunehmen. Warum? Da unser Ziel europäische, gesamteuropäische Strukturen und gesamteuropäische Sicherheit sind, müssen wir verstärkt mit allen Europäern zusammenarbeiten.“ (Prawda, 10. Juni 1990).
11 – Ein Arbeitstreffen zwischen E. A. Schewardnadse und G. D. Genscher befasste sich mit den außenpolitischen Aspekten der deutschen Wiedervereinigung. Nach der Erörterung des militärpolitischen Status eines vereinten Deutschlands zeigten sich die Minister zuversichtlich, dass eine positive Entwicklung der Gesamtsituation die Lösung dieser hochkomplexen Frage erleichtern würde. Das Treffen fand mit Zustimmung der übrigen Mitglieder der „Sechs“ („2+4“) statt, die über die Ergebnisse informiert werden. In einer Pressekonferenz fasste Eduard Schewardnadse das Treffen zusammen und erklärte, die Diskussion habe sich auf die grundlegenden Elemente und Grundlagen der Beziehungen zwischen dem Warschauer Pakt und der NATO konzentriert, welche die Lösung des Problems des militärpolitischen Status Deutschlands erleichtern würden. Auch Themen wie die Reduzierung der militärischen Konfrontation in Europa, die weitere Dynamik des gesamteuropäischen Prozesses und dessen Institutionalisierung wurden angesprochen. Die Diskussion, die Der Minister erklärte, dies habe zur Klärung vieler Fragen beigetragen (Iswestija, 12. Juni 1990).
12 – M.S. Gorbatschow sprach vor der dritten Sitzung des Obersten Sowjets der UdSSR. Er informierte die Abgeordneten über die Ergebnisse seines Besuchs in den Vereinigten Staaten und merkte an, dass dieser zu einem Zeitpunkt stattfand, als zwei global bedeutsame Prozesse zusammentrafen: der Übergang zu grundlegenden Umwälzungen während der Perestroika und der Eintritt Europas in einen „Höhepunkt“. Die weitere Entwicklung beider Prozesse hing maßgeblich vom Zustand der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen ab. Die Verhandlungen kamen zu dem Schluss, dass sich beide Länder im Übergang von Konfrontation und Rivalität zu gegenseitigem Verständnis, Interaktion und Partnerschaft befanden. In der aktuellen Phase vollzögen sie sich sogar in einer Interaktion mit partnerschaftlichen Elementen. „Diese Tendenz ist deutlich erkennbar. Sie wird durch den während des Besuchs zum Ausdruck gebrachten Wunsch bestätigt, die Angelegenheiten auf Augenhöhe als Großmächte zu gestalten, die eine besondere Verantwortung gegenüber der Welt tragen und die Fähigkeit besitzen, dieser Verantwortung gerecht zu werden.“ Anschließend analysierte M.S. Gorbatschow die Ergebnisse der Verhandlungen zu spezifischen Themen. Zusammenfassend sagte er: „Der sowjetisch-amerikanische Gipfel war also insgesamt ein Erfolg. Er hat die Erwartungen erfüllt. Es wurde viel geleistet, aber es bleibt noch viel zu tun, nicht weniger schwierig und verantwortungsvoll.“ (Iswestija, 13. Juni 1990).
12 – Der Oberste Sowjet der UdSSR verabschiedete eine Resolution „Über die Besuche des Präsidenten der UdSSR, M. S. Gorbatschow, in den USA und Kanada“, in der er diese als „das bedeutendste Ereignis im Prozess tiefgreifender positiver Veränderungen in Europa und der Welt“ bezeichnete. (Iswestija, 13. Juni 1990).
14–15 – In Berlin fand ein Treffen des Komitees der Verteidigungsminister der Warschauer-Pakt-Mitgliedstaaten statt. Dabei wurden Fragen im Zusammenhang mit der Revision der Aktivitäten der Militärorganisation und ihrer grundlegenden Umstrukturierung, dem Zustand und den Richtlinien zur Verbesserung der Vereinigten Streitkräfte unter Berücksichtigung der Umwandlung ihrer Strukturen in rein defensive Strukturen, Maßnahmen zur Reduzierung der Streitkräfte und konventionellen Waffen sowie dem Abzug sowjetischer Truppen aus dem Gebiet der alliierten Staaten erörtert. Es wurde bestätigt, dass das wachsende Vertrauen zwischen dem Warschauer Pakt und dem nordatlantischen Block eine echte Chance bietet, ihre Beziehungen schrittweise in eine nicht-konfrontative umzuwandeln und aktiv an der Gestaltung der Strukturen eines gesamteuropäischen Sicherheitssystems mitzuwirken. Das Komitee der Verteidigungsminister stellte zudem fest: „Die Erreichung dieses Ziels würde erleichtert, indem die Veränderungstendenzen innerhalb der NATO beschleunigt und vertieft und ihre Beschlüsse zu Veränderungen der Bündnisaktivitäten in praktisches Handeln umgesetzt würden, was als Bestätigung von Aufrichtigkeit und gutem Willen dienen würde.“ (Pravda, 16. Juni 1990).
18. – Eduard Schewardnadse und Helmut Genscher trafen sich in Münster. Die Gespräche über die außenpolitischen Aspekte der deutschen Wiedervereinigung wurden fortgesetzt. Beide bekräftigten ihren gemeinsamen Wunsch nach einer raschen Lösung, die die Anliegen aller Beteiligten berücksichtigt. Auf der anschließenden Pressekonferenz wurde hervorgehoben, dass folgende Themen konstruktiv angesprochen wurden: die Vorbereitungen für den KSZE-Gipfel, auf dem konkrete Schritte zur Institutionalisierung des KSZE-Prozesses unternommen werden sollen; erstmals die Beziehungen zwischen den beiden Bündnissen; die Reduzierung konventioneller Streitkräfte; eine Einigung über die deutsch-polnische Grenze nach der deutschen Wiedervereinigung; sowie die bilateralen Beziehungen nach der deutschen Wiedervereinigung. Eduard Schewardnadse erklärte: „Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass alles reibungslos verläuft, alle Punkte geklärt und alle Probleme gelöst sind. Natürlich gibt es weiterhin komplexe und wichtige Probleme. Herr Genscher und ich sind uns jedoch einig, dass wir weiterarbeiten müssen.“ (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 13, S. 44-47).
22. – Das zweite Treffen der Außenminister der an den „Zwei plus Vier“-Verhandlungen beteiligten Staaten fand in Berlin statt. Die sowjetische Delegation legte einen Entwurf mit dem Titel „Grundprinzipien einer endgültigen völkerrechtlichen Regelung mit Deutschland“ zur Prüfung vor. Es ist vorgesehen, dass ein solches Dokument bis Ende des Jahres ausgearbeitet und dem Pariser Treffen der Staats- und Regierungschefs der KSZE-Mitgliedstaaten vorgelegt werden kann. Eduard Schewardnadse betonte bei der Beschreibung des Dokuments dessen umfassenden Charakter. „Im Laufe der letzten Zeit“, sagte er, „konnten wir alle feststellen, dass die Vertreter der beiden deutschen Staaten es vorziehen würden, die Frage ihrer Wiedervereinigung nicht im Kontext eines formellen Friedensabkommens anzusprechen, eines Friedensvertrags, der die Einberufung einer Konferenz aller an der Anti-Hitler-Koalition beteiligten Staaten erfordert… Wichtig ist der Kern der Frage, nicht die Form ihrer Lösung. Die Lösung muss jedenfalls darin bestehen, ein Dokument zu erarbeiten, das inhaltlich einer friedlichen Beilegung angemessen, in seiner völkerrechtlichen Kraft und seinen Konsequenzen unbestreitbar und umfassend ist und alle zu klärenden Fragen abdeckt… Ein Schlussstrich unter die Vergangenheit muss gezogen und alle verbleibenden Beschränkungen der Souveränität Deutschlands müssen aufgehoben werden. Es müssen verlässliche Voraussetzungen für eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen, vor allem europäischen, Staaten geschaffen werden… Eine gewisse Übergangszeit wird erforderlich sein, bis alles seinen Platz hat.“ E. A. Schewardnadse ging auf die Hauptelemente eines endgültigen völkerrechtlichen Friedensabkommens ein und hob Folgendes hervor: eine Einigung über die Grenzen Deutschlands, insbesondere über die Oder-Neiße-Grenze; Eine Vereinbarung, wonach das künftige Deutschland ausschließlich eine friedliche Politik verfolgen und die militärische Konfrontation auf deutschem Boden reduzieren soll; eine Vereinbarung, wonach ein vereintes Deutschland keine Atom-, Chemie- oder Bakterienwaffen auf seinem Territorium herstellen, empfangen oder einsetzen darf; die Notwendigkeit, eine fünfjährige Übergangszeit festzulegen, in der alle völkerrechtlichen Verpflichtungen sowohl der DDR als auch der BRD (einschließlich ihrer Verpflichtungen zur Teilnahme am Warschauer Pakt und an der NATO) fortbestehen; nach Beendigung der Rechte der vier Mächte muss Deutschland das Recht haben, unter Berücksichtigung der Bestimmungen der endgültigen völkerrechtlichen Friedensregelung Verträge und Abkommen abzuschließen. (Iswestija, 23. Juni 1990).
27 – Die Zeitung Prawda veröffentlichte ein Interview mit dem sowjetischen Verteidigungsminister D. T. Jasow. Darin wies er Spekulationen entschieden zurück, der Westen wolle mit seiner harten Linie einseitige und nachteilige Zugeständnisse von der UdSSR erzwingen. Der Minister betonte, dass mutige Entscheidungen und Initiativen, die von der UdSSR mitunter als einseitige Zugeständnisse dargestellt würden, darunter die Entscheidung zur asymmetrischen Reduzierung von Mittel- und Kurzstreckenraketen, in Wirklichkeit Ausdruck der konsequent friedliebenden Politik des Landes und seines Wunsches nach einem grundlegenden Wandel hin zu einer Reduzierung militärischer Konfrontationen seien. „Tatsächlich hat die Sowjetunion eine neue Ära in der Menschheitsgeschichte eingeleitet – eine Bewegung von Überrüstung hin zu ausreichender Verteidigung.“ Der Minister bestätigte, dass „alle Entscheidungen bezüglich der Reduzierung der Streitkräfte und des Rüstungsbestands sorgfältig unter Beteiligung aller relevanten Stellen geprüft werden. Es gab in diesem Bereich keine einzige Frage, die nicht mit dem Verteidigungsministerium abgestimmt wurde.“
29 – Die Staatsbank der UdSSR teilte im Namen der Regierung der UdSSR dem Sekretariat des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe mit, dass die Sowjetunion ab dem 1. Januar 1991 aus dem System multilateraler Zahlungen in übertragbaren Rubeln ausscheiden und bei Zahlungen mit diesen Ländern auf eine frei konvertierbare Währung umstellen werde. (Iswestija, 30. Juni 1990).


Juli


4 – Inkrafttreten der Bestimmungen über die Währungsunion der BRD und der DDR. Die Westdeutsche Mark wird zur offiziellen Währung des wiedervereinigten Deutschlands.
2–10 – XXVIII. Parteitag der KPdSU. Im Politischen Bericht des Zentralkomitees der KPdSU widmete M. S. Gorbatschow außenpolitischen Fragen große Aufmerksamkeit. Insbesondere sagte er: „Bei der Entwicklung des Perestroika-Programms war uns bewusst, dass es nur dann umgesetzt werden konnte, wenn sich die äußeren Bedingungen des Landes grundlegend änderten. Dafür war es notwendig, unsere Herangehensweise zu ändern und der Welt eine neue internationale Politik anzubieten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden gewaltige Veränderungen statt – sozialer, nationaler, wirtschaftlicher, politischer, technologischer, wissenschaftlicher, ökologischer und demografischer Art. Bis Mitte der 1970er Jahre hatten diese das gesamte Erscheinungsbild der Welt verändert und die Grundlagen des menschlichen Daseins in den Schatten gestellt. Eine neue Zivilisation entsteht. Sie entsteht, um zu vergehen, unfähig, der enormen globalen Bedrohung zu begegnen oder qualitativ neue Regeln des Zusammenlebens, eine völlig neue Weltpolitik zu entwickeln.
Auf der Grundlage einer Analyse der aktuellen internationalen Lage, nachdem wir einen Abrüstungskurs eingeschlagen und Erfahrungen mit einer neuen Außenpolitik gesammelt hatten, haben wir unsere Überzeugung von drei zentralen Prämissen internationalen Handelns gestärkt.
Erstens: Man kann die eigene Sicherheit nicht auf Kosten anderer gewährleisten, die eigenen Interessen nicht zum Nachteil anderer verteidigen und nicht behaupten, es besser zu wissen als andere.“ Völker und Staaten sollten ihre Angelegenheiten selbst regeln. Die Anerkennung der Entscheidungsfreiheit jeder Nation ist eine grundlegende Voraussetzung für den Aufbau einer neuen Weltordnung. Zweitens lässt sich eine prosperierende, freie und demokratische Gesellschaft nicht allein erreichen, indem man sich anderen Wegen der gesellschaftlichen Entwicklung verschließt. Geboten ist in unserer Zeit die gemeinsame Entwicklung, die gemeinsame Gestaltung und die Zusammenarbeit. Drittens ist die Integration unserer Volkswirtschaft in die Weltwirtschaft nicht nur für die Modernisierung unserer eigenen Wirtschaft notwendig, sondern auch, um gemeinsam mit anderen Nationen die materielle Grundlage für eine dauerhaft friedliche Periode in der Geschichte zu schaffen und die globalen Probleme der Menschheit zu lösen. Die
auf neuen Ansätzen und Initiativen des neuen Denkens basierenden politischen Maßnahmen haben die internationale Lage bereits deutlich verbessert und die Gefahr eines Weltkriegs hinausgezögert. Wir haben die Möglichkeit geschaffen, die Militärausgaben zu reduzieren und, wie bereits erwähnt, Ressourcen für friedliche Zwecke umzuleiten.
Dank der Perestroika und des neuen Denkens haben sich die Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA von Konfrontation und Wettrüsten hin zu gegenseitigem Verständnis und in vielen Bereichen sogar zu einer Partnerschaft gewandelt. Dies hat die gesamte Welt verändert. Die globale Lage hat sich verbessert und markiert den Beginn einer beispiellosen Friedensperiode in der Geschichte der Menschheit.
Die Beziehungen zu China wurden normalisiert, was für beide Großmächte und die Welt insgesamt von enormer Bedeutung ist.
In Europa, dem Schauplatz der brutalsten Auseinandersetzungen des Kalten Krieges, hat erstmals ein echter Abrüstungsprozess, einschließlich der nuklearen Abrüstung, begonnen. Nie zuvor in der Geschichte unseres Staates haben wir so gute und freundschaftliche Beziehungen zu den meisten Ländern des Kontinents gepflegt wie heute. Der gesamteuropäische Prozess hat eine Form der zwischenstaatlichen Kommunikation zwischen Dutzenden von Ländern und Völkern geschaffen, die in der Weltgeschichte beispiellos ist. Hier steht erstmals die Schaffung eines gemeinsamen Wirtschafts-, Kultur-, Umwelt- und Informationsraums auf der Tagesordnung. Dies wurde durch unsere neue internationale Politik und Zusammenarbeit ermöglicht.
In Osteuropa vollziehen sich tiefgreifende Veränderungen. Wenn von einem „Zusammenbruch des Sozialismus“ die Rede ist, stellen wir eine Gegenfrage: Welcher „Sozialismus“? Derjenige, der im Wesentlichen eine Variante des stalinistischen autoritär-bürokratischen Systems war, das wir selbst abgelehnt haben? Uns wird sogar vorgeworfen, „kampflos abgetreten zu sein“. Sie raten uns also, auf das zurückzugreifen, worauf wir schon früher zurückgegriffen haben, womit wir entschieden gebrochen haben und was wir entschieden verurteilen.
Ja, die Frage bleibt, welchen Weg diese Länder in ihrer sozioökonomischen Entwicklung einschlagen werden. Doch dies ist eine Entscheidung der Völker selbst. Wir haben stets nach dem Prinzip der Wahlfreiheit gehandelt und werden auch weiterhin so handeln, das zum Gebot des Fortschritts und zur Bedingung für den Erhalt der gesamten modernen Zivilisation geworden ist…
Partei und Volk lobten die neue Außenpolitik in höchsten Tönen; sie wurde in den Dokumenten der 19. Parteikonferenz und in einer Sonderresolution des Ersten Kongresses der Volksdeputierten der UdSSR gebilligt und bestätigt. Unsere neuen Ansätze und praktischen Schritte fanden weltweit großen Anklang und Unterstützung. Und wir weisen entschieden alle Versuche zurück, den von der Partei und dem Sowjetstaat entwickelten und verfolgten außenpolitischen Kurs zu diskreditieren… (Prawda, 3. Juli 1990).
3 – Während des Kongresses berichteten mehrere Politbüromitglieder, darunter Eduard Schewardnadse, über ihre Aktivitäten. Er antwortete insbesondere auf die Frage eines Delegierten: „Ist der Zusammenbruch des Sozialismus in Osteuropa nicht eine schwere Niederlage für die sowjetische Diplomatie unter Ihrer Führung?“ „Das wäre so“, sagte Eduard Schewardnadse, „wenn unsere Diplomatie darauf abzielte, Veränderungen in Nachbarländern zu verhindern, wenn dies zu einer Verschlechterung und Verschärfung der Beziehungen zu ihnen führen würde. Die sowjetische Diplomatie zielte nicht und konnte nicht darauf ab, die Beseitigung aufgezwungener und fremder Verwaltungs- und Kommandosysteme sowie totalitärer Regime in anderen Ländern zu verhindern. Dies widerspräche der Logik unseres eigenen Handelns und den Prinzipien des neuen politischen Denkens. Selbst wenn die Entwicklungen in Osteuropa unseren Interessen zuwiderliefen, würden wir jede Einmischung in die Angelegenheiten dieser Staaten ausschließen. Das ist unmöglich, denn wir anerkennen heute nicht nur in Worten, sondern auch in Taten die Gleichheit der Nationen, die Souveränität der Völker, die Nichteinmischung in ihre Angelegenheiten und das Recht auf freie Wahl. Jede andere Position ist ein Rückfall in den totalen Chauvinismus, in imperialistische Großmachtstrukturen; sie steht im Widerspruch zu den Prinzipien, die wahre Kommunisten stets verkündet haben. Meiner Meinung nach trug die sowjetische Diplomatie, unsere gesamte Politik, dazu bei, dass an diesem gefährlichen Wendepunkt in der …“ Trotz der unterschiedlichen Schicksale der Völker der verbündeten Länder blieben wir zusammen und gehen weiterhin Seite an Seite… Eine weitere Frage: Wussten die Diplomaten, wusste der Minister, wusste die höchste politische Führung, wie sich die Ereignisse in Osteuropa entwickeln würden? Ja, im Prinzip sagten wir Veränderungen voraus, spürten ihre Unvermeidbarkeit… Aber wir konnten, ausgehend von den Prinzipien des neuen politischen Denkens, nicht in die Angelegenheiten anderer Völker, in die Angelegenheiten anderer Staaten eingreifen. Ich denke, wir haben richtig gehandelt.“ (Prawda, 5. Juli 1990). Im weiteren Verlauf des Kongresses beantwortete E. A. Schewardnadse Fragen der Delegierten. Viele davon betrafen die Wiedervereinigung Deutschlands. „Ich möchte, Genossen“, sagte E. A. Schewardnadse: „Es geht darum, die möglichen Optionen zu verstehen. Nicht unsere Wünsche, sondern die möglichen Optionen. Die erste: im Rahmen des 2+4-Mechanismus, also der Sechs, im Rahmen des gesamteuropäischen Prozesses eine Einigung über eine endgültige völkerrechtliche Regelung der außenpolitischen Aspekte der deutschen Wiedervereinigung zu erzielen, die unseren Sicherheitsinteressen und der Stabilität Europas gerecht wird. Und das ist möglich. Die zweite Option: unsere halbe Million Soldaten in der DDR einzusetzen, um die Wiedervereinigung zu verhindern. Man kann sich die Folgen vorstellen. Wir, Genossen, haben den ersten Weg gewählt. Ich denke, alle vernünftigen Menschen werden uns dabei unterstützen, alle, die Europa und unser Volk nicht ins Verderben stürzen wollen. Das ist die Antwort an diejenigen, die sagen, wir hätten der Wiedervereinigung nicht zustimmen sollen.“ Auf die Frage: „Wer ist für den Zusammenbruch des Warschauer Blocks und des gesamten sozialistischen Lagers verantwortlich? Welche Rolle spielen Sie in diesem historischen Prozess?“, antwortete E. A. Schewardnadse: „Der Block,„Ein Bündnis, das mit Gewalt zusammengehalten werden muss, war und kann in ernsten Angelegenheiten keine verlässliche Stütze sein. Wäre es nicht besser für unsere eigene Sicherheit, uns künftig auf ein Bündnis zu stützen, das auf gemeinsamen Interessen beruht? Ich sehe meine Pflicht darin, neue Beziehungen zu benachbarten Bündnispartnern aufzubauen und sicherzustellen, dass diese für beide Seiten vorteilhaft, gutnachbarlich und freundschaftlich sind, damit wir fruchtbar zusammenarbeiten und eng kooperieren können… Wir haben unsere strategischen Verbündeten, Genossen, verloren, als wir 1956 in Ungarn Gewalt anwandten, 1968 in die Tschechoslowakei einmarschierten und in Afghanistan einmarschierten. Und unser Bruch mit China ereignete sich nicht während der Perestroika-Jahre. Und die Krise in Polen begann nicht im Zusammenhang mit der Perestroika, sondern lange davor. Sie erinnern sich gut daran.“ Auf die Frage nach einer Prognose des möglichen Verlaufs der Ereignisse in Europa betonte Schewardnadse, es sei richtig, die bereits laufenden Prozesse genauer zu betrachten. In diesem Zusammenhang ging er insbesondere auf die Erklärung des NATO-Rates ein, die am Vortag seiner Rede verabschiedet worden war. Diese Erklärung, so bemerkte er, zeige, dass auch die NATO beginne, sich zu wandeln – ihren Fokus von rein militärischen Angelegenheiten abzuwenden und ihre Strategie zu ändern. Zu behaupten, wie manche es tun, die Idee eines gemeinsamen europäischen Hauses sei eine Illusion, ein Mythos, bedeute, die Realität um uns herum zu ignorieren. (Pravda, 11. Juli 1990)
Während des Kongresses wurden Sektionen eingerichtet, darunter eine zum Thema „Internationale Aktivitäten der KPdSU“. V.M. berichtete über seine Arbeit. Falin sagte insbesondere: „Die entscheidende Bedeutung der neuen Ansätze der Sowjetunion in der internationalen Politik, die Befreiung der Außenpolitik von Dogmen und die Notwendigkeit, die tatsächlichen Fähigkeiten des Sowjetstaates zu berücksichtigen, wurden hervorgehoben.
Die Hauptthemen der Diskussion und Reflexion waren die Verflechtung und gegenseitige Abhängigkeit von Innen- und Außenpolitik in der gegenwärtigen Phase, Sicherheitsfragen, die Lage in Osteuropa und die deutsche Frage.
Die sprechenden Genossen stellten weder den allgemeinen außenpolitischen Kurs der Partei noch den Kurs der Abrüstung oder den Wandel von Friedenserklärungen hin zu einer aktiven Suche nach konkreten Wegen zur Befreiung der Völker von der Kriegsgefahr in Frage. Es wurde anerkannt, dass die neue Außenpolitik zu einer positiven Veränderung der globalen Lage und zum Austritt der Menschheit aus dem Kalten Krieg beigetragen hat. Im Verlauf
der Diskussion wurden zahlreiche kritische Meinungen zur Taktik der Umsetzung der außenpolitischen Strategie der Partei geäußert. Es wurde festgestellt, dass den westlichen Mächten noch immer der notwendige Wille fehlte, auf den Einsatz von Gewalt zu verzichten. Verschiedene, teils gegensätzliche Ansätze zur Bewältigung einer Reihe internationaler Beziehungsfragen wurden vorgestellt. Dies spiegelte offenkundig bestimmte Prozesse wider, die für die öffentliche Meinung als …“ Das Ganze sowie das anhaltende mangelnde Bewusstsein der Parteimitglieder für außenpolitische und insbesondere verhandlungstechnische Details wurden kritisiert.
Unter den im Bericht des Zentralkomitees der KPdSU dargelegten außenpolitischen Grundrichtungen hoben die Delegierten die Abrüstung hervor. Die Bedeutung des Konzepts der angemessenen Suffizienz als Leitfaden für alle Verhandlungspartner wurde betont. Es wurde hervorgehoben, dass es in diesem Bereich keine ungerechtfertigten einseitigen Zugeständnisse geben dürfe.
Einige Militärgenossen fragten sich, ob die Sicherheit des Landes derzeit geschwächt werde. In diesem Zusammenhang war die Aussage des Kongressdelegierten M. A. Moissejew, Chef des Generalstabs der Streitkräfte der UdSSR, von Bedeutung. Er erklärte, dass die Verhandlungspositionen in engster Zusammenarbeit zwischen Diplomaten, Politikern, Militärexperten und Wissenschaftlern entwickelt und verhandelt würden. Es würden keine unkompensierten Zugeständnisse gemacht, und das Kräfteverhältnis in den sowjetisch-amerikanischen Abrüstungsbeziehungen werde strikt gewahrt.
Ein zentrales Diskussionsthema war die aktuelle Lage in Mittel- und Osteuropa. Inwieweit Wurden die Entwicklungen auf Führungsebene überwacht und waren die ergriffenen Maßnahmen den Herausforderungen angemessen? Dies waren die gestellten Fragen.
Die weit hergeholten und konstruierten Versuche, den Führungsverlust kommunistischer Parteien in den meisten osteuropäischen Ländern mit unserer Perestroika in Verbindung zu bringen, wurden als absurd und künstlich kritisiert. Es wurden Fakten angeführt, die belegten, dass das Zentralkomitee der KPdSU die zugrundeliegenden Prozesse in diesen Ländern kannte und, soweit es der Grundsatz der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und die Achtung des Selbstbestimmungsrechts des Volkes zuließen, Einfluss auf die Situation zu nehmen suchte.
Seit 1986 führten M. S. Gorbatschow und andere führende Mitglieder des Zentralkomitees der KPdSU 103 Gespräche mit osteuropäischen Staats- und Regierungschefs, insgesamt fanden 147 Treffen zwischen ihnen statt.
Allerdings dürfen einige Mängel nicht außer Acht gelassen werden. Insbesondere fehlte es an einer fundierten rechtlichen Absicherung bestimmter Aspekte unserer Zusammenarbeit mit diesen Ländern, unter anderem im Verteidigungsbereich.
Während der Diskussion um die deutsche Frage wurde bei den Verhandlungen über die außenpolitischen Aspekte der Lösung besonders betont, wie wichtig es sei, die Sicherheitsinteressen Deutschlands, für die Millionen Menschen ihr Leben geopfert haben, im Blick zu behalten.
Die sprechenden Genossen brachten die Besorgnis der Bevölkerung, der Arbeitskollektive und der Parteiorganisationen über bestimmte Entwicklungen im internationalen Leben zum Ausdruck. Parteimitglieder und breite Teile der Gesellschaft befürworten die Unverletzlichkeit der Grenzen der UdSSR im Westen und Osten und lehnen jegliche Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten sowie Versuche, die legitimen Rechte der Sowjetunion zu missachten, entschieden ab.“ (Prawda, 9. Juli 1990).
5.–6. – NATO-Gipfeltreffen in London. Es wurden Beschlüsse zur Reform der Union (US-Vorschlag) gefasst.
10. – M. S. Gorbatschow hielt seine Schlussrede auf dem XXV. Parteitag der KPdSU. Darin sagte er: „Sowohl auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation als auch auf diesem Parteitag, insbesondere in den Ausschüssen, haben wir erneut scharfe Kritik und direkte Einwände gegen unsere neue Außenpolitik gehört. Wir werden selbstverständlich sachkundige Meinungen zu einzelnen Fragen berücksichtigen.“ Er wies jedoch Versuche, unsere Politik in Frage zu stellen, als völlig inakzeptabel zurück, da sie von eigennützigen Interessen diktiert würden.
Es gibt natürlich Schwierigkeiten, aber sie sind vorübergehend. Wir müssen die bestehenden Probleme so schnell wie möglich lösen. Doch ist das ein Grund, all das zu ignorieren, was unsere Außenpolitik dem Land und der ganzen Welt gebracht hat? Ich weise jeden Versuch, dies infrage zu stellen, zurück. Einer meiner Sekretäre riet mir sogar, nicht ins Ausland zu reisen. Und warum reisen wir überhaupt ins Ausland? Um Krieg zu vermeiden, die Perestroika unter normalen Bedingungen durchzuführen und schließlich Ressourcen freizusetzen und sie den Bedürfnissen des Landes zu widmen. Wir dürfen uns nicht von politisch inkompetenten Leuten führen lassen; das wäre verheerend. Eine Partei, die sich als Avantgarde versteht, muss führen, nicht sich wechselnden Stimmungen anpassen. Schließlich, sehen Sie sich die Fragen an, die gestellt werden: Haben wir richtig gehandelt, indem wir den Weg der Abrüstung eingeschlagen und die exorbitanten und unnötigen Militärausgaben für die Sicherheit reduziert haben? Die Antwort liegt auf der Hand. Haben wir richtig gehandelt, indem wir uns nicht in die Entwicklungen in Osteuropa eingemischt haben? Was, noch mehr Panzer, noch mehr Lektionen, wie man lebt? Ich glaube, die ganze Welt hört uns zu, während wir die Perestroika vorantreiben und uns bemühen zu beweisen, dass unsere Gesellschaft fortschrittlich, völkerfreundlich und kooperationsbereit ist. So beeinflussen wir die Welt. Schließlich muss man sich fragen: Manche fragen immer noch: War es richtig von uns, Afghanistan zu verlassen? Nun, dann weiß ich einfach nicht, mit wem wir es zu tun haben. Und noch etwas: Haben wir richtig gehandelt, als wir gute Beziehungen zu Dutzenden von Ländern auf allen Kontinenten aufgebaut haben? Ja, das haben wir, und sie haben darauf reagiert – nicht nur ihre Herrscher, sondern auch ihre Bevölkerung. Das muss man blind sein, um es nicht zu sehen. Der gesunde Menschenverstand, sofern er nicht von Partikularinteressen getrübt ist, sagt einem, dass all dies richtig geschehen ist, im fundamentalen Interesse unseres Volkes liegt und mit moralischen Standards übereinstimmt. Ganz zu schweigen davon, dass wir ohne eine neue Außenpolitik unser eigenes Land nicht hätten verändern können.
Ich denke, die Erklärungen meiner Kollegen und anderer Redner auf dem Kongress und zuvor sind sehr überzeugend; ich habe lediglich meine Emotionen zur Verdeutlichung hinzugefügt.
Wer hören will und Ohren hat, der höre. Wer nicht – das ist deren Sache, und wir werden uns unsere eigene Meinung dazu bilden. Doch es gibt eine wichtige Unterscheidung: Wer wichtige Staatsämter bekleidet, wer in direkter Verbindung zu unseren internationalen Aktivitäten steht, ist verpflichtet, den eingeschlagenen Kurs zu befolgen, selbst wenn er mit der Politik der Staatsführung nicht einverstanden ist – entgegen seiner persönlichen Überzeugung. Es kann nicht sein, dass der Präsident und die Regierung eine Linie verfolgen, während jemand anderes eine andere verfolgt. So etwas gibt es in keinem Land. Alle im Staatsdienst Tätigen müssen der Regierung loyal sein. Und wenn sie anständige Menschen sind und mit der Regierungspolitik nicht einverstanden sind, dann müssen sie zurücktreten. (Pravda, 11. Juli 1990)
Der 28. Parteitag der KPdSU verabschiedete eine Entschließung zum Politischen Bericht des Zentralkomitees der KPdSU. Die Resolution führte auszugsweise aus: „Der Kongress stellt fest, dass die neue, auf diesen Prinzipien beruhende Außenpolitik der UdSSR zu einer spürbaren Verbesserung der internationalen Lage, einer Abschwächung der militärischen Bedrohung, der Lösung globaler Probleme, der Integration der Wirtschaft in das Weltwirtschaftssystem, der Umweltkooperation, der geistigen Zusammenarbeit und der Ausweitung des Austauschs zwischen den Völkern beigetragen und die Grundlage für eine Reduzierung der Militärausgaben geschaffen hat. Dadurch werden günstige äußere Bedingungen für die Lösung innenpolitischer Probleme geschaffen.
Positive Entwicklungen auf internationaler Ebene beseitigen jedoch nicht die Notwendigkeit, eine verlässliche nationale Sicherheit auf der Grundlage des Prinzips der angemessenen Suffizienz zu gewährleisten. Fragen der Militärpolitik und der Fürsorge für das Militärpersonal und seine Familien müssen vom Staat und der Partei ständig überwacht werden.
Der Kongress befürwortet den Ausbau und die Vertiefung der internationalen Beziehungen der KPdSU, betont die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit mit kommunistischen und Arbeiterparteien sowie anderen linken Kräften und die Suche nach gemeinsamen Interessen mit einer Vielzahl politischer Parteien und sozialer Bewegungen.“ (Prawda, 11. Juli 1990).
10. – Der XXVIII. Parteitag der KPdSU verabschiedete die Programmerklärung „Auf dem Weg zu einem humanen, demokratischen Sozialismus“. Sie enthält den Abschnitt „Auf dem Weg zur friedlichen Entwicklung der Menschheit“, in dem es heißt: „Die Partei ist der Überzeugung, dass die außenpolitische Strategie der UdSSR von den Ideen des Friedens, der Zusammenarbeit, des Austauschs, des Fortschritts und des Humanismus ausgehen sollte; die Prozesse unserer inneren Perestroika auf jede erdenkliche Weise zu fördern und die internationale Stabilität zu gewährleisten.
Außenpolitische Leitlinien. Zur Stärkung der allgemeinen Sicherheit befürwortet die Partei:
– die energische Fortsetzung der erfolgreich begonnenen Entmilitarisierung der internationalen Beziehungen; die Reduzierung der Rüstung und der Streitkräfte auf die Grenzen einer angemessenen Verteidigungsfähigkeit; den vollständigen Ausschluss des Einsatzes und der Androhung von Gewalt aus der internationalen Praxis; die weitere Reduzierung und dann die vollständige Überwindung der militärischen Konfrontation;
– die Schaffung globaler und regionaler Sicherheitsstrukturen auf der Grundlage eines Interessenausgleichs aller Parteien, um Konflikte und internationale Instabilität zu verhindern;
– die Schaffung einer Rechtsgrundlage für die Beziehungen zwischen den Staaten, die die Freiheit der sozio-politischen Wahl, die Souveränität und Unabhängigkeit sowie die Entwicklung der Zusammenarbeit und Partnerschaft mit allen Ländern der Welt gewährleistet;
– Weitere Normalisierung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen und deren Überführung in eine konstruktive Partnerschaft; aktive Beteiligung am gesamteuropäischen Prozess und Überwindung der historischen Spaltung Europas; Entwicklung neuer Formen politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit mit den Ländern Osteuropas; umfassende Stärkung der positiven Tendenzen in den Beziehungen zur Volksrepublik China; eine aktive Politik im asiatisch-pazifischen Raum mit dem Ziel, diesen zu einer Zone des Friedens und der Zusammenarbeit zu entwickeln; Beteiligung an der politischen Beilegung regionaler Konflikte; Austausch mit der Bewegung der Blockfreien Staaten; Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern.
Für eine neue Qualität der internationalen Zusammenarbeit. Die Partei hält es für unerlässlich, die Anstrengungen aller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft bei der Lösung der gemeinsamen Probleme der Menschheit zu bündeln.
Sie befürwortet:
– aktive gemeinsame Maßnahmen zur Verbesserung der natürlichen Umwelt und zur Verhinderung einer ökologischen Katastrophe;
– die Beteiligung unseres Landes an den Bemühungen der internationalen Gemeinschaft zur Bekämpfung von Hunger, Armut, Massenepidemien, schweren Krankheiten, Drogenabhängigkeit, internationalem Terrorismus und Krisenungleichgewichten in der Entwicklung verschiedener Teile der Welt;
– intensive Ausweitung der globalen Wirtschaftsbeziehungen, Beseitigung von Hindernissen für den wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Austausch und Entwicklung von Kontakten im humanitären Bereich;
– Interaktion und Zusammenarbeit mit allen internationalen Organisationen regionaler und globaler Ebene, die aus einer Position historischer Verantwortung für die Zukunft der Menschheit heraus handeln.“ (Verhandlungen des 28. Parteitags der KPdSU. Moskau, 1990, S. 92-93).
7 – Eine Erklärung von Eduard Schewardnadse wurde veröffentlicht, die der NATO-Ratssitzung auf Ebene der Staats- und Regierungschefs gewidmet war, die am 5. und 6. Juli in London stattfand. „Das Abschlusskommuniqué der Sitzung sowie die Erklärungen der teilnehmenden westlichen Staats- und Regierungschefs zeigen, dass die führenden Köpfe des Nordatlantischen Bündnisses die Notwendigkeit radikaler Veränderungen in den Beziehungen zwischen westlichen und östlichen Ländern erkennen. Mit ihren Beschlüssen versuchen sie, auf die Herausforderungen der Zeit zu reagieren, unter anderem durch die Erklärung der Bereitschaft der NATO, sich an neue Gegebenheiten anzupassen und grundlegende Veränderungen an ihrem Konzept vorzunehmen.“ Im Allgemeinen erscheint uns dieser Ansatz realistisch und konstruktiv. Die Erklärung der NATO-Staaten, die politische Komponente des Nordatlantischen Bündnisses stärken zu wollen, halten wir für richtig. Die Aussage, dass die NATO-Staaten keine aggressiven Absichten hegen, sich der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten verpflichtet fühlen und niemals zum Ersteinsatz von Gewalt greifen werden, ist für uns von größter Bedeutung. Der Vorschlag der NATO-Mitgliedstaaten an die Warschauer-Pakt-Mitgliedstaaten, eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden, in der feierlich erklärt wird, dass wir keine Gegner mehr sind und beabsichtigen, von der Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines Staates abzusehen, sowie von jeglichen Handlungen, die mit den Zielen und Grundsätzen der UN-Charta und der Schlussakte der KSZE unvereinbar sind, hat auf sowjetischer Seite uneingeschränkt positive Resonanz gefunden. Der Vorschlag, Kontakte auf verschiedenen Ebenen zwischen NATO- und Warschauer-Pakt-Staaten herzustellen, erscheint uns konstruktiv. Diese konkreten einseitigen Maßnahmen sowie die von der Sitzung unterbreiteten Vorschläge, die den Wunsch der NATO-Staaten zum Ausdruck bringen, „ihre militärischen Konzepte und Strukturen zu ändern…“, verdienen besondere Beachtung. Die aktualisierte Position der NATO wird mit größter Sorgfalt und Aufmerksamkeit geprüft. In London hieß es, der Westen reiche dem Osten die Hand. Wir sind unsererseits bereit, ihm ebenfalls die Hand zu reichen.“ (Iswestija, 7. Juli 1990).
9.–11. Juli – Treffen der G7 in Houston (USA), das sich hauptsächlich mit Fragen der Wirtschaftshilfe für die UdSSR befasste.
10. Juli – Ein Bericht über den Arbeitsbeginn des Komitees zur Vorbereitung des gesamteuropäischen Gipfeltreffens in Wien, das im November 1990 in Paris stattfinden sollte, wurde veröffentlicht. (Iswestija, 10. Juli 1990).
14 – Der Präsident der UdSSR empfing NATO-Generalsekretär Manfred Wörner. „Was noch vor Kurzem undenkbar und unrealistisch schien, ist nun Realität geworden. Die Grenzen des Möglichen erweitern sich“, bemerkte Gorbatschow. „Und das hängt von der Politik und den Politikern ab, von ihrer Fähigkeit, die Realität zu erkennen und Entwicklungstendenzen zu berücksichtigen.“ Er merkte an, dass die Londoner Sitzung des NATO-Rates den Beginn von Veränderungen in dieser Organisation markiere. „Wir haben es hier also mit einem wechselseitigen Prozess zu tun, der die Vorstellung von ‚Gewinnern‘ und ‚Verlierern‘ des Kalten Krieges überwindet. Beide Seiten haben im Wettrüsten ‚Verdienste‘, und wir müssen diese Phase gemeinsam und auf Augenhöhe hinter uns lassen. Wörner unterstützte diesen Ansatz.“ Gorbatschow übergab Wörner einen Entwurf mit Überlegungen zum künftigen Inhalt einer gemeinsamen Erklärung des Warschauer Pakts und der NATO – ein Dokument, das zu einem Meilenstein der Weltpolitik werden könnte. (Prawda, 15. Juli 1990)
15 – In Moskau fand ein Gespräch zwischen M. S. Gorbatschow und G. Kohl statt (ein Transkript des Gesprächs wurde in dem Buch von M. S. Gorbatschow, „Jahre schwieriger Entscheidungen“, Moskau 1993, S. 223–233, veröffentlicht). Gorbatschow begrüßte seinen Gast mit den Worten: „Die Dynamik und die Art der Ereignisse bieten eine einzigartige Gelegenheit, Entscheidungen umzusetzen, die den Beginn der 1990er-Jahre zu einem historischen Meilenstein der globalen und insbesondere der europäischen Entwicklung machen könnten. Genau darin liegt die Verantwortung der Politiker unserer Generation, dafür zu sorgen, dass diese Chance nicht verpasst wird.“ Er bemerkte weiter: „Es ergab sich, dass Russland und Deutschland in den 1990er-Jahren wieder viel zu tun hatten, um in Harmonie und Eintracht zusammenzuleben, sich gegenseitig zu bereichern, das gegenseitige Verständnis zu stärken und die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit auszubauen. Ihre Trennung hatte schwerwiegende Folgen für unsere Völker. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass diese beiden Völker zusammenbleiben.“ Ich stelle unsere Beziehungen zu Deutschland auf eine Stufe mit den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen. Sie sind für das Schicksal unserer Völker, für die Geschichte, nicht weniger wichtig.“ G. Kohl unterstützte diese Ansicht. Er erklärte weiter, dass drei Themen im Mittelpunkt des Treffens stünden: das zukünftige Schicksal der sowjetischen Truppen in Deutschland, die NATO-Mitgliedschaft eines vereinten Deutschlands und die Stärke der künftigen Bundeswehr. „Das sind drei Hürden, die wir überwinden müssen.“ M.S. Gorbatschow hob einen wichtigen Umstand hervor: die veränderte politische Lage in den vergangenen zwei bis drei Monaten. „Die Tatsache, dass die Sowjetunion vom Westen nicht länger als Gegner betrachtet wird, ist von großer Bedeutung für die Zukunftsplanung.“ Die Gesprächspartner tauschten Entwürfe für ein mögliches künftiges Dokument (einen Vertrag) zwischen den beiden Ländern aus. In Bezug auf bereits vereinbarte oder einvernehmliche Punkte betonten M.S. Gorbatschow und G. Kohl die Ablehnung einer Grenzziehung durch ein künftig vereintes Deutschland und dessen Verzicht auf Massenvernichtungswaffen. Darüber hinaus unterstrich M.S. Gorbatschow die Notwendigkeit, eine Ausdehnung der NATO-Militärstrukturen nach Ostdeutschland zu verhindern. Während der Übergangszeit sollten sowjetische Truppen dort stationiert bleiben. Ein wichtiger Bestandteil war die Aufhebung des Viermächtestatus Berlins, was, wie Heinrich Kohl feststellte, die volle Souveränität Deutschlands bedeutete. Es wurde eine Vereinbarung getroffen, die es sowjetischen Truppen erlaubte, drei bis vier Jahre lang auf dem Gebiet des wiedervereinigten Deutschlands zu bleiben.
16 – In Archyz (Oblast Karatschay-Tscherkessien) fand ein Treffen zwischen M.S. Gorbatschow und G. Kohl statt. Die äußeren Aspekte der deutschen Wiedervereinigung wurden ausführlich erörtert, ebenso wie damit verbundene Fragen der Weiterentwicklung der bilateralen Beziehungen im Kontext des neuen europäischen Interessengleichgewichts. Im Rahmen der Diskussion über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit wurde ein hohes Maß an gegenseitigem Verständnis über den künftigen militärpolitischen Status eines vereinten Deutschlands, die Grenzen der Größe der Bundeswehr und die Unzulässigkeit einer NATO-Militärausdehnung auf das Gebiet der DDR erzielt. Auch die Bedingungen für die Präsenz sowjetischer Truppen auf deutschem Territorium nach der Wiedervereinigung wurden besprochen. In einem breiten konzeptionellen Rahmen wurden die Grundzüge eines umfassenden Vertrags zwischen der UdSSR und dem künftigen vereinten Deutschland erörtert, der alle wichtigen Aspekte der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und humanitären Beziehungen abdecken und eine verlässliche Grundlage für ein weiteres, für beide Seiten vorteilhaftes Verständnis und eine engere Zusammenarbeit zwischen dem sowjetischen und dem deutschen Volk schaffen soll. Die Diskussion über die äußeren Aspekte der deutschen Wiedervereinigung erfolgte im Sinne des „Zwei-plus-Vier“-Konzepts unter umfassender Berücksichtigung der Interessen und Standpunkte aller Beteiligten. (Pravda, 17. Juli 1990).
16. – In Schelesnowodsk fand eine gemeinsame Pressekonferenz von M. S. Gorbatschow und G. Kohl statt. In seiner Einleitung erläuterte G. Kohl die wichtigsten Punkte der erzielten Vereinbarungen. Diese hatte er (mit Zustimmung von M. S. Gorbatschow) in sieben Punkten formuliert: Die Wiedervereinigung Deutschlands umfasst die BRD, die DDR und Berlin; mit der Wiedervereinigung erlöschen die Rechte und Pflichten der vier Mächte vollständig; ein vereinigtes Deutschland kann in Ausübung seiner uneingeschränkten Souveränität frei und unabhängig entscheiden, ob und welchem ​​Bündnis es beitritt; ein vereinigtes Deutschland schließt ein bilaterales Abkommen mit der Sowjetunion über den Truppenabzug aus der DDR ab, der innerhalb von drei bis vier Jahren abgeschlossen sein soll; solange sowjetische Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR stationiert sind, erstrecken sich die NATO-Strukturen nicht auf diesen Teil Deutschlands. Die Bundesregierung erklärt sich bereit, im Rahmen der laufenden Wiener Verhandlungen eine Erklärung zu ihrer Verpflichtung abzugeben, die Streitkräfte eines wiedervereinigten Deutschlands innerhalb von drei bis vier Jahren auf 370.000 Mann zu reduzieren; ein wiedervereinigtes Deutschland verzichtet auf die Herstellung, den Besitz und die Entsorgung von Atom-, Bio- und Chemiewaffen und bleibt Mitglied des Atomwaffensperrvertrags. Gorbatschow sagte: „Die Atmosphäre unserer Beziehungen hat es uns in dieser schwierigen Phase tiefgreifender Veränderungen ermöglicht, im Geiste gegenseitigen Verständnisses effektiv zu handeln und Antworten auf die drängendsten Fragen zu finden. … Ich glaube, wir hätten die vom Bundeskanzler angekündigten Vereinbarungen kaum erzielen können, wenn der Besuch des Bundeskanzlers nicht in diesem Kontext stattgefunden hätte. … Wir verlassen eine Ära der Entwicklung internationaler Beziehungen und treten in eine neue ein. Wir glauben, dass dies eine Ära des dauerhaften Friedens sein wird. … Ich möchte hinzufügen: Die Ergebnisse des Treffens werden die Positionen der BRD und der Sowjetunion integrieren. Vermutlich hat die westdeutsche Seite nicht in ihrer reinsten Form das erhalten, was sie erwartet hatte. Auch wir haben in unserer reinsten Form nicht erreicht, was wir uns damals erhofft hatten. Aber wir waren Realisten, haben die Richtung des Wandels eingeschätzt, sie verglichen, uns stets in den europäischen Kontext eingeordnet und versucht, all diese Prozesse organisch zu integrieren. Und ich denke, obwohl der Besuch des Bundeskanzlers als Arbeitsbesuch bezeichnet wird, würde ich ihn als einen der bedeutendsten Besuche unserer Zeit einstufen. … Wir gehen von … aus.“ Die Prämisse ist, dass wir durch ein endgültiges Dokument völkerrechtlicher Natur die Rechte und Pflichten der vier Mächte beenden, die sich aus den einschlägigen völkerrechtlichen Entscheidungen nach dem Krieg ergaben. Das heißt, ein vereinigtes Deutschland wird volle Souveränität erlangen. Es hat das Recht, über diese Souveränität zu verfügen und eigene Entscheidungen zu treffen. Dies betrifft die gesellschaftliche Entwicklung, die Frage, welchen Bündnissen es beitreten, welche Beziehungen es pflegen und mit wem es Beziehungen aufbauen oder erneuern will. All dies sind Kennzeichen der vollen Souveränität, die ein Staat erlangt. Wir haben diesen Aspekt ausführlich erörtert. Ich erinnere mich, dass ich einmal sagte: Ob es uns gefällt oder nicht, die Zeit wird kommen.„Wenn ein vereintes Deutschland der NATO beitreten wird, und dies der Wunsch seines Volkes ist, wird es – selbst wenn es sich dafür entscheidet – in gewissem Maße und in bestimmten rechtlich formalisierten Beziehungen mit der Sowjetunion und damit mit einem bedeutenden Teil des Warschauer Pakts kooperieren. Es zeichnet sich eine Art Assoziation ab. So entsteht ein Problem, das wir eingehend und konstruktiv erörtert haben: die Frage der Präsenz, des Zeitpunkts, des Rechtsstatus, der Bedingungen usw. einer Truppengruppe, die bereits reduziert wird und weiter reduziert werden wird. Es wurde Klarheit geschaffen, gegenseitige Bedenken wurden ausgeräumt. Nichts davon sollte die Souveränität eines vereinten Deutschlands beeinträchtigen, gleichzeitig müssen aber die Interessen der Sowjetunion berücksichtigt werden.“ Auf die Frage nach der Rolle des menschlichen Faktors in der Politik antwortete M.S. Gorbatschow sagte: „Politik hat viele wesentliche Elemente, wichtige Komponenten. Ich glaube, dass Politik, um erfolgreich zu sein, mit der Wissenschaft zusammenarbeiten muss. Und Politik muss – so paradox es auch klingen mag und wie ich es als Gebot der Zeit betrachte – zunehmend auf soliden moralischen Grundlagen beruhen. Ich sehe ein neues Element: die Demokratisierung der Außenpolitik: Sie ist nicht mehr allein die Verantwortung der Politiker, sondern auch der breiten Öffentlichkeit. Schließlich gewinnt in einer Situation, in der wir vor entscheidenden Herausforderungen stehen und im Wesentlichen in eine neue Phase der internationalen Beziehungen eintreten, die Bedeutung der Zusammenarbeit und der persönlichen Beziehungen zwischen Politikern, des gegenseitigen Vertrauens, besonders an Bedeutung. Dies ist ein sehr wichtiger Faktor.“ (Prawda, 18. Juli 1990)„Persönliches gegenseitiges Vertrauen. Das ist ein sehr wichtiger Faktor.“ (Pravda, 18. Juli 1990).„Persönliches gegenseitiges Vertrauen. Das ist ein sehr wichtiger Faktor.“ (Pravda, 18. Juli 1990).
17. – Unmittelbar nach Gorbatschows Rückkehr nach Moskau rief ihn George Bush an. Es fand ein Informationsaustausch über die Treffen des US-Präsidenten mit westlichen Staats- und Regierungschefs, Gorbatschows Treffen mit Kohl und weitere Themen statt. (Prawda, 18. Juli 1990).
18. – Das dritte Treffen der Teilnehmer der „Zwei-plus-Vier“-Verhandlungen fand in Paris statt. Man stellte fest, dass dank der jüngst unternommenen konkreten Schritte zur Überwindung des konfrontativen Erbes des Kalten Krieges sowie der geführten Treffen und Kontakte Ansätze gefunden wurden, die den Interessen der Parteien entsprachen und die Möglichkeit eröffneten, die Entwicklung einer Vereinbarung über die Regelung der außenpolitischen Aspekte des Aufbaus der deutschen Einheit im Rahmen der „Sechs“ zu beschleunigen. Eine polnische Delegation nahm an der Diskussion über die Probleme der deutsch-polnischen Grenze teil. Die Teilnehmer des Treffens erklärten, die Grenzfrage sei zur Zufriedenheit der Parteien gelöst worden und werde ordnungsgemäß im Abschlussdokument der „Sechs“ verankert. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 15, S. 18–21).
19 – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem Vorsitzenden der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Jacques Delors. Es fand ein ausführlicher Dialog über die sowjetische Perestroika, ihre Bedeutung, die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der EU sowie eine Reihe europäischer Fragen statt. (Prawda, 20. Juli 1990).
23 – Die sowjetisch-indische Erklärung wurde in Moskau unterzeichnet und bekräftigte die Bestimmungen der Erklärung von Delhi. „Die internationale Gemeinschaft ist zunehmend davon überzeugt, dass Krieg kein politisches Instrument mehr sein darf, dass das Vertrauen auf militärische Gewalt sinnlos ist und dass Frieden durch Vernunft heute unerlässlich ist. Dialog und Zusammenarbeit ersetzen die Konfrontation zwischen Staaten. Die Welt tritt in eine Zeit nach der Konfrontation ein.“ Die Erklärung betonte die Bedeutung der aktiven Rolle der Vereinten Nationen bei der Lösung globaler Probleme. „In unserer interdependenten Welt sind alle Schicksale miteinander verwoben … Der demokratische Geist gewinnt heute weltweit an Boden. Dies gilt für die zwischenstaatlichen Beziehungen, in denen das Bewusstsein wächst, dass die zentralen Probleme unserer Zeit nur durch multilaterale Anstrengungen gelöst werden können. Dies gilt auch für die Innenpolitik der Staaten, in der die Menschen überall ihre Rechte und Grundfreiheiten verteidigen. Demokratie erfordert den Vorrang des Rechts, die Achtung der individuellen Rechte und der Rechte von Minderheiten, einschließlich ethnischer, religiöser und anderer Minderheiten. Sie erfordert verstärkte Aufmerksamkeit für die Sicherstellung der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse. Demokratien sind jedoch durch das Erstarken des nationalen und religiösen Extremismus sowie durch Hass, Gewalt und Terrorismus in anderen Formen bedroht. Gewaltlosigkeit, Toleranz gegenüber sozialer Vielfalt und eine gerechte wirtschaftliche und politische Ordnung innerhalb eines Landes sind integrale Bestandteile einer stabilen und zivilisierten internationalen Ordnung. Nie zuvor in der modernen Geschichte hatte die Menschheit die Möglichkeit, eine neue Struktur der Zusammenarbeit und Brüderlichkeit zwischen Staaten und Völkern zu schaffen, die sich jetzt eröffnet.“ Die Erklärung wurde von M. S. Gorbatschow und dem Premierminister der Republik Indien, V. P. Singh, unterzeichnet. (Pravda, 24. Juli 1990).
24. – Zwischen M. S. Gorbatschow und dem indischen Premierminister V. P. Singh fand ein Treffen mit anschließendem Gespräch statt, in dem sie eine breite Palette internationaler Themen erörterten. „Wir schätzen es“, bemerkte M. S. Gorbatschow, „dass die UdSSR und Indien in den Jahren großer Veränderungen weiterhin Seite an Seite stehen und dabei ein Klima gegenseitigen Verständnisses und Kooperation auf der Grundlage gemeinsamer Interessen bei den grundlegenden Fragen unserer Zeit beweisen.“ (Pravda, 25. Juli 1990).
26. – M. S. Gorbatschow und der italienische Ministerpräsident Giulio Andreotti trafen sich zu einem Arbeitstreffen. Die beiden erörterten die Ergebnisse der jüngsten westlichen Gipfeltreffen und die Lage auf dem europäischen Kontinent. Sie lobten die Art und Dynamik der dortigen Prozesse und betonten, dass diese sich trotz bestehender Probleme weiterhin positiv entwickeln müssten. Die große Bedeutung des bevorstehenden gesamteuropäischen Gipfels wurde hervorgehoben. (Pravda, 27. Juli 1990).
27. – Eine gemeinsame Pressekonferenz zwischen M.S. Gorbatschow und G. Andreotti fand statt. Auf die Frage, ob es zwischen der UdSSR und Italien in der deutschen Frage Meinungsverschiedenheiten gebe, antwortete M.S. Gorbatschow: „Wir haben dieses Problem im vergangenen November eingehend erörtert. Und wir haben die Entwicklung der Ereignisse bis zu einem gewissen Grad vorhergesehen. Man muss sagen, dass 80 bis 90 Prozent dieser Prognosen eingetroffen sind. Dadurch ist es uns gelungen, die Entwicklung der Ereignisse und ihre Schnelllebigkeit vorherzusehen und so die notwendigen Mechanismen politischer Einflussnahme und Zusammenarbeit in dieser sehr wichtigen Phase der Veränderungen im Zusammenhang mit den Ereignissen in den deutschen Staaten zu aktivieren… Ich würde sagen, dass Herr Andreotti und ich im Großen und Ganzen keine Meinungsverschiedenheiten haben.“ Auf die Frage, welches Ereignis die sowjetische Entscheidung, die Vollmitgliedschaft eines vereinigten Deutschlands in der NATO anzuerkennen, entscheidend beeinflusst habe, antwortete M.S. Gorbatschow sagte: „Ich würde das nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückführen. Ich bin mir beispielsweise sicher, dass es uns ohne die Londoner Erklärung zur Veränderung und Transformation der NATO schwergefallen wäre, unsere Position zu definieren. Ich muss auch sagen, dass wir bei unseren Partnern – sowohl bei den Treffen im Rahmen des ‚4+2‘-Konzepts, vor allem der BRD und der DDR, als auch bei unseren anderen europäischen Partnern – den Wunsch nach Realpolitik verspürten, die Probleme der deutschen Wiedervereinigung mit dem europäischen Prozess, mit den Wiener Verhandlungen, zu verknüpfen. So beeinflusste ein ganzer Komplex von Ereignissen unsere Position. Und Sie haben vielleicht bemerkt, dass ihre Grundlage bestehen geblieben ist.“ (Prawda, 26. Juli 1990).
28 – Es fanden Treffen zwischen N. I. Ryschkow und E. A. Schewardnadse sowie dem geschäftsführenden Direktor des Internationalen Währungsfonds, M. Camdessus, statt. Im Mittelpunkt der Diskussion standen mögliche Formen der Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und dem IWF. Eduard Schewardnadse stellte fest, dass die sich wandelnde Natur der internationalen Beziehungen die Voraussetzungen für die Aufnahme von Verhandlungen über den Beitritt der UdSSR zum IWF geschaffen habe. M. Camdessus stimmte diesem Ansatz zu. (Iswestija, 29. Juli 1990).
31 – Ein Vertreter des Außenministeriums veröffentlichte eine Erklärung, in der er die Vereinbarung zwischen der DVRK und Südkorea begrüßte, umfassende Verhandlungen auf Ministerpräsidentenebene über den Abbau militärischer und politischer Spannungen und den Austausch zwischen Nord und Süd aufzunehmen. (Prawda, 31. Juli 1990).


August


1 – Das jüngste Arbeitstreffen zwischen J. Baker und E.A. Schewardnadse begann in Irkutsk und befasste sich mit Abrüstung, bilateralen Beziehungen und regionalen Fragen, insbesondere solchen mit Bezug zum asiatisch-pazifischen Raum. Die Lageanalyse basierte auf der auf höchster Ebene abgegebenen politischen Erklärung, dass die UdSSR und die USA einander nicht länger als militärische Gegner betrachten. Die Minister waren sich einig, dass der neue Stand der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen eine erneute Überprüfung der jeweiligen Herangehensweisen an Fragen der Sicherheit und Entwicklung in Asien und im Pazifikraum erfordert. Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika sehen ihre Rolle darin, gemeinsam mit anderen Ländern die Gestaltung von Prozessen zu fördern, die potenziell panregionalen Charakter haben und zur Etablierung gleichberechtigter, für beide Seiten vorteilhafter Beziehungen führen, die auf einem Interessenausgleich, Wahlfreiheit und einer demokratischen Organisation des gesellschaftlichen Lebens in jedem Land beruhen. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern zielt ausschließlich darauf ab, Stabilität, Kooperation und das Wohlergehen aller Staaten der Asien-Pazifik-Region zu fördern. Die Lage in Afghanistan, die Kambodscha-Krise und die bilateralen Beziehungen wurden erörtert. Im Zuge der Weiterentwicklung des gegenseitigen Verständnisses, das sich beim Treffen der Außenminister der sechs Länder in Paris herausgebildet hatte, tauschten sich E. A. Schewardnadse und J. Baker über die außenpolitischen Aspekte der deutschen Einheit aus. Sie kamen zu dem Schluss, dass derzeit gute Voraussetzungen für den weitgehenden Abschluss der Ausarbeitung eines Dokuments zur endgültigen völkerrechtlichen Regelung mit Deutschland bis zum Treffen der „Sechs“ in Moskau am 12. September bestehen. Die Bedeutung gründlicher Vorbereitungen für den geplanten Gipfel der KSZE-Teilnehmerstaaten in Paris wurde hervorgehoben, dessen Abhaltung bekanntlich mit der Unterzeichnung eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte und Rüstung in Europa zusammenhängt. … Bei der Erörterung bilateraler und transnationaler Fragen … Schewardnadse und J. Baker sprachen sich dafür aus, die Bemühungen der Parteien zur weiteren Verbesserung der vertragsrechtlichen Grundlagen der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen und zur Suche nach neuen Bereichen und Richtungen einer für beide Seiten vorteilhaften Zusammenarbeit fortzusetzen. (Iswestija, 2. August 1990).
2 – Iranische Truppen marschierten in Kuwait ein.
3 – Die sowjetische Regierung veröffentlichte eine Erklärung, in der sie den Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait verurteilte. „Diese Entwicklung der Ereignisse widerspricht fundamental den Interessen der arabischen Staaten, schafft zusätzliche Hindernisse für die Lösung der Konfliktsituationen im Nahen Osten und steht im Widerspruch zu den positiven Tendenzen der Verbesserung des internationalen Zusammenlebens.“ (Prawda, 3. August 1990).
3 – J. Baker traf in Moskau ein. Nach Konsultationen mit E. A. Schewardnadse gaben beide Minister eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie die irakische Aggression gegen Kuwait verurteilten, die „den Grundprinzipien der UN-Charta und des Völkerrechts widerspricht… Die UdSSR und die USA bekräftigen ihre Forderung an den Irak, seine Truppen bedingungslos aus Kuwait abzuziehen. Die Souveränität, nationale Unabhängigkeit, legitime Autorität und territoriale Integrität des kuwaitischen Staates müssen vollständig wiederhergestellt und gewährleistet werden. Die USA und die UdSSR sind der Ansicht, dass die internationale Gemeinschaft diese Aktion nicht nur verurteilen, sondern auch konkrete Maßnahmen ergreifen sollte. Heute ergreifen die UdSSR und die USA eine ungewöhnliche Maßnahme – sie rufen gemeinsam die gesamte internationale Gemeinschaft auf, sich ihnen anzuschließen und alle Waffenlieferungen an den Irak international einzustellen.“ (Prawda, 4. August 1990).
9 – Das sowjetische Außenministerium verurteilte in einer Erklärung die Eskalation der irakischen Aggression gegen Kuwait, das Bagdad als irakisches Territorium bezeichnet hatte. Dies kommt einer faktischen Annexion dieses Landes gleich. „Es fällt uns schwer und schmerzt uns, die jüngsten Aktionen des Irak, eines Landes, mit dem wir langjährige freundschaftliche Beziehungen pflegen, so zu bewerten. Wir möchten diese Freundschaft bewahren. Doch in dieser Situation können wir weder schweigen noch die Wahrheit verheimlichen. Unsere Haltung zu dieser grundlegenden Frage bleibt unverändert: Die Souveränität und territoriale Integrität des Staates Kuwait muss vollständig wiederhergestellt und geschützt werden.“ (Prawda, 10. August 1990).
10 – M. S. Gorbatschow sandte dem ägyptischen Präsidenten im Zusammenhang mit dem Dringlichkeitstreffen der arabischen Staatschefs in Kairo eine Botschaft. Darin bekräftigte er die prinzipielle Position der UdSSR zur Invasion Kuwaits durch irakische Truppen. „Daran ist nichts Anti-Irakisches. Im Gegenteil, wir wollten dem Irak helfen, seine Lage mit möglichst wenig Schaden zu überwinden. Die Umsetzung der Resolution 660 des UN-Sicherheitsrates hätte dies unserer Ansicht nach ermöglicht, ohne die Würde des Irak zu verletzen. Leider wurde dieser Weg nicht beschritten, und die Krise eskalierte… Wir versuchen alles, um den Lauf der Dinge umzukehren und die Flammen in dieser Region zu löschen, die für viele Länder von außerordentlicher Bedeutung ist. Ich glaube, die Bemühungen der arabischen Länder könnten in diesem gemeinsamen Anliegen eine sehr wichtige Rolle spielen. Vielleicht wäre dies sogar der beste Weg… Daher begrüßen wir die Einberufung eines Dringlichkeitstreffens der arabischen Staatschefs und hoffen, dass die arabischen Führer… ihr Möglichstes tun werden.“ (Pravda, 11. Juli 1990)
15. Ein Brief von E. A. Schewardnadse an den UN-Generalsekretär wurde veröffentlicht, in dem es hieß: „Die Sowjetunion ist der Ansicht, dass die Aufnahme der Frage der Begrenzung internationaler Lieferungen konventioneller Waffen auf die UN-Tagesordnung eine logische Weiterentwicklung des Trends zur Internationalisierung des Dialogs über die wichtigsten Fragen der Weltpolitik darstellt, eines der Felder zur Gestaltung eines neuen Sicherheitsmodells im Kontext weiterer Annäherung an gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeit.“ (Iswestija, 15. August 1990).
16. Der Ministerrat der UdSSR erließ eine Anordnung zur strikten Umsetzung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates durch sowjetische Organisationen zur Beendigung bestimmter Handels-, Wirtschafts-, Finanz- und Kreditbeziehungen mit dem Irak. (Iswestija, 22. August 1990).
17. M. S. Gorbatschow sprach im Militärbezirk Odessa. In seiner Rede, in der er außenpolitische Fragen ansprach, sagte er Folgendes: „Die Gründe und Grundlagen unserer Perestroika-Außenpolitik sind Ihnen, Offizieren und Generälen der Sowjetarmee, meines Erachtens bekannt. Auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei Russlands, dem 28. Parteitag der KPdSU, stießen wir jedoch erneut auf Ablehnung, auch seitens einiger Militärangehöriger. Ich hoffe, Sie haben mich verstanden, als ich auf dem Parteitag auf diese Kritik, die aus der Zeit des alten Denkens stammte, antwortete. Die Position der Staatsführung wurde, wie Sie wissen, in den Parteitagsdokumenten bekräftigt, und bereits zuvor wurde die neue Außenpolitik vom Kongress der Volksdeputierten der UdSSR und vom Obersten Sowjet der UdSSR gebilligt. Wir verfügen nun also über einen legitimierten außenpolitischen Kurs. Und alle mit internationalen Angelegenheiten befassten Regierungsbehörden sind verpflichtet, sich in ihrer praktischen Tätigkeit daran zu orientieren.
Kürzlich haben wir einen weiteren unwiderlegbaren Beweis für die Richtigkeit dieses Kurses erhalten – das Ende des Kalten Krieges.“ Die Angelegenheit beschränkte sich hier nicht auf feierliche Erklärungen beider beteiligter Parteien. Es gibt konkrete Maßnahmen, die diese Schlussfolgerung bestätigen. Sie mögen uns unzureichend erscheinen, den tiefgreifenden Veränderungen im globalen politischen und psychologischen Klima nicht gerecht werden. Dennoch sind dies bereits Tatsachen: die Reduzierung einer ganzen Art von Atomwaffen und die nun vielleicht unumkehrbare Entschlossenheit, strategische Atomwaffen und konventionelle Waffen in Europa zu reduzieren sowie Chemiewaffen zu verbieten und abzuschaffen. Es
ist auch eine Tatsache, dass nach dem Warschauer Pakt der Prozess der Überarbeitung der NATO-Militärdoktrin begonnen hat. Die vielversprechende Bildung neuer Sicherheitsstrukturen auf dem europäischen Kontinent, die die blockbasierten Strukturen ersetzen sollen, hat begonnen. Und natürlich wurden diese enormen Veränderungen durch die deutliche Verbesserung der gesamten internationalen Lage, unserer Beziehungen zu europäischen Staaten und insbesondere der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen ermöglicht.
All dies hat unsere Sicherheit zweifellos gestärkt. Nun muss die Bedeutung dieses Konzepts, die bisher vorwiegend auf den militärischen Aspekt reduziert wurde, neu überdacht werden. Für diejenigen, die unsere Außenpolitik ablehnen oder missverstehen, ist deren verwundbarster Punkt die sich verändernde Lage in Osteuropa. Ich werde das Offensichtliche nicht wiederholen: Jeder Versuch, diese Veränderungen mit Gewalt zu stoppen, würde die Sicherheit nicht stärken, sondern uns an den Rand eines direkten militärischen Konflikts mit der NATO bringen. Er würde in jedem Fall alles untergraben, was in den vergangenen Jahren erreicht wurde, um die internationalen Beziehungen in Richtung Erholung und konstruktiver Zusammenarbeit zu lenken. Ganz abgesehen davon, dass solche Versuche von den Völkern dieser Länder schlichtweg abgelehnt und verurteilt würden.
Betrachten wir die Situation nüchtern und ehrlich: Hat unsere Sicherheit seit Beginn der Ereignisse in Osteuropa gelitten? Ich bin überzeugt, dass sie im Gegenteil die Aussicht auf eine Stärkung auf einem stabileren und verlässlicheren Fundament gewonnen hat.
Der Aufbau respektvoller, gutnachbarlicher Beziehungen, frei von jeglichem Zwang, basierend auf einem ausgewogenen Interessenverhältnis und gegenseitigem Nutzen, ist gewiss schwieriger, als sich der Illusion hinzugeben, ideologische Einheit werde all unsere Probleme lösen. Tatsächlich zeigten sich unter dem Deckmantel scheinbarer Freundschaft und Harmonie tiefe Widersprüche und Unzufriedenheit. Und früher oder später musste dies unweigerlich ans Licht kommen. Die bisherigen Beziehungen dienten nicht mehr unseren tiefsten nationalen Interessen – weder unseren noch denen unserer Nachbarn.
Ein besonderes Problem in diesem Zusammenhang, das unsere Sicherheit noch stärker betrifft, ist die Wiedervereinigung Deutschlands. Die BRD ist eine bedeutende Militärmacht auf dem europäischen Kontinent. Und ein vereintes Deutschland wird einer der wirtschaftlich stärksten und politisch einflussreichsten Staaten der Welt sein. Die Einzigartigkeit dieses Problems liegt darin, dass unser Sicherheitskonzept maßgeblich auf den Folgen und Lehren unseres schwersten Krieges, nämlich dem Krieg gegen Deutschland, beruhte. Doch die Nachkriegszeit ist vorbei. Wie ich bereits sagte, vollziehen sich auf dem europäischen Kontinent tiefgreifende positive Veränderungen. Im Zuge dieser Veränderungen, sowohl in den beiden deutschen Staaten als auch in unseren Beziehungen zu ihnen, wurde die deutsche Wiedervereinigung und unser positiver Ansatz dazu möglich.
Alles wurde sorgfältig abgewogen und alle Gegebenheiten berücksichtigt. Kurz gesagt, ich bin überzeugt, dass unsere Politik zur deutschen Wiedervereinigung die einzig vernünftige und richtige ist. Wir blicken optimistisch in die Zukunft der sowjetisch-deutschen Beziehungen. Es ist bezeichnend, dass der wichtigste Faktor für die Zukunft dieser Beziehungen – der Moment des Vertrauens – frühzeitig angegangen wurde. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Interesse beider Völker, der Völker Europas und der ganzen Welt normale, nachbarschaftliche und vielschichtige Beziehungen zu dieser großen Nation pflegen können.
Angesichts der grundlegenden Veränderungen in der Welt und im Einklang mit unserer neuen Außenpolitik müssen wir auch die Position der UdSSR zur irakischen Aggression gegen Kuwait berücksichtigen. Im Grunde hatten wir, wie die meisten Länder, keine Wahl. Der Einsatz von Gewalt zur Neuziehung von Staatsgrenzen, insbesondere zum Zweck der Annexion eines souveränen Staates, birgt die Gefahr einer Kettenreaktion, die die gesamte internationale Gemeinschaft gefährdet. Jede andere Reaktion ist für uns ebenfalls inakzeptabel, insbesondere da die Aggression mit unseren Waffen verübt wurde, deren Verkauf an den Irak wir lediglich zur Aufrechterhaltung seiner Verteidigungsfähigkeit vereinbart hatten, nicht aber zur Eroberung fremder Gebiete oder ganzer Staaten. Dies war ein Akt des Verrats, ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen – kurzum, gegen alles, worauf die internationale Gemeinschaft heute ihre Hoffnungen setzt, um die Zivilisation auf den Weg friedlicher Entwicklung zu führen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die militärischen Aktionen zu stoppen und ihre Ausbreitung auf andere Länder zu verhindern, sondern auch die Achtung des Völkerrechts wiederherzustellen.“ (Prawda, 19. August 1990).
17 – Das nächste Arbeitstreffen zwischen E. A. Schewardnadse und G. D. Genscher fand in Moskau statt und befasste sich mit den außenpolitischen Aspekten des Aufbaus der deutschen Einheit sowie mit Fragen der bilateralen Beziehungen. Die Arbeit erfolgte im Kontext der Vereinbarungen, die während des Treffens zwischen M. S. Gorbatschow und G. Kohl erzielt wurden. Auf einer Pressekonferenz gab E. A. Schewardnadse bekannt, dass die Vorbereitungen für das Dokument der „Sechs“ zur endgültigen Regelung der außenpolitischen Aspekte der deutschen Einheit im Wesentlichen abgeschlossen seien. Das nächste Ministertreffen (im Rahmen der „Sechs“) findet am 12. September in Moskau statt. Hinsichtlich der bilateralen Beziehungen gehen die Minister davon aus, dass nach der Wiedervereinigung ein wichtiger bilateraler Vertrag, oder wie es auf Arbeitsebene heißt, ein „großer Vertrag“, unterzeichnet werden muss. Ein Abkommen über umfassende Zusammenarbeit wurde geschlossen. Die Minister tauschten sich über die Lage im Nahen Osten aus und kamen zu dem Schluss, dass alles Mögliche getan werden müsse, um die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates im Zusammenhang mit der irakischen Aggression gegen Kuwait umzusetzen. (Iswestija, 18. August 1990).
19 – Die Volkskammer der DDR beschloss die Annahme der Verfassung der BRD.
20. – Eduard Schewardnadse traf sich mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten S. Hammadi, einem Mitglied des Irakischen Revolutionskommandorats und Sonderbeauftragten der irakischen Führung. Der sowjetische Minister konzentrierte sich auf mögliche Wege und Mittel zur Überwindung der Krise, um eine Eskalation der Konfrontation zu verhindern, die zu einem militärischen Zusammenstoß mit unvorhersehbaren Folgen für die Region und die Welt führen könnte. Sie vereinbarten, den Dialog über alle die Lage in der Region prägenden Fragen fortzusetzen. Auf Nachfrage eines TASS-Korrespondenten nach dem Treffen betonte Eduard Schewardnadse, dass es sich nicht um Verhandlungen, sondern um Konsultationen und einen Meinungsaustausch gehandelt habe. Er merkte an, dass Saddam Husseins jüngste Rede „Elemente enthält, die ernsthafte Beachtung verdienen“. (Prawda, 21. August 1990)
23. – M. S. Gorbatschow gab der französischen Zeitschrift Paris-Match ein Interview. Auf die Frage, ob es nach der Irak-Krise zu einem Konflikt zwischen Nord und Süd kommen würde, antwortete er: „Ich glaube nicht. Wir haben die Weichen für eine Neugestaltung der internationalen Beziehungen gestellt. Wir haben in vielen Bereichen der internationalen Politik begonnen zusammenzuarbeiten, den Kalten Krieg beendet, uns für die Abrüstung eingesetzt, uns ernsthaft um die Lösung politischer Probleme bemüht, ein neues Verständnis militärischer Doktrinen und der Natur militärischer Blöcke entwickelt und neue Sicherheitsstrukturen geschaffen. Es ist gut, dass Europa damit begonnen hat. Ich denke nicht, dass alles reibungslos verlaufen wird – das ist kein Spaziergang auf dem Newski-Prospekt, wie in Ihrem Fall auf den Champs-Élysées – es wird ein schwieriger Weg sein, aber ich bin sicher, dass dies erkannt wird. Wir sind uns der Probleme des jeweils anderen sehr bewusst, und so oder so wird sich dies in eine angemessene Politik umsetzen lassen. Sie wird an Stärke gewinnen und neue Regionen erschließen, aber dafür müssen alle Regierungsverantwortlichen offen für diese neue Denkweise sein. Das mag uns durchaus vor einem Konflikt zwischen Nord und Süd schützen.“
24 – M. S. Gorbatschow sandte eine persönliche Nachricht an S. Hussein. Er beschrieb die Lage am Persischen Golf als außergewöhnlich und besonders gefährlich. Die Nachricht bekräftigte die prinzipielle Position der Sowjetunion und betonte die dringende Notwendigkeit für die irakische Regierung, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates unverzüglich umzusetzen. Ein Versäumnis werde den Sicherheitsrat unweigerlich zu weiteren Maßnahmen veranlassen. Es liege nun an der irakischen Seite, das weitere Vorgehen des Sicherheitsrates zu bestimmen. Die Nachricht forderte den irakischen Präsidenten auf, unverzüglich geeignete Schritte einzuleiten. (Prawda, 25. August 1990)
Am 25. August 1990 traf sich M.S. Gorbatschow mit dem französischen Außenminister R. Dumas, der in Moskau eingetroffen war. Der Minister überbrachte M.S. Gorbatschow eine Botschaft von F. Mitterrand, in der die Übereinstimmung beider Ansichten zu wichtigen Fragen, darunter den Ereignissen im Persischen Golf, bekräftigt wurde. Es wurde betont, dass Wachsamkeit, Aufmerksamkeit und praktische Solidarität innerhalb der Vereinten Nationen eine Eskalation des Konflikts und dessen Ausweitung zu einem bewaffneten Konflikt mit unvorhersehbaren, verheerenden Folgen verhindern würden. Im Anschluss an den Besuch wurde eine gemeinsame französisch-sowjetische Erklärung zur Krise im Persischen Golf verabschiedet. In der Erklärung zum Treffen zwischen M.S. Gorbatschow und R. Dumas hieß es: „Die Bedeutung eines sowjetisch-französischen Gipfeltreffens und die Wünschbarkeit einer deutlichen Stärkung der politischen und rechtlichen Grundlage für die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wurden bestätigt.“ (Prawda, 26. August 1990). Auf der Pressekonferenz von E.A. Es wurde klargestellt, dass das Treffen der beiden Präsidenten, Schewardnadse und R. Dumas, im Oktober in Paris stattfinden würde. Die sowjetische Seite schlug die Unterzeichnung eines Staatsvertrags über Zustimmung und Zusammenarbeit vor, der alle Aspekte der bilateralen Beziehungen umfassen sollte. Frankreich war nach Deutschland das zweite Land, mit dem die UdSSR bereit war, ein solches Dokument zu unterzeichnen. (Prawda, 1990, August 37).
25 – Zwischen M. S. Gorbatschow und dem Präsidenten der Türkischen Republik, Turgut Özal, fand ein Telefongespräch statt. Man stellte mit Zufriedenheit fest, dass man sich in der Frage der Krise am Persischen Golf einig sei. Die besondere Rolle, die der arabischen Welt bei der Lösung der Krise zukommt, wurde hervorgehoben. (Prawda, 1990, August 26).
27 – Der Präsident der UdSSR empfing den ägyptischen Außenminister Abdel Magid. Der Meinungsaustausch konzentrierte sich auf zwei Themen: die Notwendigkeit, den arabischen Faktor stärker einzubeziehen, von dem die Verhinderung einer bewaffneten Explosion in der gesamten Region maßgeblich abhängt; Die Aussichten auf eine Lösung des Nahostkonflikts insgesamt. Die Kuwait-Krise, diesmal von einem arabischen Staat ausgelöst, rückte das Thema, einschließlich der Palästinafrage, in den Hintergrund. Während des Gesprächs merkte M. S. Gorbatschow an, dass die politischen Mittel noch nicht ausgeschöpft seien, aber dass maximale Anstrengungen unternommen werden müssten, um die vorhandenen Kapazitäten zu mobilisieren. (Prawda, 28. August 1990)
31. – Der sowjetische Präsident traf sich mit sowjetischen und ausländischen Journalisten. Die erste Frage betraf die sowjetische Position zu den Ereignissen am Persischen Golf. Gorbatschow antwortete: „Wir nehmen die Ereignisse am Persischen Golf sehr ernst; wir lehnen das Vorgehen des Irak und des Regimes von Präsident Hussein entschieden ab und verurteilen es. Es widerspricht allgemein anerkannten Normen und verschärft die Lage, indem es ein sehr gefährliches Element einbringt. Wir haben von Anfang an unsere Position deutlich gemacht: Wir können ein solches Vorgehen nicht nur nicht unterstützen, wir verurteilen es. In Zusammenarbeit mit allen Ländern des Persischen Golfs, arabischen, westlichen und anderen Staaten sowie mit praktisch der gesamten internationalen Gemeinschaft haben wir, so hoffe ich, einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Anstrengungen zu bündeln, um einer Eskalation dieses Konflikts zu einem noch gefährlicheren und großflächigeren Konflikt entgegenzuwirken. Wir sind überzeugt, dass alles getan werden muss, um zu verhindern, dass dieser Konflikt in eine neue Phase eintritt. Wir werden all unsere Möglichkeiten zu diesem Zweck einsetzen.“ Ich werde sie jetzt nicht alle aufzählen – dazu gehören Nachrichten, Telefongespräche, die Arbeit im Sicherheitsrat und die Reisen des Vertreters des sowjetischen Präsidenten in den Osten. Dies schließt den Austausch von Meinungen und Botschaften mit Präsident Hussein ein. Kurz gesagt, wir setzen alle uns zur Verfügung stehenden Mittel ein und werden weiterhin darauf bestehen, dass der Konflikt nicht in eine gefährliche Phase eskaliert.
Ich denke, jeder muss Entschlossenheit, Standhaftigkeit und Zurückhaltung beweisen. Manche mögen meinen, unser Ansehen insgesamt oder das Einzelner habe gelitten. Meiner Meinung nach ist dies nur ein erster Eindruck. Letztendlich wird alles davon abhängen, ob es uns gelingt – und ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird –, diesen Konflikt auf politischem Wege beizulegen und den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Wir können der Annexion Kuwaits nicht zustimmen – sie ist für uns aus prinzipiellen Gründen inakzeptabel. Gleichzeitig teilen wir dies all unseren Partnern mit und laden sie zur Zusammenarbeit und zur gemeinsamen Suche nach politischen Lösungen ein. Ich habe dies den Führern der Vereinigten Staaten von Amerika, mit denen wir in ständigem Kontakt stehen, und den Führern anderer westlicher Länder mitgeteilt. Wir müssen versuchen, die Schlüssel zu einer friedlichen Lösung dieses akuten internationalen Konflikts zu finden, indem wir den arabischen Faktor nutzen. Ich denke, die gesamte arabische Welt hat ein vorrangiges Interesse daran, diesen gefährlichen Knoten zu lösen. Anschließend wurde eine Frage zu einem stellvertretenden Außenminister der UdSSR gestellt, der seine Besorgnis über die Präsenz amerikanischer Truppen im Nahen Osten geäußert hatte. Er sagte, kurzfristig könne ein Krieg ausbrechen, und langfristig gebe es keine Garantie für einen Truppenabzug. Halten Sie die Präsenz der US-Streitkräfte im Nahen Osten für falsch und sind Sie der Meinung, dass sie abziehen sollten?
MS. Gorbatschow sagte: „Unsere Position in dieser Angelegenheit ist bekannt. Wir gehen davon aus, dass die amerikanische Regierung angesichts der konkreten Situation und auf Bitte Saudi-Arabiens diese Entscheidung getroffen hat. Dies steht im Einklang mit der UN-Charta, aber wir betonen auch: Wir alle müssen verstehen, dass eine Eskalation der militärischen Konfrontation stets unvorhersehbare Folgen hat. Daher tragen wir alle die Verantwortung, den Ausbruch eines groß angelegten militärischen Konflikts zu verhindern. Dies ist, glaube ich, unser gemeinsames Anliegen. Wir bringen diesen Gedanken immer wieder zum Ausdruck. Wenn Sie denken, dies sei ein Politikunterschied, dann denke ich im Gegenteil, es ist Zusammenarbeit.
Und zweitens glaube ich, dass wir durch die Beilegung dieses Konflikts auf politischem Wege den Ausbruch eines militärischen Konflikts vermeiden und damit die Voraussetzungen dafür schaffen wollen, dass die militärische Lage zu ihrem ursprünglichen Zustand zurückkehrt. Ich glaube nicht, dass die amerikanische Führung nach einer politischen Lösung dieses Konflikts eine militärische Präsenz in der Region aufrechterhalten wird. Ich denke, wenn eine Lösung gefunden ist, wird auch eine Garantie für diese Lösung gefunden werden. Ich glaube, je eher es im Anschluss daran zu einer militärischen Entspannung kommt, desto besser.“ „Wir werden uns alle ruhiger fühlen.“ (Prawda, 2. September 1990).
31 – Unterzeichnung des Vertrags zwischen der DDR und der BRD über die Wiedervereinigung der beiden Staaten und die Schaffung eines vereinten Deutschlands.


September


1 – Es fand eine Sitzung des Verteidigungsrates unter dem Präsidenten der UdSSR statt. Verteidigungsminister D. T. Jasow und die Oberbefehlshaber der Teilstreitkräfte der UdSSR berichteten über das Konzept der Militärreform für den Zeitraum 1991–1995 und bis 2000 sowie über Fragen im Zusammenhang mit den Aktivitäten zum Abzug sowjetischer Truppen aus Osteuropa und der Mongolei. M. S. Gorbatschow wies an, den Konzeptentwurf auf Grundlage der Diskussionsergebnisse zu überarbeiten und ihn dem Obersten Sowjet der UdSSR vorzulegen. (Krasnaja Swesda, 2. September 1990).
2 – In Harbin fanden Verhandlungen zwischen E. A. Schewardnadse und dem Außenminister der Volksrepublik China, Qian Qicheng, statt. Die Lage in der Golfregion, die Lage im asiatisch-pazifischen Raum, die Konflikte in Kambodscha und Afghanistan, auf der koreanischen Halbinsel, die Lage in Europa und die deutschen Angelegenheiten wurden analysiert. Fragen der bilateralen Beziehungen wurden erörtert. (Prawda, 2. und 3. September 1990).
4–7 – Offizieller Besuch von E. A. Schewardnadse in Japan. Er erörterte mit dem japanischen Außenminister T. Nakayama den geplanten offiziellen Besuch von M. S. Gorbatschow in Japan. Es wurde betont, dass dieser Besuch einen Wendepunkt in den sowjetisch-japanischen Beziehungen darstellen und deren grundlegende Verbesserung vorantreiben sollte. Der Dialog über die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen den beiden Ländern wurde fortgesetzt. Die Gesprächsteilnehmer äußerten ihre Besorgnis über die Entwicklungen im Nahen Osten und verabschiedeten eine entsprechende gemeinsame Erklärung. Es heißt: „Die Parteien sind sich einig, dass im gegenwärtigen historischen Prozess positiver Veränderungen in den Beziehungen zwischen Ost und West, während nach Wegen zur Gestaltung einer neuen internationalen Ordnung an der Schwelle zum 21. Jahrhundert gesucht wird, gemeinsame Anstrengungen und die volle Ausschöpfung der Kapazitäten der Vereinten Nationen bei der Bewältigung dieser regionalen Konfliktsituation die Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft unterstreichen werden, künftig Frieden und Stabilität zu gewährleisten. Aus diesem Grund erkennen die Minister die Bedeutung der vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Golfregion verabschiedeten Resolutionen an und halten eine angemessene Zusammenarbeit aller Staaten im Hinblick auf deren rasche und vollständige Umsetzung für notwendig. … Die Parteien appellieren an den Irak, im Geiste der strikten Einhaltung des UN-Utsav und der allgemein anerkannten Normen des Völkerrechts die in den einschlägigen Beschlüssen des UN-Sicherheitsrats vorgesehenen Sofortmaßnahmen zu ergreifen.“ (Iswestija, 6. September 1990).
4 – Die zweite Sitzung des Vorbereitungsausschusses zur Erarbeitung der Tagesordnung des paneuropäischen Gipfels von Paris wurde in Wien eröffnet. (Iswestija, 1990, 5. September).
5 – Präsident Gorbatschow traf sich mit einer Gruppe amerikanischer Senatoren unter der Leitung von Robert Dole. Es fand eine ausführliche Diskussion über zahlreiche Themen statt. Gorbatschow lenkte die Aufmerksamkeit der Senatoren insbesondere auf die unterschiedlichen Meinungen in den Vereinigten Staaten hinsichtlich der Gestaltung der Beziehungen zur UdSSR und der Frage, auf wen der Fokus gerichtet werden sollte. Wir sehen darin nichts Ungewöhnliches. Doch eines sollte jedem klar sein: Was wir im Inland tun, ist nicht nur für uns, sondern auch für Amerika notwendig. Amerika braucht, wie die ganze Welt, eine dynamische, starke und geeinte Sowjetunion. Und nur kurzsichtige Menschen können sich die Hände reiben und auf die Schwächung unseres Landes hoffen, als würde dies die Lage erleichtern. Nein, ohne eine neue Sowjetunion wird es für alle schwieriger, auch für die Vereinigten Staaten.“ (Pravda, 6. September 1990).
5 – M. S. Gorbatschow empfing einen Vertreter der irakischen Führung, den stellvertretenden Ministerpräsidenten und Außenminister Tariq Aziz. Es fand ein offenes Gespräch über die Lage in der Golfregion statt. (Pravda, 6. September 1990).
6 – M. S. Gorbatschow und F. Mitterrand führten ein Telefongespräch. Die Diskussion über die Lage in der Golfregion bekräftigte ihre gemeinsame Position, deren Kern die strikte und unnachgiebige Umsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates ist. Diese spiegeln den einhelligen Willen der Mehrheit der Staaten der Welt hinsichtlich des Vorgehens des Irak wider. Die Gewährleistung der Autorität dieser Beschlüsse ist in der neuen Phase der Weltpolitik von grundlegender Bedeutung. (Pravda, 7. September 1990).
7 – M. S. Gorbatschow und G. Kohl führten ein Telefongespräch, in dem es um die Vorbereitung gemeinsamer Dokumente zur deutschen Wiedervereinigung ging. wurden diskutiert. (Pravda, 8. September 1990).
9 – In Helsinki traf M.S. Gorbatschow mit US-Präsident George W. Bush zusammen (auf dessen Initiative). Im Anschluss an das Treffen wurde eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der es hieß: „Wir sind einig in der Überzeugung, dass die irakische Aggression nicht toleriert werden kann. Eine internationale Ordnung ist unmöglich, wenn größere Staaten ihre kleineren Nachbarn vereinnahmen können. Wir bekräftigen die gemeinsame Erklärung unserer Außenminister vom 3. August dieses Jahres sowie unsere Unterstützung für die UN-Resolutionen 660, 661, 662, 663, 664 und 665. Wir fordern die irakische Regierung heute erneut auf, sich bedingungslos aus Kuwait zurückzuziehen, die legitime Regierung Kuwaits wieder einzusetzen und alle derzeit im Irak und in Kuwait festgehaltenen Geiseln freizulassen. Der einzig akzeptable Weg ist die vollständige Umsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Nur die Rückkehr zum Status Kuwaits vom 2. August dieses Jahres kann die Isolation des Irak beenden. Wir rufen die gesamte internationale Gemeinschaft auf, die von den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen einzuhalten, und erklären, dass wir uns einzeln und gemeinsam für deren vollständige Umsetzung einsetzen werden. Gleichzeitig erkennt die Sowjetunion, wie die Vereinigten Staaten, an, dass …“ Die Resolution 661 des UN-Sicherheitsrats erlaubt die Ausfuhr von Lebensmitteln nach Irak und Kuwait aus humanitären Gründen. Wir bevorzugen eine friedliche Lösung der Krise und werden geschlossen gegen die irakische Aggression vorgehen. Gleichzeitig sind wir entschlossen, die Aggression zu beenden, und falls die derzeitigen Schritte nicht dazu führen, sind wir bereit, weitere Schritte im Einklang mit der UN-Charta zu erwägen. Wir müssen überzeugend darlegen, dass Aggression weder Vorteile bringen kann noch bringen wird. Sobald die in den genannten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats festgelegten Ziele erreicht sind, werden die Präsidenten die Minister anweisen, mit Ländern in der Region und darüber hinaus zusammenzuarbeiten, um regionale Sicherheitsstrukturen aufzubauen und Maßnahmen zur Förderung von Frieden und Stabilität zu entwickeln. Es ist notwendig, aktiv an der Lösung aller verbleibenden Konflikte im Nahen Osten und am Persischen Golf zu arbeiten.“ (Pravda, 10. September 1990)
9 – In Helsinki fand eine gemeinsame Pressekonferenz von Michail Gorbatschow und George W. Bush statt. Beide Präsidenten bekräftigten ihr Engagement für eine friedliche Lösung der Golfkrise. Auf die Frage, wie lange die amerikanischen Truppen noch in der Region stationiert bleiben würden, sagte George W. Bush: „Je eher sie abgezogen werden, desto besser.“ Gorbatschow bemerkte: „Das ist eine sehr wichtige Aussage.“ Auf die Frage, ob die UdSSR beabsichtige, ein militärisches Vorgehen gegen den Irak zu unterstützen, erklärte Gorbatschow: „Ich habe nicht gesagt, dass wir zu militärischen Mitteln greifen werden, wenn der Irak sich nicht dem Willen des Volkes beugt und seine Truppen nicht im Zuge friedlicher Versuche abzieht. Das habe ich nicht behauptet und behaupte ich auch jetzt nicht. Ich glaube außerdem, dass uns dies in Ereignisse mit unvorhersehbaren Folgen verwickeln würde. Ich bin überzeugt, dass sowohl unsere beiden Länder als auch die Vereinten Nationen über ein breites Spektrum an Ansätzen verfügen, um eine politische Lösung für dieses Problem zu erreichen.“ Auf die Frage nach Kontakten zwischen der sowjetischen und der irakischen Führung antwortete M.S. Gorbatschow bemerkte: „…Was wir öffentlich sagen, übermitteln wir Präsident Hussein – unsere Gedanken und Argumente. Es geht darum, dass der Präsident und die gesamte irakische Führung Besonnenheit üben, innehalten und darüber hinaus aus der gemeinsamen Position und den Forderungen, die sich aus den Beschlüssen des Sicherheitsrates zu diesem Thema ergeben, Schlüsse ziehen müssen… Wissen Sie, trotz der Brisanz dieses Dialogs halten wir es dennoch für sinnvoll, ihn fortzusetzen. Wir schließen neue Kontakte und Treffen auf verschiedenen Ebenen nicht aus.“ Auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Konflikt im Persischen Golf und der Palästinafrage antwortete George W. Bush, die Umsetzung der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates zum Irak dürfe nicht mit anderen Resolutionen oder einem anderen ungelösten Konflikt verknüpft werden, obwohl es sehr wichtig sei, dass diese Frage letztendlich gelöst werde. Gorbatschow bemerkte seinerseits: „Die Ereignisse am Persischen Golf erinnern uns einmal mehr daran, dass wir energischer handeln müssen, um diesen Knoten im Nahen Osten zu lösen und Lösungen und ein System zu finden, Garantien, die die Interessen aller Völker, der gesamten Weltgemeinschaft, gewährleisten, da uns dies alle betrifft. Mir scheint, dass hier ein Zusammenhang besteht. Denn die allgemeine Unruhe im Nahen Osten macht sich auch hier bemerkbar und verleiht diesem Konflikt zusätzliche Dringlichkeit.“ Gorbatschow sagte weiter: „Mir scheint, dass die bisherigen Maßnahmen als Reaktion auf die irakische Aggression sehr bedeutsam sind.“ „Dies gewährleistet ein einheitliches Vorgehen nicht nur innerhalb des UN-Sicherheitsrates, sondern auch eine größere Einigkeit in der Weltgemeinschaft. Dies ist beispiellose Solidarität … Dies ist wahre Entschlossenheit, dies ist wahrer Wille, dies ist wahre Verantwortung.“ (Prawda, 11. September 1990)
11. Der Oberste Sowjet der UdSSR verabschiedete die Entschließung „Zur Position der Sowjetunion im Zusammenhang mit der Lage im Persischen Golf und zu den Ergebnissen des Treffens zwischen dem Präsidenten der UdSSR, Michail Gorbatschow, und dem Präsidenten der USA, George Bush, in Helsinki“. Darin bekundete er seine Unterstützung für die Position der sowjetischen Führung, billigte die gemeinsame Erklärung der beiden Präsidenten, die Maßnahme zur Evakuierung sowjetischer Staatsbürger aus dem Konfliktgebiet und äußerte den Wunsch, dass das Außenministerium der UdSSR den Obersten Sowjet regelmäßig über die Entwicklung der Lage informieren solle. (Prawda, 12. September 1990).
12. Beim abschließenden Treffen der Teilnehmer der Verhandlungen über die außenpolitischen Aspekte der deutschen Wiedervereinigung nach der „Zwei-plus-Vier“-Formel in Moskau wurde der „Vertrag über die endgültige Regelung der deutschen Frage“ unterzeichnet. Artikel 1 des Vertrags definiert das Territorium eines vereinigten Deutschlands und sichert dessen Grenzen sowie den Verzicht Deutschlands auf Gebietsansprüche gegenüber anderen Staaten. Im zweiten Artikel bestätigen die Regierungen der DDR und der BRD, dass vom Gebiet eines vereinten Deutschlands ausschließlich Frieden ausgehen wird. Artikel 3 bekräftigt den Verzicht der DDR und der BRD auf Besitz, Herstellung und Entsorgung von Massenvernichtungswaffen aller Art und bekräftigt die Verpflichtung der BRD-Regierung, ihre Streitkräfte innerhalb von drei bis vier Jahren auf 370.000 Mann zu reduzieren.
Artikel 4 bestätigt, dass die UdSSR und ein vereintes Deutschland ein Abkommen über die Stationierung sowjetischer Truppen auf deutschem Gebiet bis Ende 1994 schließen werden. Artikel 5 legt fest, dass bis zum Abzug der sowjetischen Truppen nur deutsche Territorialverteidigungseinheiten, die nicht in alliierte Strukturen integriert sind, auf dem Gebiet der heutigen DDR stationiert werden. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen dürfen Einheiten, die alliierten Strukturen angehören, jedoch nicht ohne Trägersysteme für Atomwaffen, auf diesem Gebiet stationiert werden. Ausländische Truppen, Atomwaffen und deren Trägersysteme werden nicht auf dem Gebiet der heutigen DDR stationiert. Artikel 6 legt fest, dass das Recht eines vereinten Deutschlands zur Teilnahme an Bündnissen mit allen daraus resultierenden Rechten und Pflichten durch dieses Abkommen unberührt bleibt. Artikel 7 verkündete, dass die Rechte und Pflichten der Alliierten gegenüber Berlin und Deutschland als Ganzes durch diesen Akt beendet wurden. Deutschland würde die volle Souveränität erlangen. (Iswestija, 13. September 1990).
Später erklärte M. S. Gorbatschow seine Position in den Jahren 1989–1990: „…Ich selbst war gegen die rasche Wiedervereinigung Deutschlands. Ja, das stimmt, und meine Position war realistisch. Aber Sie haben gesehen, welchen Charakter diese Prozesse auf nationaler Ebene annahmen. Alles, was im Wege stand, wurde einfach hinweggefegt. Sagen Sie mir, was in diesem Fall? Alles dem Zufall überlassen oder der Wahrheit ins Auge sehen und bewusst handeln? Die Geschichte hat das Tempo der Bewegung plötzlich beschleunigt, wir mussten angemessen reagieren.“ (Interview mit der Komsomolskaja Prawda, 7. November 1992)
13 – M.S. Gorbatschow empfing US-Außenminister J. Baker, US-Handelsminister R. Mosbacher und eine Gruppe führender amerikanischer Geschäftsleute. Es wurden Fragen der sowjetisch-amerikanischen Zusammenarbeit erörtert. (Prawda, 14. September 1990).
13 – Es fand ein Treffen zwischen M.S. Gorbatschow und J. Baker statt. Die Parteien bekräftigten entschieden die in Helsinki von den Präsidenten beider Länder erklärten Positionen. Im Bericht über das Treffen hieß es: „Die sowjetisch-amerikanische Zusammenarbeit, so erklärten sie, habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die UNO die Rolle erlangt habe, die ihr bei ihrer Gründung zugedacht war. Dies biete auch eine enorme Chance für die Schaffung einer neuen Weltordnung. Wenn die wichtigsten Prozesse, die derzeit die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft auf sich ziehen, auf einem friedlichen Kurs blieben, sagte M.S. Gorbatschow, werde der Grundstein für eine neue Welt gelegt.“ (Prawda, 14. September 1990).
13 – E.A. Schewardnadse und G. D. Genscher paraphierten in Moskau einen Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und Deutschland. (Prawda, 14. September 1990),
14 – Der Präsident der UdSSR empfing den britischen Außenminister Douglas Hurd, der sich zu einem Arbeitsbesuch in Moskau aufhielt. Der europäische Prozess, insbesondere im Zusammenhang mit der Entstehung eines geeinten Deutschlands, gewinnt neue Aspekte und Qualitäten. Ihn vor Fehlentwicklungen und Verzerrungen zu schützen und seinen positiven Gehalt zu steigern, erfordert die ständige Aufmerksamkeit und aktive Zusammenarbeit aller Beteiligten, selbstverständlich auch der Vereinigten Staaten. In diesem Zusammenhang ist das gegenseitige Verständnis zwischen der UdSSR und Großbritannien von dauerhafter Bedeutung. Dies ist ein Grundpfeiler der sowjetischen Europapolitik. M. S. Gorbatschow schlug vor, gemeinsam zu prüfen, ob es an der Zeit sei, die Fortschritte in den sowjetisch-britischen Beziehungen, die einen gewissen Punkt erreicht haben, auch im völkerrechtlichen Sinne zu dokumentieren. Der Präsident wies darauf hin, dass – angesichts einiger alarmierender Ereignisse – bestimmte Kräfte in einigen osteuropäischen Ländern die dort stattfindenden Transformationen als ideologische Racheakte instrumentalisieren wollen. Dies ist nicht nur für den demokratischen Charakter dieser Transformationen gefährlich, sondern auch für die Bewegung der Staaten und Völker hin zu einem neuen Europa. Es fand außerdem ein Meinungsaustausch über mögliche Entwicklungen am Persischen Golf und über die aus Sicht der Gesprächspartner geeignetsten Handlungsoptionen statt. (Pravda, 15. September 1990).
14 – Der Präsident der UdSSR empfing den israelischen Finanzminister I. Modai und den israelischen Minister für Energie, Wissenschaft und Technologie, Yu. Ne’eman. Es wurden Fragen von beiderseitigem Interesse erörtert. (Pravda, 15. September 1990).
15. – M.S. Gorbatschow empfing den italienischen Außenminister Gianni de Michelis, der sich zu einem Arbeitsbesuch in Moskau aufhielt. Man einigte sich auf die Ausarbeitung eines Freundschafts- und Kooperationsvertrags zwischen den beiden Ländern. Erörtert wurden Fragen im Zusammenhang mit der Krise am Persischen Golf. Im Hinblick auf die gemeinsame Entschlossenheit, die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates strikt einzuhalten, wurden verschiedene neue Ideen diskutiert. M.S. Gorbatschow billigte den Vorschlag für eine gemeinsame Erklärung der Europäischen Gemeinschaft und der UdSSR. G. de Michelis informierte sie über die geplante gemeinsame Konferenz der Europäischen Gemeinschaft und der arabischen Staaten. „Damit erweitert sich das Feld multilateralen Handelns“, bemerkte M.S. Gorbatschow, „in diesem Fall auf europäisch-arabischer Basis. Dies ist bedeutsam und auch nützlich für die Umstrukturierung des gesamten Mechanismus der Weltpolitik.“ (Prawda, 16. September 1990) Im Kommuniqué zum Besuch des italienischen Ministers in der UdSSR hieß es: „Die UdSSR und Italien sind der Ansicht, dass die Ereignisse in der Golfregion die Notwendigkeit umfassender Maßnahmen zur Verbesserung der Lage im gesamten Nahen Osten und zur Schaffung verlässlicher regionaler Sicherheitsstrukturen auf der Grundlage vereinbarter Normen und Prinzipien unterstreichen.“ (Iswestija, 16. September 1990).
15 – In Wien begannen Konsultationen zwischen Vertretern des Warschauer Pakts und der NATO-Mitgliedstaaten zu Fragen im Zusammenhang mit der Erklärung über die Beziehungen zwischen den Ländern der genannten militärisch-politischen Bündnisse. (TASS, 16. September 1990, S. 10).
16 – Zwischen M. S. Gorbatschow und F. Mitterrand fand ein weiteres Telefongespräch statt. Der Angriff irakischer Soldaten auf die Residenz des französischen Botschafters in Kuwait und die Entführung dreier französischer Staatsbürger wurden scharf verurteilt. M. S. Gorbatschow wertete dies als bewusste Eskalation der Lage. (Prawda, 18. September 1990).
17. – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem ehemaligen US-Präsidenten Robert Reagan. Es fand ein reger Meinungsaustausch über die Entwicklung der Lage in Europa, die Situation am Persischen Golf und weitere Probleme statt. (Prawda, 18. September 1990).
17. – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem saudischen Außenminister Prinz Saud al-Faisal. Sie erörterten mögliche Optionen zur Erreichung der in den UN-Resolutionen zur irakischen Aggression gegen Kuwait festgelegten Ziele. (Prawda, 18. September 1990). In einem veröffentlichten sowjetisch-saudischen Kommuniqué wurde die Entscheidung beider Seiten bekannt gegeben, den Austausch diplomatischer Vertreter auf Botschafterebene am 17. September 1990 wieder aufzunehmen. (Iswestija, 19. September 1990).
19. – M. S. Gorbatschow traf sich mit Jacques Attali, dem Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Sie tauschten sich über die Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der EBRD aus. (Prawda, 20. September 1990)
21. – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD, Oskar Lafontan. Die Lage in Europa und die Situation nach der deutschen Wiedervereinigung wurden erörtert. „Wir sollten nichts verharmlosen“, bemerkte Gorbatschow. „Wir befinden uns im Übergang von einer Ära in die nächste. Dies gilt für unser Land, für Europa und für die ganze Welt. Es ist kein Zufall, dass die ganze Welt, als die sowjetische Perestroika ihren Impuls gab, wie erwartet in Bewegung geriet. Jeder musste sich in irgendeiner Weise neu strukturieren. Der neue Charakter der Weltpolitik hat sich im Zusammenhang mit den Ereignissen in Osteuropa, in Deutschland und nun am Persischen Golf bewährt.“ (Prawda, 12. September 1990).
24.–25. – Der Premierminister der Republik Singapur, Lee Kuan Yew, stattete der UdSSR einen offiziellen Besuch ab und führte Gespräche mit N. I. Ryschkow. Am 25. September fand ein Treffen zwischen Lee Kuan Yew und M. S. Gorbatschow statt. Im Verlauf des Gesprächs wurde festgestellt, dass die Welt, einschließlich der Entwicklungsländer, mit Problemen überlastet ist. Die moderne Weltpolitik sollte ihre Energie auf die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis zwischen den Staaten richten und dabei die Interessenbalance berücksichtigen, unabhängig von ihrem Entwicklungsstand, der Art der Länder und anderen Merkmalen. Die Lage am Persischen Golf wurde erörtert. Die Einschätzungen der Krise stimmten im Wesentlichen überein, ebenso die Meinung über die Möglichkeit einer friedlichen Beilegung. (Pravda, 26. September 1990)
24 – Eine auf Beschluss des Wiener Treffens der KSZE einberufene Mittelmeerkonferenz wurde in Palma de Mallorca eröffnet. (Pravda, 25. September 1990)
27 – Bei einem Treffen zwischen E. A. Schewardnadse und den Außenministern der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften wurde eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, die auf der gemeinsamen Besorgnis beruhte, dass ungelöste Konfliktsituationen im Nahen Osten und am Persischen Golf eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit darstellen. In der Erklärung wird festgehalten, dass die Krise am Persischen Golf dringend gelöst werden muss. Die Parteien fordern von Irak die strikte Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Unter Betonung der Bedeutung eines hohen Maßes an Übereinstimmung zwischen den Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und der gesamten internationalen Gemeinschaft erklärten die Teilnehmer der gemeinsamen Erklärung ihre Bereitschaft, die vom Sicherheitsrat verhängten Sanktionen zu befolgen und weitere Schritte im Einklang mit der UN-Charta zu erwägen. Es wurde die feste Absicht geäußert, die Bemühungen zur Beilegung anderer Konflikte in der Region zu verstärken und ein System und eine Struktur von Normen zu schaffen, die Frieden, Toleranz, Stabilität, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gewährleisten, und zwar in Zusammenarbeit mit allen Ländern der Region. (Iswestija, 27. September 1990).
27 – Bei einem Treffen zwischen E. A. Schewardnadse und dem Außenminister des Staates Bahrain wurde beschlossen, ab dem 28. September 1990 diplomatische Beziehungen aufzunehmen und diplomatische Vertreter auf Botschafterebene auszutauschen. (Iswestija, 29. September 1990).
27. – Die Teilnehmer der Sitzung der Parlamentarischen Versammlung des Europarats verabschiedeten eine Empfehlung zur Schaffung eines „parlamentarischen Flügels“ der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit. Sie forderten die Außenminister der 35 KSZE-Staaten auf, die Initiative zur Gründung der Europäischen Versammlung zu ergreifen. (Iswestija, 29. September 1990).
28. – Das erste Treffen seit 30 Jahren zwischen einem Vertreter der sowjetischen Führung, E. A. Schewardnadse, und dem Vorsitzenden des Präsidiums der Volksversammlung Albaniens, Ramiz Alia, fand
in New York statt. (Iswestija, 28. September 1990). 29. – Ein reguläres Treffen der Außenminister der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates mit dem Generalsekretär dieser Organisation fand in New York statt. In der dazu veröffentlichten Ministererklärung wurde festgehalten, dass während des Treffens der Krise im Persischen Golf infolge des irakischen Einmarsches in Kuwait besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Die Minister begrüßten die entschiedene Haltung der Vereinten Nationen und die guten Dienste ihres Generalsekretärs. Sie bekräftigten ihre Unterstützung für die Resolutionen des Sicherheitsrats, die nach dem Einmarsch des Irak in Kuwait verabschiedet wurden, und betonten insbesondere ihr Engagement für eine friedliche Beilegung der Krise unter voller Einhaltung dieser Resolutionen. Die Minister äußerten ihre Besorgnis über die Lage im Nahen Osten und bekräftigten ihre Entschlossenheit, den Friedensprozess auf der Grundlage der Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats zu unterstützen und dabei das Recht aller Länder der Region auf Sicherheit sowie die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes zu berücksichtigen. Die Minister unterstrichen die Bedeutung des weiteren Ausbaus der Fähigkeit des Sicherheitsrats, rasch auf Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit zu reagieren. (Iswestija, 29. September 1990)
30 – Bei einem Treffen zwischen Eduard Schewardnadse und dem israelischen Außenminister David Levy wurde beschlossen, die Konsularabteilungen der Außenministerien beider Länder in Generalkonsulate umzuwandeln, um die Lösung humanitärer Fragen zu erleichtern und die Entwicklung für beide Seiten vorteilhafter Kontakte zwischen den beiden Ländern zu fördern. (Iswestija, 1990, 1. Oktober).


Oktober


1. In New York unterzeichneten die Außenminister der sechs an den „Zwei-plus-Vier“-Verhandlungen beteiligten Staaten eine Erklärung über die Aussetzung der Rechte und Pflichten der vier Mächte gegenüber Berlin und Deutschland als Ganzes mit der Wiedervereinigung Deutschlands und bis zum Inkrafttreten des Vertrags über die endgültige Regelung der Angelegenheiten Deutschlands. (Iswestija, 2. Oktober 1990).
2. Der Oberste Sowjet der UdSSR verabschiedete eine Entschließung, „in der er dem Antrag der DDR-Regierung auf Beendigung des Freundschafts-, Kooperations- und Beistandsvertrags zwischen der UdSSR und der DDR vom 7. Oktober 1975 nachkam, die diesbezügliche Beschwerde der DDR zur Kenntnis nahm und den Ministerrat der UdSSR anwies, die Interessen der Sowjetunion bis zum Inkrafttreten der neuen Regelungen umfassend zu wahren“ (Prawda, 4. Oktober 1990).
3. Proklamation der Wiedervereinigung Deutschlands.
3 – Am Tag der deutschen Wiedervereinigung sandte M. S. Gorbatschow ein Glückwunschtelegramm an Bundespräsident R. von Weizsäcker und Bundeskanzler G. Kohl: „Die Wiedervereinigung Deutschlands, die im Einklang mit seinen Nachbarn, mit anderen Staaten und Völkern erreicht wurde, ist ein großes Ereignis nicht nur für die Deutschen. Sie ereignete sich am Scheideweg zweier Epochen. Sie ist zum Symbol geworden und wird, so hoffe ich, ein Faktor für die Errichtung einer universellen Friedensordnung sein. Die Wiedervereinigung wäre ohne die tiefgreifenden demokratischen Umwälzungen in unseren Ländern, ohne die tatsächliche Umsetzung der richtigen Lehren aus der Tragödie des schrecklichsten Krieges im Leben, nicht möglich gewesen. An diesem bedeutsamen Tag möchte ich all jenen – hier wie hier – meinen Dank aussprechen, die, die Bitterkeit überwindend, der Verluste gedenkend, das Andenken der Gefallenen ehrend, zugleich aber nicht Vorurteilen und Ängsten nachgaben und beharrlich für die Zukunft arbeiteten und so diese friedliche und würdevolle Lösung der ‚deutschen Frage‘ erst ermöglichten.“ (Iswestija, 3. Oktober 1990).
3 – In New York fand ein Treffen der KSZE-Außenminister statt, bei dem die Teilnehmer eine Erklärung zur Krise in der Golfregion verabschiedeten. Die Minister schlossen sich der Verurteilung der irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits durch die Vereinten Nationen an, da diese eine gerechte und friedliche Weltordnung bedrohen. Sie sprachen sich für Bemühungen zur Beilegung des Konflikts im Einklang mit den Beschlüssen des UN-Sicherheitsrates aus. (Iswestija, 3. Oktober 1990).
4 – M. S. Gorbatschow empfing den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Sultanats Oman, Qais bin Abdul Munim al-Zawawi, der eine Botschaft des Sultans überbrachte. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand die Lage am Persischen Golf. M. S. Gorbatschow zeigte sich zuversichtlich, einen Kriegsausbruch verhindern zu können. Er bewies Entschlossenheit und Standhaftigkeit, indem er sich strikt an die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates hielt; es sei notwendig, fortwährend nach einer politischen Lösung zu suchen und die Suche nach einer friedlichen Beilegung fortzusetzen. Die Sowjetunion setze hierfür ihre Kapazitäten ein und ergänze die anderer. Derzeit befinde sich der persönliche Vertreter des Präsidenten der UdSSR, Jewgeni Primakow, in Amman und Bagdad, und man setze große Hoffnungen in die Ergebnisse seiner Gespräche dort. (Prawda, 5. Oktober 1990).
4 – Die Außenminister der UdSSR und der USA verabschiedeten eine gemeinsame Erklärung mit dem Titel „Verantwortung für Frieden und Sicherheit in einer sich wandelnden Welt“. Es wird betont, dass die 45. Sitzung der UN-Generalversammlung in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen in den internationalen Beziehungen seit dem Zweiten Weltkrieg stattfindet. Das konfrontative Verhältnis zwischen Ost und West weicht Kooperation und Partnerschaft. Die Vereinten Nationen entwickeln sich rasch zu einem echten Zentrum für koordiniertes gemeinsames Handeln. Beide Länder bekräftigen ihr Bekenntnis zu der im vergangenen Jahr von der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten eingebrachten und von der Generalversammlung einstimmig angenommenen Resolution und werden der Suche nach praktischen und vielschichtigen Lösungen für Fragen des internationalen Friedens und der Sicherheit sowie für politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle und humanitäre Probleme in den Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen und -programmen besondere Bedeutung beimessen. Es wird ferner erklärt, dass beide Länder die Zusammenarbeit mit allen UN-Mitgliedern in folgenden Bereichen anstreben werden: Verstärkung der UN-Bemühungen zur Stärkung des internationalen Friedens und der Sicherheit in all ihren Aspekten durch Verbesserung der UN-Funktionen; Schaffung eines neuen Verantwortungsbewusstseins in den Vereinten Nationen durch den Übergang von übertriebener Rhetorik zu konkreten Bemühungen um die Lösung der wichtigsten Probleme der 1990er Jahre; Entwicklung neuer diplomatischer Methoden innerhalb des UN-Systems mit dem Ziel, Doppelarbeit in Programmen und Aktivitäten zu vermeiden; Bereitstellung ausreichender Ressourcen für die Organisation, um ihre effektive und erfolgreiche Arbeit zu gewährleisten. Besonderes Augenmerk wird auf die Lösung regionaler Konflikte, vor allem im Persischen Golf, gelegt. Um die Effektivität der Vereinten Nationen zu steigern, ist es unerlässlich, das Konzept einer „einheitlichen UN-Familie“ zu fördern und die Koordination innerhalb der UN zu verbessern. Das System der Organisation soll eine angemessene Ressourcenbereitstellung gewährleisten und diese rational nutzen. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 20, S. 15–16).
5 – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation, Michel Hansen. Sein Besuch läutet eine neue Ära in der Entwicklung der Beziehungen zwischen dieser ältesten und einflussreichsten Organisation und der Sowjetunion ein. Dies sei auch ein Zeichen tiefgreifender Veränderungen in der Welt und in der sowjetischen Gesellschaft, bemerkte M. S. Gorbatschow. (Prawda, 6. Oktober 1990).
9. Der Oberste Sowjet der UdSSR ratifizierte die Verträge mit den Vereinigten Staaten über die Begrenzung unterirdischer Atomwaffentests und über unterirdische Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken sowie die dazugehörigen Protokolle. In diesem Zusammenhang verabschiedete der Oberste Sowjet einen Appell an die Parlamente und die Öffentlichkeit der Welt, in dem er erneut auf die dringende Notwendigkeit eines baldigen Stopps der Atomwaffentests als eines der wichtigsten Elemente zur Stärkung des Regimes der Nichtverbreitung von Atomwaffen und deren Abschaffung hinwies. (Iswestija, 12. Oktober 1990).
9. Das Außenministerium der UdSSR veröffentlichte eine Erklärung, in der es seine tiefe Besorgnis über den erneuten Ausbruch von Gewalt in palästinensischen Gebieten durch den Einsatz von Waffen durch die israelische Polizei gegen Palästinenser zum Ausdruck brachte. In der Erklärung heißt es, diese Ereignisse erinnerten uns erneut an die Notwendigkeit der konsequenten Umsetzung umfassender Maßnahmen zur Verbesserung der Lage im Nahen Osten. (Prawda, 10. Oktober 1990).
11 – Das Memorandum der UdSSR „Die Vereinten Nationen in einer Welt nach der Konfrontation“ wurde den Vereinten Nationen zur Prüfung vorgelegt. Darin hieß es: „Die Einzigartigkeit der gegenwärtigen Weltentwicklung lässt die Möglichkeiten multilateraler Mechanismen zur Koordinierung des Handelns der Staaten und vor allem eines universellen Forums – der Vereinten Nationen – wieder aufleben. … Die Sowjetunion begrüßt die zunehmende Dynamik der Erneuerung der Vereinten Nationen. … Die jüngsten Ereignisse bestätigen die Fähigkeit der Organisation, in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche als Stabilisator und Regulator der Weltpolitik zu fungieren. … Wir schlagen heute vor: unter der zentralen Rolle der Vereinten Nationen eine umfassende Strategie für eine globale Partnerschaft für die 1990er Jahre und den Beginn des nächsten Jahrhunderts zu entwickeln. Diese sollte auf einheitlichen Kriterien planetarischer Koexistenz beruhen: einem Ausgleich der Interessen und der Wahlfreiheit, politischem Realismus und verantwortungsvollem Handeln der Staaten, der Gewährleistung von Demokratie und Menschenrechten, einer für beide Seiten vorteilhaften wirtschaftlichen Zusammenarbeit, dem Bekenntnis zu Offenheit und Rechtsstaatlichkeit unter strikter Einhaltung der UN-Charta.“ (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 23, S. 39–42).
12 – M. S. Gorbatschow empfing den Außenminister der Republik Polen, K. Skubiszewski, der sich vom 10. bis 16. Oktober zu einem offiziellen Besuch in der UdSSR aufhielt. In einem Bericht über dieses Treffen wurde festgehalten, dass der Besuch des Ministers die wachsende Bedeutung des sowjetisch-polnischen Dialogs im Kontext eines grundlegenden Wandels der gesamten europäischen Lage unterstreiche. Wichtige europäische und globale Fragen, insbesondere die bilateralen Beziehungen, wurden erörtert. (Prawda, 13. Oktober 1990).
15. – In einer gemeinsamen Sitzung des Unionsrates und des Nationalitätenrates wurde die Frage „Der aktuelle Stand der internationalen Beziehungen und die Arbeit des Außenministeriums der UdSSR zur Wahrung der Interessen und der Sicherheit des Landes“ erörtert. Der sowjetische Außenminister E. A. Schewardnadse stellte in seinem Bericht fest, dass im Unionsparlament eine neue Tradition beginne – er lege erstmals eine so umfassende Analyse der Aktivitäten der außenpolitischen Abteilung des Landes vor. Künftig solle die Außenpolitik des Landes gemäß den Vorgaben des Obersten Sowjets der UdSSR gestaltet werden. In der verabschiedeten Resolution nahm der Oberste Sowjet der UdSSR den Bericht des Ministers zur Kenntnis und wies den Ministerrat der UdSSR und das Außenministerium an, „die konsequente Umsetzung eines politischen Kurses fortzusetzen, der auf den Prinzipien des Neuen Denkens und dem aktiven Schutz der Sicherheit und der Interessen der Sowjetunion beruht“. Die entsprechenden Anweisungen wurden den Ausschüssen und Kommissionen des Obersten Sowjets erteilt. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 21, S. 10–16).
15 – Das Nobelkomitee gab die Entscheidung bekannt, M. S. Gorbatschow den Friedensnobelpreis 1990 „für seine führende Rolle im Friedensprozess, der heute einen wichtigen Bestandteil des Lebens der internationalen Gemeinschaft darstellt“, zu verleihen. (Prawda, 16. Oktober 1990).
16 – Die Sowjetunion übermittelte der UNO erstmals offiziell Daten zu ihren Militärausgaben für das Jahr 1989. (Prawda, 17. Oktober 1990).
17 – Der Präsident der UdSSR traf sich mit dem US-Verteidigungsminister R. Cheney. Während des Gesprächs … Gorbatschow bemerkte: „Die neue Linie der Weltpolitik hat bereits ihre eigene Geschichte. Sie hat sehr ernste Prüfungen bestanden, insbesondere an der Bewährungsprobe der Ereignisse im Persischen Golf.“ Gorbatschow bat den Minister, George Bush seine unerschütterliche Treue zu den Helsinki-Abkommen zu übermitteln. Die sowjetische Führung werde die in den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates dargelegte allgemeine Linie entschieden verteidigen und jede Gelegenheit nutzen, eine politische Lösung zu finden. Er merkte außerdem an, dass die jüngsten Ereignisse uns einmal mehr die Notwendigkeit vor Augen geführt hätten, den Konflikt im Nahen Osten als Ganzes zu lösen. Gorbatschow zeigte sich zufrieden mit dem Niveau der sowjetisch-amerikanischen Zusammenarbeit und bemerkte: „Um Fortschritte in Richtung einer universellen Friedensordnung zu erzielen, ist es sehr wichtig, dass die guten Beziehungen zwischen diesen beiden Staaten weiter gestärkt werden.“ (Prawda, 18. Oktober 1990).
Am 18. Oktober traf sich Präsident Mitterrand in Paris mit dem Mitglied des Präsidialrats, E. M. Primakow. Sie führten ein ausführliches Gespräch über mögliche Auswege aus der Krise im Persischen Golf. Die Notwendigkeit, alle verfügbaren politischen Mittel zu nutzen, um die irakischen Truppen gemäß den Resolutionen des UN-Sicherheitsrates aus Kuwait abzuziehen, wurde hervorgehoben. Die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates wurden hervorgehoben. (Iswestija, 18. Oktober 1990).
18. – Der stellvertretende Außenminister der UdSSR, J. A. Kwizinski, überreichte den Botschaftern der baltischen Staaten eine Note, in der die UdSSR erklärte, auf die Stationierung von Atomwaffen auf ihren Schiffen und Flugzeugen in der Ostsee und im darüber liegenden Luftraum in Friedenszeiten zu verzichten. (Iswestija, 19. Oktober 1990).
19. – E. M. Primakow traf sich in Washington mit J. Baker und dem Nationalen Sicherheitsberater des US-Präsidenten, B. Scowcroft. Zu den Ergebnissen des Treffens sagte E. M. Primakow: „Wir müssen meiner Meinung nach jede Möglichkeit nutzen, militärische Auseinandersetzungen zu vermeiden, dürfen aber gleichzeitig den Irak natürlich nicht für sein Vorgehen belohnen.“ (Iswestija, 19. Oktober 1990).
20. – In Washington traf E. M. Primakow Präsident George Bush. „Wir tauschten uns über die komplexe und gefährliche Lage im Persischen Golf aus“, sagte Primakow. Ihm zufolge besteht die Gemeinsamkeit beider Seiten in ihrem „Wunsch, die Folgen der irakischen Aggression zu beseitigen und dies mit möglichst geringen Kosten zu tun“. „Es gibt aber auch unterschiedliche Ansichten“, sagte er, „die zweifellos existieren.“ (Iswestija, 21. Oktober 1990).
22. Der Präsident der UdSSR empfing den luxemburgischen Premierminister Jacques Santer. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Probleme Europas, das in eine neue Entwicklungsphase eingetreten war, die Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und den Europäischen Gemeinschaften sowie die bilaterale Kooperation zwischen den Ländern. (Prawda, 33. Oktober 1990).
24. Auf Nowaja Semlja wurde ein Atomtest durchgeführt. Dies war die einzige sowjetische Atomexplosion in diesem Jahr. (Argumente und Fakten, 1990, Nr. 45).
25. – Treffen zwischen Michail Gorbatschow und dem argentinischen Präsidenten Carlos Menem. Nach einem Informationsaustausch über die Lage in beiden Ländern erörterten die Gesprächspartner die globale Situation. Gorbatschow betonte, die Veränderungen in der Welt seien tiefgreifend und würden sich weiter verstärken. Die Menschheit habe den Weg zu einem dauerhaften Frieden eingeschlagen. Die Neuausrichtung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen habe dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Ohne sie wäre nichts geschehen. Doch nun müsse man weitergehen. Auf der Tagesordnung stehe die Globalisierung der Sicherheit, ihre Ausweitung auf Lateinamerika, Afrika und natürlich den asiatisch-pazifischen Raum. Die Gesprächspartner waren sich einig, dass die Vereinten Nationen heute eine bedeutende und wachsende Rolle spielten. Insbesondere die Lage in Lateinamerika und die Notwendigkeit einer Vertiefung der sowjetisch-lateinamerikanischen Beziehungen wurden thematisiert. (Prawda, 26. Oktober 1990). Im Anschluss an das Treffen wurde eine „Erklärung über die Grundsätze der Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und Argentinien“ verabschiedet und von M. S. Gorbatschow und C. Ménem unterzeichnet. Die Erklärung besagt: „Die Staatsoberhäupter beider Staaten brachten ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, die Entwicklung von Prozessen zur Schaffung einer gerechten und demokratischen Weltordnung auf der Grundlage universeller Werte umfassend zu fördern. Die Präsidenten setzten sich zum Ziel, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, dass die Vereinten Nationen als wichtigstes internationales Zentrum eine noch wirksamere Rolle bei der Wahrung des Friedens, der Stärkung der internationalen kollektiven Sicherheit und der Entwicklung der Zusammenarbeit aller Völker in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Kultur und humanitäre Hilfe spielen. Die Staatsoberhäupter beider Staaten erkennen die Bedeutung regionaler Organisationen als Foren für die praktische Umsetzung der Ideen der Interdependenz an und betonen die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen regionalen Organisationen innerhalb der Vereinten Nationen zu intensivieren.“ Weiterhin werden die Grundprinzipien der Beziehungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Umwelt sowie Recht, Kultur und humanitäre Hilfe dargelegt. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 22, S. 1–6).
26.–28. – Offizieller Besuch des Präsidenten der UdSSR in Spanien. Am 26. Oktober sprach Gorbatschow vor dem spanischen Parlament. Er konzentrierte sich dabei auf europäische Probleme. Die Europäer, die ein halbes Jahrhundert lang an eine unnatürliche Spaltung gewöhnt waren, entdecken ihre gemeinsame historische und kulturelle Heimat wieder. Veränderungen haben die natürlichen Prozesse der Migration und gemeinsamen Entwicklung der europäischen Völker freigesetzt. Ihre Bedeutung reicht nicht nur über die Grenzen Europas hinaus, sondern auch über das 20. Jahrhundert hinaus. Europa, das in die Zukunft schreitet, hat kein Recht, seine Vergangenheit zu vergessen. Dieser Gedanke ist heute besonders relevant, da Zeitungen, parallel zu optimistischen Berichten über das Ende des Kalten Krieges, eine neue „Balkanisierung“ des Kontinents vorhersagen. Sie schreiben von einer Rückkehr zu alten Konflikten, deren Wurzeln durch den Kalten Krieg lediglich „eingefroren“ wurden, aber keineswegs tot sind und wieder austreiben können. Sie diskutieren die Versuchung, infolge des Zerfalls des Blocksystems neue Sphären wirtschaftlichen und dann politischen Einflusses zu bilden. Nichts davon darf geschehen. Es dauerte mehrere Jahrhunderte, bis Europa sich – als wirkliche Angelegenheit – der Normalisierung einer interethnischen und zwischenstaatlichen Gemeinschaft auf der Grundlage universeller menschlicher Werte und der Berücksichtigung der Menschenrechte annäherte. Die individuellen Interessen jedes Einzelnen. Ich glaube, die Europäer haben genügend Weisheit angesammelt, die richtigen Lehren aus ihrer Vergangenheit gezogen und sind in der Lage, Europa neu zu gestalten. Die gegenwärtige Übergangsphase ist besonders herausfordernd, da das alte Gleichgewicht und seine Mechanismen an Kraft verlieren, während neue, für die Aufrechterhaltung von Stabilität und Interdependenz notwendige Mechanismen erst diskutiert werden und sich im völkerrechtlichen Kontext erst allmählich herausbilden. Ich sehe das zukünftige Europa als einen geeinten politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Raum, als eine Union von Staaten mit gemeinsamen Strukturen, die militärische und ökologische Sicherheit gewährleisten und ein hohes Maß an vielfältiger Interaktion sicherstellen.“ Gorbatschow konzentrierte sich anschließend auf die Krise im Persischen Golf. „…Nun steht die Welt, befreit vom Kalten Krieg entlang der West-Ost-Grenze, vor einer akuten Krise entlang einer anderen Linie. Die neue Weltpolitik wird derzeit auf eine harte Probe gestellt. Die Krise im Persischen Golf, einer Region, die untrennbar mit Europa verbunden ist, muss gemäß den Regeln der neuen internationalen Ordnung gelöst werden. Wer erwartet hatte, dass ein Schlag gegen einen so wichtigen Knotenpunkt der globalen Beziehungen eine erneute Konfrontation zwischen Ost und West auslösen würde, hat sich tragischerweise geirrt. Die internationale Gemeinschaft hat durch die Vereinten Nationen in ihrer Reaktion gezeigt, dass Aggressionen von nun an nicht mehr toleriert werden. Wir unterstützen die Verfolgung jeder Möglichkeit einer politischen Lösung. Doch niemand sollte die gemeinsame und bilaterale Suche nach einer solchen Lösung als Zeichen von Schwäche oder Zögern bei der Umsetzung von Resolutionen des UN-Sicherheitsrates missverstehen… Angesichts der Ereignisse im Nahen und Mittleren Osten ist es angebracht, Europas Rolle im globalen Prozess an der Jahrhundertwende erneut zu betonen. Diese Idee steht im Einklang mit unserem Konzept eines gemeinsamen europäischen Hauses.“Und es ist besonders angebracht, dies im Hinblick auf Spanien zu betonen, das über das Mittelmeer zwei benachbarte Kontinente erreicht und historisch mit Lateinamerika verbündet ist. Eine neue Ära in den Ost-West-Beziehungen wird nicht anbrechen, wenn wir ihre Unauflöslichkeit vom ebenso universellen Nord-Süd-Problem vergessen.“ (Pravda, 28. Oktober).
26 – M. S. Gorbatschow sprach bei einem Abendessen in Madrid. Er sagte unter anderem: „Wir erleben den Beginn einer wahrhaft neuen Ära. Nicht nur verschwinden uralte Vorurteile, Ängste und Missverständnisse, sondern auch die realen Widersprüche, die die internationalen Beziehungen einst prägten, verlieren an Bedeutung. Kriterien wie Gerechtigkeit, Gleichheit und Achtung des menschlichen Lebens, die in Theorien, Predigten und Träumen präsent sind, beginnen in der realen internationalen Politik zu wirken und verdrängen militaristische und großmachtzentrierte Ansätze. In bemerkenswert kurzer Zeit wird die ideologische Feindschaft zwischen ganzen Teilen der Welt zu einem Anachronismus. Der Sinn der Existenz kolossaler, immens teurer militärpolitischer Mechanismen wird infrage gestellt. Der Albtraum eines drohenden nuklearen Armageddon verschwindet rasch aus der alltäglichen Wahrnehmung des Weltgeschehens. Gesunder Menschenverstand, natürliches Interesse, normale menschliche Solidarität und Mitgefühl für die Nöte und das Scheitern anderer prägen die Atmosphäre größerer Achtung in der modernen Welt.“ All dies bedeutet nicht, dass die Katastrophen und die elenden Lebensbedingungen von Millionen Menschen auf ganzen Kontinenten über Nacht verschwunden sind oder dass bereits Wege gefunden wurden, alle komplexen Probleme der Menschheit zu lösen. Doch aus der Perspektive des neuen Denkens haben diese Probleme eine wahrhaft globale Dimension angenommen und sind zu einem Anliegen der Weltgemeinschaft geworden. Und genau darin liegt der Schlüssel zu ihrer Lösung. Entscheidend ist jedoch, dass die Entwicklung der Zivilisation Anzeichen dafür zeigt, sich in Richtung einer friedlichen Ära, hin zur Abrüstung, hin zur Ablehnung von Gewalt zur Konfliktlösung, hin zur Herausbildung eines ganzheitlichen globalen Bewusstseins, hin zur Anerkennung der Unveräußerlichkeit der Entscheidungsfreiheit und des Ausgleichs realer Interessen zu bewegen. (Prawda, 28. Oktober 1990).
26 – Der Erlass des Präsidenten der UdSSR „Über ausländische Investitionen in der UdSSR“ wird veröffentlicht. (Iswestija, 26. Oktober 1990).
26 – Der Erlass des Präsidenten der UdSSR „Über die Einführung eines kommerziellen Wechselkurses des Rubels zu ausländischen Währungen und Maßnahmen zur Schaffung eines gesamtunionsweiten Währungsmarktes“ wird veröffentlicht. (Iswestija, 29. Oktober 1990).
27 – M.S. Gorbatschow sprach an der Complutense-Universität Madrid und der Autonomen Universität Madrid. Er konzentrierte sich auf das Verhältnis zwischen Politik und Moral. „Seit der Renaissance sind Kulturvorstellungen eng mit humanistischen Werten verknüpft. Durch die Kultur begannen Politik und Moral zusammenzuwachsen, und Politik wurde fortan an moralischen Kriterien gemessen. Zwar hat die Geschichte im Laufe der Jahrhunderte immer wieder erschreckende Beweise für die Unvereinbarkeit von Politik und Moral geliefert. Doch es war die Kultur, die Menschen nicht durch Eigennutz, sondern durch die Anerkennung des inneren Wertes der menschlichen Persönlichkeit vereint, die diese beiden Prinzipien des gesellschaftlichen Lebens einander näherbrachte… Ein weiterer, außerordentlich wichtiger Aspekt dieses Problems ist der Einfluss der Politik auf die Kultur. Die in Spanien Jahrzehnte nach einem verheerenden Bürgerkrieg erzielte Einigung auf demokratischer Basis ist ein überzeugendes Argument für eine Politik der nationalen Versöhnung und die Ablehnung einer Politik der Rache, der Gewalt und der Konfrontation. Und hier spielte natürlich die demokratische Tradition, die mit Spaniens großer Kultur verbunden ist, eine Rolle und überstand selbst die schwierigen Zeiten der Diktatur. Spaniens Beispiel, eine Synthese widerstreitender Interessen zu finden, sich – um es mit Felipe zu sagen – zu bewegen…“ González‘ Aussage „Von der Realität zum politischen Projekt, und nicht umgekehrt“ ist aufschlussreich. Und obwohl die internen Bedingungen, beispielsweise in den Ländern Osteuropas, heute völlig anders sind und sich das externe Umfeld grundlegend von dem unterschieden hat, unter dem Spanien seinen friedlichen Übergang zur Demokratie vollzog, verdient Ihre Erfahrung zweifellos größte Aufmerksamkeit. Ich möchte hinzufügen, dass dies auch aus internationaler politischer Perspektive gilt. Denn der Prozess der Konsensfindung verlief bis vor Kurzem zu langsam, um sich auf diesen Bereich auszudehnen. Obwohl alle bisherigen Erfahrungen, insbesondere die beiden Weltkriege, überzeugende Argumente gegen eine Politik der Gewalt lieferten, wurde dies von Politikern erst in den 1980er Jahren ernst genommen, als die Quantität und Qualität der Atomwaffen die Menschheit mit der realen Aussicht auf eine universelle Vernichtung konfrontierten. Neues Denken entstand gerade als Reflexion und Überarbeitung der Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Ich werde nicht auf die Veränderungen der letzten Jahre, insbesondere des letzten Jahres, eingehen. Ich möchte nur das Wichtigste hervorheben: Sie sind der Schlüssel zu einer universellen Friedensordnung. Und während wir uns auf den Eintritt ins 21. Jahrhundert vorbereiten… „Im 21. Jahrhundert ist es an der Zeit, Elemente dieser Zukunft in die heutige Politik einzuführen.“ (Pravda, 31. Oktober 1990)
27 – Während einer gemeinsamen Pressekonferenz wurden M. S. Gorbatschow und F. Gonzales zur Lage im Persischen Golf und den Ergebnissen der Mission von Jewgeni Primakow befragt. M. S. Gorbatschow antwortete: „Die Aggression und Annexion Kuwaits durch einen anderen Staat ereignete sich in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen in den internationalen Beziehungen. Wir bewegen uns weg von der Konfrontation, vom Kalten Krieg, hin zu einer friedlichen Entwicklungsphase der Weltgemeinschaft. Diese Prozesse befinden sich noch in der Anfangsphase und müssen sich formen und festigen. Und nun stehen wir vor einer solchen Herausforderung. All dies ist sehr ernst. Im Grunde müssen wir uns jetzt, in der Anfangsphase des Übergangs in eine Friedenszeit, eine Ära der friedlichen Entwicklung der Weltgemeinschaft, die Frage stellen: Sind wir in der Lage, die aufkommenden Probleme mit politischen Mitteln zu lösen? Oder sollten wir zu den Methoden des Kalten Krieges zurückkehren?“ Daher müssen wir meines Erachtens zunächst anerkennen, dass die internationale Gemeinschaft innerhalb der Vereinten Nationen und des Sicherheitsrates mit außergewöhnlicher Einigkeit, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit gehandelt und eine einheitliche Forderung erhoben hat. Dies ist an sich schon ein bedeutsames Ereignis – noch vor sechs oder sieben Jahren wäre es schwer gewesen, vorherzusagen, was geschehen würde, wo wir alle landen würden, auf welcher Seite der Barrikaden und so weiter. Daher stellt diese Einigkeit an sich schon einen großen Wandel dar. Und wir müssen diese Einigkeit und Entschlossenheit bewahren. Da wir uns von einer Ära der Gewalt, des Wettrüstens und des Drucks entfernen, müssen wir andere Wege finden, um das entstandene Problem zu lösen. Was sind die Ergebnisse von Primakows Mission? Sie ist noch nicht abgeschlossen. Doch in dieser kritischen Lage halten wir an der Überzeugung fest, dass jede Gelegenheit genutzt werden muss, um trotz aller Entschlossenheit und Standhaftigkeit eine politische Lösung für diesen akuten Konflikt zu erreichen. Die Sowjetunion – und das haben wir gemeinsam mit dem spanischen Ministerpräsidenten anerkannt – verfügt über eigene Fähigkeiten. Und sie muss diese in unserem gemeinsamen Interesse einsetzen. Darüber hinaus scheint es mir, dass es in den letzten Tagen Anzeichen dafür gegeben hat, dass auch die irakische Führung versteht, dass Ultimaten allein das Problem nicht lösen werden. Ich könnte mich irren, und die kommenden Tage werden Klarheit bringen.“ F. Gonzalez fügte hinzu, dass seine Einschätzungen mit denen des Präsidenten übereinstimmen. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 22, S. 13–19).
27. – In Madrid unterzeichneten M. S. Gorbatschow und F. G. González eine gemeinsame sowjetisch-spanische Erklärung, in der sie den Übergang von Konfrontation zu Kooperation begrüßten, „der die gegenseitige Abhängigkeit der Welt mit neuer Kraft beweist. Die umfassende Natur der Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, erfordert zunehmend kollektive Antworten. Die Parteien sind überzeugt, dass der eingeschlagene Weg weitergehen, der Geist der Feindseligkeit endgültig ablegen und universelle Werte wie Vertrauen, gegenseitiges Verständnis und Solidarität wiederbeleben muss. Die Menschheit muss frei von der Last vergangener Ambitionen und Vorurteile ins 21. Jahrhundert eintreten und zuversichtlich in eine friedliche Zukunft blicken.“ Es folgen die Grundsätze, die zur Erreichung dieser Ziele beachtet werden müssen. Der zweite Teil der Erklärung widmet sich den europäischen Problemen und Europas Rolle in einer sich erneuernden Welt. Der dritte Teil befasst sich mit den Problemen regionaler Krisen, deren Entwicklung Anlass zur Reflexion über neue Sicherheitsparameter, einschließlich der europäischen Sicherheit, gibt. Der vierte Teil behandelt Fragen der bilateralen Beziehungen. (Prawda, 28. Oktober 1990).
27 – Jewgeni Primakow traf sich in Bagdad mit Präsident Saddam Hussein. Unter Berücksichtigung Primakows vorheriger Treffen mit den Führern europäischer Länder und der Vereinigten Staaten wurden verschiedene Aspekte der brisanten Lage im Zusammenhang mit der Golfkrise erörtert. Die Sowjetunion ist der Ansicht, dass alle verfügbaren politischen Möglichkeiten genutzt werden müssen, um die Krise zu lösen. (Prawda, 29. Oktober 1990).
28.–29. – Michail Gorbatschow stattete Frankreich einen Arbeitsbesuch ab. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Kontext der wichtigsten internationalen Fragen unserer Zeit. Die Gespräche gipfelten in der Unterzeichnung des Vertrags über Eintracht und Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der Französischen Republik – ein neuartiges Dokument, das den Kriterien einer neuen Ära der globalen Entwicklung entspricht. Die beiden Präsidenten erläuterten ihre Positionen auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. „Herr François Mitterrand hat die Themen unserer Gespräche dargelegt“, sagte Gorbatschow. „Ich kann seine Angaben bestätigen: Ja, unser Hauptanliegen ist die Frage bzw. das Problem unserer Zeit, die globalen Veränderungen, die die Weltpolitik und die Politiker vor sehr hohe Anforderungen stellen. Worum geht es? Dank der heutigen Politikergeneration, die die Gefühle des Volkes zum Ausdruck bringen konnte, verlassen wir die Ära des Kalten Krieges und treten in eine neue Phase ein. Wir hoffen, dass dies eine Phase effektiver friedlicher Zusammenarbeit sein wird. Doch gerade diese Politiker tragen, insbesondere in der Anfangsphase, die Verantwortung, die neuen Prozesse aufrechtzuerhalten, die, wie Sie sehen, sehr ernsten Prüfungen unterzogen wurden. Das haben wir besprochen.“ Auf die Frage nach der Lage am Persischen Golf antwortete M.S. Gorbatschow: „Wir dürfen dem Irak und dem Regime von Präsident Hussein keinen Anlass geben, über Zwietracht unter den Verabschiedeten dieser Resolutionen (des UN-Sicherheitsrates) nachzudenken oder darauf zu hoffen, oder dass ihre Positionen geschwächt werden. Nein. Wir sind überzeugt, dass all diese Entscheidungen richtig waren und von einem hohen Verantwortungsbewusstsein und dem Wunsch nach Frieden getragen wurden.“ Gorbatschow verurteilte daraufhin die Geiselnahme durch den Irak scharf und forderte deren Freilassung. Auf die anschließende Frage nach der Hoffnung auf eine politische Lösung des Golfkonflikts antwortete Gorbatschow: „Ich denke, obwohl amerikanische Truppen und Truppen anderer Länder in der Golfregion und in Saudi-Arabien stationiert sind, sprechen wir dennoch von einer politischen Lösung. Meiner Meinung nach ist eine militärische Lösung für uns alle inakzeptabel. Aber Präsident Hussein soll darüber nicht spekulieren … Sie fragen, was Primakows Mission gezeigt hat? Zunächst einmal ist sie kein unabhängiger Zweig des Prozesses. Darüber hinaus ist sie kein Gegensatz, sondern ein integraler Bestandteil unserer gemeinsamen Bemühungen … Primakows Gespräche zeigen, dass die Position des irakischen Präsidenten nicht mehr dieselbe ist wie vor einiger Zeit. In Bagdad scheint man begonnen zu haben, nachzudenken. Ich denke, je eher der irakische Präsident die Appelle, vor allem der arabischen Länder und des UN-Sicherheitsrates, versteht und darauf reagiert, desto eher und gerade durch politische Ansätze wird dieser gefährliche Knoten gelöst werden.“ Auf die Frage, was er von dem in der westlichen Presse aufgetauchten Thema der „Unpopularität“ der Auslandsreisen des sowjetischen Präsidenten halte, antwortete M. S. Gorbatschow: „Ich bin mir ähnlicher Meinungen von Vertretern bestimmter politischer Kreise in der Sowjetunion bewusst. Ich glaube, dass es sich um eine spekulative Aussage handelt. Obwohl sie den politischen Kampf widerspiegelt,„Und die politischen Prozesse, die sich derzeit in unserem Land vollziehen. Aber unser Volk würdigt, wie die internationale Gemeinschaft, alles, was in den letzten Jahren im Rahmen der Umsetzung der Perestroika-Politik, des neuen Denkens und der Verbesserung der internationalen Beziehungen bereits erreicht wurde… Kurz gesagt, ich bin überzeugt: Wir verfolgen einen Kurs, der den grundlegenden und wichtigsten Interessen unseres Volkes und der Völker anderer Länder entspricht. Und jegliche Spekulation, woher sie auch kommen mag, ist für mich bedeutungslos. Ich stehe fest zu meinen Positionen, und niemand wird mich davon abbringen können.“ (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 22, S. 24–31).
30 – Der Vertrag über Übereinkunft und Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der Französischen Republik, unterzeichnet von M.S. Gorbatschow, E.A. Schewardnadse, F. Mitterrand, M. Rocard und R. Dumas, wird veröffentlicht.
Der Vertrag stellt fest, dass die beiden Staaten, „überzeugt von der Notwendigkeit einer Annäherung zwischen Staaten auf der Grundlage universeller Werte wie Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit und Solidarität; bestrebt, durch ihre Interaktion und in Zusammenarbeit mit anderen Staaten eine Periode des Friedens und des Wohlstands für die Menschheit zu sichern; sich ihrer besonderen Verantwortung als ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrates für die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit bewusst; der UN-Charta treu und die im Rahmen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa eingegangenen Verpflichtungen bekräftigend; unter Berücksichtigung der Befugnisse der Europäischen Gemeinschaften und der Aussichten auf deren Umwandlung in eine politische Union sowie der in der Sowjetunion stattfindenden Umwälzungen beschlossen haben, ihrer Politik eine neue Ausrichtung zu geben und zu diesem Zweck Folgendes vereinbart haben…“ Darauf folgt Artikel 1, der besagt: „Die UdSSR und die Französische Republik betrachten einander als befreundete Staaten und gründen ihre Beziehungen auf Vertrauen, Solidarität und Zusammenarbeit.“ Der erste Abschnitt des Vertrags trägt den Titel „Europa“, der zweite „Internationale Sicherheit und Zusammenarbeit“, der dritte „Abrüstung“, der vierte „Bilaterale Zusammenarbeit“ und der fünfte … „Kulturelle Zusammenarbeit“ und der sechste Abschnitt „Andere Bereiche der Zusammenarbeit“. (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 22, S. 31-36).


November


6 – Im St.-Georgs-Saal des Großen Kremlpalastes empfing Michail Gorbatschow die Leiter der diplomatischen Vertretungen ausländischer Staaten in Moskau. Er begrüßte die Diplomaten und sagte insbesondere: „Im vergangenen Jahr hat sich die Welt entscheidend verändert. Vor unseren Augen vollzieht sich ein neuer, friedlicher Wandel in den Beziehungen zwischen den Staaten. Und obwohl die Lage in einigen Regionen alarmierend ist, beweist die Weltgemeinschaft, inspiriert von den Prinzipien und Zielen der Vereinten Nationen, ihre Fähigkeit, akuten Herausforderungen zu begegnen. Die Sowjetunion beabsichtigt, beharrlich und konsequent eine konstruktive Außenpolitik zu verfolgen, die darauf abzielt, positive Veränderungen in den internationalen Beziehungen unumkehrbar zu machen.“ (Prawda, 7. November 1990).
8 – US-Außenminister James Baker stattete Moskau einen kurzen Arbeitsbesuch ab. Er wurde von Michail Gorbatschow empfangen. Die Gesprächspartner erörterten eingehend die Entwicklungen in der Golfregion. Das Leitmotiv des sowjetisch-amerikanischen Dialogs war von Beginn der Krise an die Notwendigkeit der Einigkeit aller Länder, insbesondere der Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, die kategorische Ablehnung der Aggression und die gemeinsame Forderung nach dem bedingungslosen Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait. Niemand, betonte der sowjetische Präsident, solle Risse in dieser vereinbarten Position erwarten. Er lobte die Bereitschaft der amerikanischen Führung, sich über die Lage und ihre mögliche Entwicklung auszutauschen. Im Namen von US-Präsident George W. Bush erläuterte George Baker eine Reihe von Überlegungen, die von sowjetischer Seite sorgfältig geprüft würden. (Prawda, 9. November 1990).
8 – Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Gespräche mit George Baker merkte Eduard Schewardnadse an, dass ein „sehr wichtiges neues Element“ in der US-Position aufgetaucht sei. Es sei noch zu früh, um dieses neue Element zu benennen. Schewardnadse sagte außerdem, dass der Einsatz von Gewalt gegen den Irak nicht ausgeschlossen werden könne. Der Minister betonte, dass eine solche Entscheidung nur mit Zustimmung des UN-Sicherheitsrates getroffen werden könne. Gleichzeitig merkte Schewardnadse an, dass Moskau zwar den Einsatz von Gewalt nicht ausschließe, diesen Weg aber dennoch für unerwünscht halte und alle möglichen Mittel zur friedlichen Einflussnahme auf Bagdad ausschöpfen wolle. Baker bekräftigte seinerseits die Präferenz für eine friedliche Lösung. Man werde gemeinsam mit der UdSSR an einer solchen Lösung arbeiten. (Iswestija, 9. November 1990)
9.–10. – Bundeskanzler Gorbatschow besuchte die Bundesrepublik Deutschland. In einem Treffen mit Bundespräsident Robert von Weizsäcker stellte Gorbatschow fest, dass die sowjetisch-deutschen Beziehungen einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen, der die Perspektive einer neuen Qualität der Zusammenarbeit zwischen den beiden großen Nationen eröffnet. Dies berge neue Chancen nicht nur für beide Länder, sondern für ganz Europa. Im Gespräch mit Heinrich Kohl wurden konkrete Fragen der Zusammenarbeit erörtert. Die Übereinkünfte betonten die Notwendigkeit, dass sowohl die Sowjetunion als auch Deutschland in naher Zukunft konkrete, praktische Ergebnisse der sowjetisch-deutschen Zusammenarbeit in dieser neuen Phase sehen. Es wurden europäische Themen besprochen, wobei das erhebliche Potenzial für einen verstärkten Beitrag der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland zur gesamteuropäischen Zusammenarbeit in dieser neuen Phase hervorgehoben wurde. Die Lage am Persischen Golf wurde analysiert. In dieser Frage herrschte zwischen Bundespräsident und Bundeskanzlerin volle Übereinstimmung: Die UN-Resolutionen müssen bedingungslos umgesetzt werden. Anschließend wurde der Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet. Es heißt darin, dass beide Staaten „sich ihrer Verantwortung für die Wahrung des Friedens in Europa und der ganzen Welt bewusst sind; den Wunsch hegen, endgültig mit der Vergangenheit abzuschließen und durch gegenseitiges Verständnis und Versöhnung einen bedeutenden Beitrag zur Überwindung der Spaltung Europas zu leisten; von der Notwendigkeit überzeugt sind, ein neues, durch gemeinsame Werte geeintes Europa aufzubauen und eine dauerhafte und gerechte europäische Friedensordnung einschließlich stabiler Sicherheitsstrukturen zu schaffen; davon überzeugt sind, dass Menschenrechte und Grundfreiheiten als Teil des gemeinsamen europäischen Erbes von großer Bedeutung sind und deren Achtung eine wesentliche Voraussetzung für Fortschritte beim Aufbau einer solchen Friedensordnung ist; ihr Bekenntnis zu den Zielen und Grundsätzen der UN-Charta und den Bestimmungen der Schlussakte von Helsinki vom 1. August 1975 sowie den nachfolgenden Dokumenten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa bekräftigen; entschlossen sind, die guten Traditionen ihrer jahrhundertealten Geschichte fortzusetzen, ihre Beziehungen auf gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zu gründen und die historischen Herausforderungen an der Schwelle zum dritten Jahrtausend zu bewältigen; aufbauend auf dem Fundament, das in den Vorjahren durch die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und der BRD gelegt wurde, als sowie die DDR; verpflichtet, die fruchtbare und für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten in allen Bereichen weiterzuentwickeln und zu vertiefen und ihren Beziehungen im Interesse ihrer Völker und des Friedens in Europa eine neue Qualität zu verleihen; unter Berücksichtigung der Unterzeichnung des Vertrags über die endgültige Regelung der Beziehungen zu Deutschland von 1990, der die äußeren Aspekte des Aufbaus der deutschen Einheit regelte“, haben diesen Vertrag geschlossen. Die 22 Artikel dieses Dokuments umfassen ein breites Spektrum an Fragen der bilateralen Beziehungen und des Zusammenwirkens der beiden Staaten auf der Weltbühne. Ein Vertrag über die Entwicklung der großangelegten wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurde ebenfalls unterzeichnet.Industrie, Wissenschaft und Technologie sowie weitere Dokumente. Anlässlich der Unterzeichnung der Verträge sagte M. S. Gorbatschow: „Wir haben auf den Ruf der Zeit reagiert; am Vorabend eines neuen Jahrhunderts haben wir es als unsere Pflicht gegenüber unseren eigenen Völkern und ganz Europa erkannt… Ich bin auch zuversichtlich, dass der ‚große‘ – wie er bereits genannt wurde – sowjetisch-deutsche Vertrag keine Episode, sondern ein fester Bestandteil der neuen Weltordnung sein wird, die durch die Bemühungen aller Teilnehmer des gesamteuropäischen Prozesses entsteht… Eine neue Weltsicht triumphiert. Die Ära der Konfrontation ist vorbei. Das Antlitz Europas und der Welt verändert sich.“ (Bulletin des Außenministeriums der UdSSR, 1990, Nr. 23, S. 2–20).
9 – In Bonn fand eine gemeinsame Pressekonferenz zwischen M. S. Gorbatschow und G. Kohl statt. Auf die Frage, wer heute der potenzielle Feind der UdSSR sei und ob es überhaupt welche gebe, antwortete M. S. Gorbatschow: „Ich sehe in diesem oder jenem Volk oder Land keine Feinde, die wir verdächtigen würden, einen Krieg gegen uns vorzubereiten. So nehmen wir die heutige Welt wahr … Das lässt uns hoffen, dass wir die richtige Idee vertreten haben – den Weg zu einer atomwaffenfreien und gewaltlosen Welt als höchstes Ziel für die gesamte Weltgemeinschaft.“ Auf die nächste Frage – wie stehen Sie zur Möglichkeit eines Militäreinsatzes im Persischen Golf, und unter welchen Umständen würde die Sowjetunion einem solchen Einsatz zustimmen? – antwortete M. S. Gorbatschow erklärte: „Ich denke, alles, was wir bisher gemeinsam im UN-Sicherheitsrat erreicht haben, ist ein großer Erfolg. Das mag Ihnen seltsam vorkommen, aber ich bestehe auf dieser Definition. Schließlich handeln wir – vielleicht sogar zum ersten Mal in der Geschichte und nicht nur in der Nachkriegsgeschichte – in einer kritischen Situation gemeinsam, im Geiste der Einigkeit und im Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber der internationalen Gemeinschaft, im Rahmen der Vereinten Nationen, die genau zur Verteidigung und Wahrung des Friedens geschaffen wurden. Wir haben den Aggressor verurteilt, entscheidende Maßnahmen ergriffen und setzen sie um. Alle Versuche, diese Einigkeit zu untergraben, sind gescheitert und werden auch in Zukunft scheitern. Schließlich erhalten wir eine Region, die eine Energiequelle für die Weltwirtschaft darstellt. Das bedeutet, dass die Weltwirtschaft im Interesse der gesamten internationalen Gemeinschaft funktioniert. All dies zusammengenommen ist ein wichtiger Erfolg für die Vereinten Nationen. Ich bin überzeugt, dass die Vereinten Nationen ihre Instrumente nutzen und über das weitere Vorgehen entscheiden werden. Wir werden jetzt keine Operationen mit Ihnen ‚planen‘. Ich denke, dass die Vereinten Nationen …“ Die Vereinten Nationen werden durch Zusammenarbeit und Analyse konsequent handeln. Und die Beschlüsse des Sicherheitsrates werden zweifellos umgesetzt werden.“ (Prawda, 11. November 1990).
10 – M. S. Gorbatschow traf sich in Bonn mit dem deutschen Finanzminister Theo Waigel. Im Gespräch ging es um das Tempo der historischen Entwicklung. Gorbatschow merkte an, dass der gegenwärtigen Geschwindigkeit eine lange Phase des gegenseitigen Wissensaufbaus und des Wissens um die Welt vorausgegangen sei. „Und es hat sich einmal mehr bestätigt: Wir schreiben nicht nur Geschichte, sondern sie verändert uns auch. Infolgedessen ist ein Faktor wie Vertrauen entstanden, der eine wirklich umfassende Entwicklung der sowjetisch-deutschen Beziehungen gewährleisten kann … Wir, die Sowjetunion und Deutschland, erwarten enorme Erfolge, denn es dürfte schwer sein, eine erfolgreichere Kombination verschiedener Elemente – wirtschaftlicher, intellektueller, historischer, geografischer und anderer Art – zu finden, die in ihrem Zusammenspiel außergewöhnlich starke Ergebnisse hervorbringen können.“ (Prawda, 12. November 1990).
10 – M. S. Gorbatschow traf sich in Bonn mit G. D. Genscher. „Nun können wir bestätigen“, so Gorbatschow, „dass die Blocklogik gescheitert ist“, die Europa an einen sehr gefährlichen Punkt geführt hatte. Im Gespräch über die Zukunft der osteuropäischen Länder wurde die Ansicht, tiefgreifende interne Veränderungen dort hätten der gesamteuropäischen Sache geschadet, entschieden zurückgewiesen. Im Gegenteil: Die bedingungslose Anerkennung der Helsinki-Prinzipien in den Beziehungen zwischen allen europäischen Völkern stärkt das Potenzial des europäischen Prozesses. Europa müsse zu einem Zusammenleben souveräner Staaten mit gegenseitiger Offenheit und vielfältiger Zusammenarbeit werden – zwei Prozesse, die sich gegenseitig ausbalancieren. Die Absolutisierung der Souveränität bedeute eine Abkopplung von der historischen und gegenwärtigen Realität, die die Menschen teuer zu stehen kommen könne. Dies werde bereits durch die Erfolge der westeuropäischen Integration widerlegt. Souveräne Völker bräuchten eine organische Zusammenarbeit – ohne jegliches politische Geplänkel oder Getue in dieser äußerst wichtigen Angelegenheit. Gegenwärtig, betonte Gorbatschow, befinde sich jedes Land in einem turbulenten Prozess der Suche nach seinem Platz. Diese Suche ist jedoch dann fruchtbar, wenn die Bedeutung des Zusammenlebens der Völker verstanden wird, und zwar nicht durch Isolation. Das gesamte Potenzial Europas steht jedem Volk zur Verfügung, sofern der gesamteuropäische Prozess normal verläuft. Im Kontext eines solchen Ansatzes für den europäischen Prozess vom Atlantik bis zum Ural und da wir von der Sowjetunion mit ihrem gesamten Territorium sprechen, ist jede Form der Förderung separatistischer Tendenzen und der Ausgrenzung der Völker inakzeptabel. Forderungen nach territorialer Neuverteilung müssen ebenfalls ausgeschlossen werden. Hier genügt es, den Anfang zu machen, und der destruktive Umkehrprozess wird einsetzen, der Europa in Zeiten seiner Geschichte zurückwerfen wird.“ (Prawda, 12. November 1990).
Am 12. und 13. November befanden sich NATO-Militärführer in der UdSSR – der Vorsitzende des Militärkomitees, W. Eide, und der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, J. Galwin. E. A. Schewardnadse und D. T. Jasow trafen sich mit ihm. Am 13. November wurden sie von Michail Gorbatschow empfangen. „Dieses Treffen war ein konkreter Beweis für den positiven Einfluss neuen Denkens in den internationalen Beziehungen und auf die tiefgreifenden Veränderungen auf dem europäischen Kontinent, auch im militärischen Bereich.“ „In diesem Geiste“, sagte der Präsident, „treffe ich Sie.“ Seine Gesprächspartner stimmten dieser Einschätzung und diesem Ansatz voll und ganz zu. In einem freundlichen und offenen Gespräch wurden Fragen im Zusammenhang mit der Schaffung eines neuen Sicherheitsmodells auf der Grundlage gesamteuropäischer Strukturen sowie die Rolle und der Stellenwert der beiden militärisch-politischen Bündnisse bei der Bewältigung dieser wichtigen Aufgabe erörtert. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Entwicklung von Partnerschaft und Vertrauen zwischen ihnen zur Schaffung einer günstigen Atmosphäre für den bevorstehenden Pariser Gipfel beitragen werde, der ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Europas darstellen dürfte. (Pravda, 14. November 1990)
13. – Vertreter des Präsidenten der UdSSR, die stellvertretenden Außenminister A. M. Belonogov und W. F. Petrowski, reisten in den Nahen Osten. Sie werden Jemen, Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (W. Belonogov) sowie Marokko, Tunesien, Libyen und Algerien (W. Petrowski) besuchen. (Iswestija, 13. November 1990).
14. – In Warschau wurde ein deutsch-polnischer Vertrag unterzeichnet, der die Unverletzlichkeit der Oder-Neiße-Grenze garantiert.
16. – W. F. Petrowski traf sich in Tunesien mit Jassir Arafat, dem Präsidenten des Staates Palästina. Während der Gespräche über die Krise im Persischen Golf waren sich die Parteien einig, dass alles getan werden müsse, um ein Abgleiten der Krise in eine militärische Konfrontation zu verhindern. (Iswestija, 17. November 1990).
17. – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem kanadischen Außenminister John Clark. Sie erörterten die bilateralen Beziehungen und die Interaktionen beider Länder auf internationaler Ebene.
Es wurde anerkannt, dass es wichtig sei, einen neuen Schritt in der sowjetisch-kanadischen Zusammenarbeit zu gehen – das angesammelte Potenzial für gegenseitiges Verständnis in die Lösung konkreter praktischer Fragen der bilateralen Zusammenarbeit umzusetzen, unter anderem in den Bereichen Gesundheitswesen, gegenseitige Krankenversicherung für Bürger, Rechtshilfe, humanitäre Angelegenheiten und anderen. Sie bekräftigten ihre Bereitschaft, zügig ein neues Handelsabkommen auszuarbeiten. Sie betonten die Entschlossenheit beider Länder, in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft konsequent und beharrlich auf die Einhaltung der einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zum Konflikt im Persischen Golf durch den Irak hinzuwirken. Die Bedeutung des bevorstehenden gesamteuropäischen Treffens in Paris wurde besonders hervorgehoben. (Pravda, 18. November 1990)
18 – M.S. Gorbatschow stattete Italien einen eintägigen Arbeitsbesuch ab. Im Rahmen dieses Besuchs wurde ein Freundschafts- und Kooperationsvertrag zwischen der UdSSR und der Italienischen Republik unterzeichnet. Der Vertrag stellte fest, dass die beiden Staaten, „sich bewusst sind, dass die Veränderungen in der Welt der Menschheit eine einzigartige Chance bieten, eine friedliche internationale Ordnung auf der Grundlage des Rechtsprimats zu errichten; gestützt auf jahrhundertealte Traditionen der Freundschaft, der spirituellen Verbundenheit, der gegenseitigen kulturellen Bereicherung ihrer Völker und der Tatsache, dass ihre grundlegenden Interessen einander nicht widersprechen; bestrebt, ihre Vorreiterrolle in vielen Bestrebungen zur Überwindung der Spaltung Europas zu behaupten; überzeugt von der Notwendigkeit, die Beziehungen zwischen den Staaten auf den universellen Werten der Demokratie, der Freiheit, des Pluralismus, der Solidarität und der Achtung der Menschenrechte aufzubauen; in Bestätigung ihres Bekenntnisses zu den Bestimmungen der Schlussakte von Helsinki und den nachfolgenden KSZE-Dokumenten und in der Zuversicht, dass die Ergebnisse des gesamteuropäischen Gipfeltreffens in Paris die Unumkehrbarkeit der Prozesse der friedlichen Entwicklung in Europa stärken werden; im Wunsch, die Beziehungen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und der UdSSR zu stärken; entschlossen, die Autorität der Vereinten Nationen zu stärken; überzeugt davon, dass die großen Veränderungen in der modernen Welt nur im Rahmen einer umfassenden internationalen Zusammenarbeit auf der Grundlage einer neuen politischen Philosophie und neuer Mittel bewältigt werden können … haben beschlossen, ihren bilateralen Beziehungen eine neue Qualität zu verleihen …“ Es folgen 27 Artikel, die die Absichten der Parteien im Bereich der bilateralen Beziehungen und ihrer Zusammenarbeit auf internationaler Ebene detailliert darlegen. Der Vertrag wurde von M. S. Gorbatschow und G. Andreotti unterzeichnet. (Prawda, 19. November 1990).
Vom 19. bis 21. fand in Paris ein Treffen der Staats- und Regierungschefs der 34 Mitgliedstaaten der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa statt. In seiner Rede auf dieser Konferenz erklärte M. S. Gorbatschow sagte: „Unser Treffen findet an einem Wendepunkt einer Ära statt und ist selbst ihr bedeutendstes Ereignis.
Kaum jemand kann jetzt schon alle Konsequenzen dieses Wendepunkts erfassen, vielleicht für Jahrhunderte. Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Dieses Jahr ist entscheidend in einer Ära, die von zwei Weltkriegen und fast einem halben Jahrhundert nuklearer Konfrontation zwischen zwei Gesellschaftssystemen geprägt ist.
Wir treten in eine Welt anderer Dimensionen ein, in der universelle menschliche Werte für alle die gleiche Bedeutung erlangen, in der Freiheit und menschliches Wohlergehen, der intrinsische Wert des menschlichen Lebens, die Grundlage universeller Sicherheit und das höchste Kriterium für Fortschritt werden müssen.
Vor zwei oder drei Jahren erschienen einige der Ideen, die in die Politik Eingang fanden, vielen illusorisch. Schon bei der Ausarbeitung des Programms für dieses Treffen kamen Zweifel auf: Legten wir die Messlatte zu hoch? Sind die Ziele realistisch? Jetzt ist klar: Ein solches Treffen selbst ist ein Zeichen tiefgreifender Veränderungen, die zum ersten Mal die Chance bieten, eine beispiellose Weltordnung zu erreichen.“
Zu den bedeutendsten Veränderungen in der Welt – das ist allgemein anerkannt – zählt der historische Wandel in der Sowjetunion: vom Totalitarismus zu Freiheit und Demokratie; von einem bürokratischen Plansystem zu einem Rechtsstaat und politischem Pluralismus; vom staatlichen Wirtschaftsmonopol zu einer gleichberechtigten Vielfalt an Eigentumsrechten und Marktbeziehungen; vom Einheitsstaat zu einem Staatenbund souveräner Staaten auf föderaler Grundlage.
Unser Land ist zwar nach wie vor groß, hat sich aber verändert und wird nie wieder dasselbe sein. Wir haben uns der Welt geöffnet, und die Welt hat sich uns geöffnet. Dies führte zwangsläufig zu einer radikalen Verschiebung der Hauptrichtung der internationalen Beziehungen – hin zu einer grundlegend anderen gegenseitigen Wahrnehmung.
Der Schlüssel dazu war der Durchbruch in den Beziehungen zwischen der UdSSR und den USA. Genau fünf Jahre trennen uns vom ersten sowjetisch-amerikanischen Gipfeltreffen mit Präsident Reagan in Genf. Wie weit hat sich die Welt seither entwickelt! … Die allgemeine Verbesserung der internationalen Lage bewahrte Europa vor schwerwiegenden Umwälzungen. Denn genau zu dieser Zeit standen einige Länder am Rande soziopolitischer Umwälzungen revolutionären Ausmaßes. Unter den Bedingungen des Kalten Krieges wäre es jedoch unmöglich gewesen, sie in einem relativ friedlichen Rahmen zu halten. Dies wiederum barg das Risiko einer militärischen Konfrontation. An diesem Prüfstein bewährten sich die Prinzipien des neuen Denkens – Wahlfreiheit, Entideologisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen, bedingungslose Gleichheit aller Länder ohne Ausnahme, Nichteinmischung in innere Angelegenheiten – und schufen Vertrauen in der Weltgemeinschaft. In diesem Kontext
war die Wiedervereinigung Deutschlands ein bedeutendes Ereignis von europäischer und globaler Tragweite.
Wir betrachten die jüngst von der UdSSR mit Frankreich, Italien, Spanien und Finnland geschlossenen gemeinsamen Erklärungen und Verträge als einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Schaffung einer neuen internationalen politischen Ordnung in Europa. Es handelt sich um Dokumente grundlegend neuen Typs, die die Konfrontation zwischen Ost- und Westeuropa letztlich sinnlos machen.
Die in Helsinki verkündeten Pläne nehmen nun konkrete Formen an. Und wir können von etwas durchaus Erreichbarem sprechen – einem rechtlich definierten europäischen Raum in den Bereichen Sicherheit, Menschenrechte, Wirtschaft, Ökologie und Information. Ähnliche Vorstellungen von einem „europäischen Zuhause“ und einer „europäischen Friedensordnung“ nehmen als eine Art politisches Projekt Gestalt an. Wir alle werden in den 1990er Jahren auf dessen Verwirklichung hinarbeiten.
Ein vereintes, demokratisches und prosperierendes Europa, eine Gemeinschaft und ein Zusammenhalt nicht nur der Nationen und Staaten, sondern auch von Millionen seiner Bürger – das ist der Traum großer Europäer. Unsere Generation muss damit beginnen, diesen Traum in die unumkehrbare Realität des kommenden Jahrhunderts zu verwandeln.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass Europa nur ein Teil der Welt ist und sein Schicksal nicht allein innerhalb seiner Grenzen entschieden wird. Auch in der Welt um Europa herum hat sich vieles verändert. Die Richtung dieser Entwicklung ist eine sicherere und zivilisiertere Weltordnung, die nicht auf Waffengewalt, sondern auf gleichberechtigtem Dialog und einem ausgewogenen Interessenausgleich, auf der Verbindung von Souveränität und der Integrität der modernen Menschheit beruht. Die Sorge um das Überleben der Menschheit konzentriert sich nicht mehr, wie noch vor Kurzem, allein oder fast ausschließlich auf die Beseitigung der Bedrohung durch einen Atomkrieg. Ihr Fokus richtet sich zunehmend auf „friedliche“ globale Themen – Umwelt, Energie, Nahrungsmittel- und Wasserversorgung, soziale Missstände und Kriminalität, Massenarmut, Auslandsverschuldung usw. – und vor allem auf die Stärkung der internationalen Solidarität in all diesen Fragen.
Wir würden jedoch einer unannehmbaren Euphorie verfallen, wenn wir aufgrund des zweifellos großen Erfolgs, die Bedrohung durch einen großen Krieg in Europa praktisch beseitigt zu haben, schlussfolgern würden, dass akute Konfliktsituationen fortan gänzlich ausgeschlossen sind.
Die Länder suchen derzeit fieberhaft nach ihrem Platz im zukünftigen System. Diese Suche ist nur dann zielführend, wenn wir zwei entscheidende Realitäten der modernen Welt verstehen: die unvermeidliche und sogar fruchtbare Vielfalt soziopolitischer Entwicklungen, ohne die das Prinzip der Wahlfreiheit an Wert verliert; und zugleich die Notwendigkeit und Bedeutung von Partnerschaft und gegenseitiger Anpassung, die mit nationalistischem Egoismus und der Provinzialität der Isolation unvereinbar ist.
Das Ignorieren dieser Vielfalt an Optionen und der Versuch, eine bestimmte Lebensweise als Bedingung für Zusammenarbeit aufzuzwingen, erzeugen Misstrauen und Argwohn. Militanter Nationalismus und rücksichtsloser Separatismus sind von Konflikten und Feindseligkeit geprägt, von der „Balkanisierung“ ganzer Regionen. Beides behindert die gesamteuropäische Entwicklung und ist kontraproduktiv für den europäischen Prozess.
Aus diesen Gründen ist es wünschenswert, unmittelbar nach dem Pariser Treffen Strukturen und Institutionen zu schaffen, die die wirtschaftlichen, ökologischen und technologischen Grundlagen eines neuen Europas tatsächlich gewährleisten können.
Europa entwickelt sich zwar zu einem freiwilligen Staatenverbund, bleibt aber ein Europa der Vaterländer und Nationen – geprägt von gegenseitiger Offenheit und vielfältiger Zusammenarbeit. Diese beiden Prozesse gleichen sich aus und sorgen auch unter den neuen Bedingungen für Stabilität.
Der europäische Raum erstreckt sich über geografische Grenzen hinaus vom Atlantik bis zum Ural. Er umfasst die Sowjetunion, die sich bis zu den Küsten des Pazifiks erstreckt, sowie die transatlantischen Vereinigten Staaten und Kanada, die durch ein gemeinsames historisches Schicksal untrennbar mit der Alten Welt verbunden sind. Und wenn der europäische Prozess die notwendige Dynamik gewinnt, wird in absehbarer Zeit jedes Volk, jedes Land – mit seinem jeweiligen Beitrag – über das Potenzial einer beispiellos starken Gemeinschaft verfügen, die im Wesentlichen die gesamte nördliche Hälfte des Globus umfasst.
19-21 – In Paris wurden folgende Dokumente unterzeichnet: der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa, der eine substanzielle Reduzierung der Truppenstärke und der Menge konventioneller Waffen vorsah und die Vertragsstaaten des Warschauer Pakts und des NATO-Vertrags von Washington umfasste; die Gemeinsame Erklärung von 22 Staaten, die Mitglieder des Warschauer Pakts bzw. der NATO sind, in der sie erklären, dass sie keine Gegner mehr sind, neue Partnerschaftsbeziehungen aufbauen und einander die Hand der Freundschaft reichen werden; die Charta von Paris für ein neues Europa. In der Präambel dieses Dokuments heißt es: „Wir, die Staats- und Regierungschefs der an der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) teilnehmenden Staaten, sind in Paris in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen und historischer Erwartungen zusammengekommen. Die Ära der Konfrontation und Spaltung Europas ist vorbei. Wir erklären, dass unsere Beziehungen fortan auf gegenseitigem Respekt und Zusammenarbeit beruhen werden. Europa befreit sich vom Erbe der Vergangenheit. Der Mut der Frauen und Männer, die Willenskraft der Völker und die Kraft der Ideen der Schlussakte von Helsinki haben eine neue Ära der Demokratie, des Friedens und der Einheit in Europa eingeläutet. Es ist an der Zeit, die Hoffnungen und Erwartungen zu erfüllen, die seit Jahrzehnten in den Herzen unserer Völker wohnen: ein festes Bekenntnis zu einer Demokratie, die auf Menschenrechten und Grundfreiheiten gründet; Wohlstand durch wirtschaftliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit; und gleiche Sicherheit für alle unsere Länder. Die zehn Grundsätze der Schlussakte werden uns auf dem Weg in diese ersehnte Zukunft leiten, so wie sie uns in den vergangenen fünfzehn Jahren den Weg zu besseren Beziehungen geleuchtet haben. Die vollständige Umsetzung aller KSZE-Verpflichtungen muss die Grundlage für die Initiativen bilden, die wir jetzt ergreifen.“ Unseren Völkern ein Leben nach ihren Wünschen zu ermöglichen. Im Anschluss an diese Einleitung folgt das Kapitel „Eine neue Ära der Demokratie, des Friedens und der Einheit“ mit folgenden Abschnitten: „Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit“, „Wirtschaftliche Freiheit und Verantwortung“, „Freundschaftliche Beziehungen zwischen den Teilnehmerstaaten“, „Sicherheit“, „Einheit“ und „Die KSZE und der Frieden“. Darauf folgt das zweite Kapitel „Leitlinien für die Zukunft“ mit folgenden Abschnitten: „Die menschliche Dimension“, „Sicherheit“, „Wirtschaftliche Zusammenarbeit“, „Umwelt“, „Kultur“, „Wanderarbeiter“, „Das Mittelmeer“ und „Nichtregierungsorganisationen“. Das Dokument schließt mit dem dritten Kapitel „Neue Strukturen und Institutionen des KSZE-Prozesses“. Das Dokument ist durchdrungen von der Idee der europäischen Einheit und der umfassenden Zusammenarbeit aller europäischen Staaten, der Vereinigten Staaten und Kanadas, die darin formuliert ist. Es wurde vereinbart, regelmäßige Treffen auf höchster Ebene abzuhalten; die Außenminister werden sich ebenfalls regelmäßig als Rat treffen; der Ausschuss der hohen Beamten wird beauftragt, die Ministertreffen vorzubereiten.Die KSZE soll ihre Beschlüsse umsetzen und ihr Entwürfe für Beschlüsse unterbreiten; es werden auch Treffen mit anderen Ministern stattfinden; ein KSZE-Sekretariat wird in Prag eingerichtet; ein Zentrum zur Konfliktprävention wird in Wien eingerichtet; ein Büro für freie Wahlen wird in Warschau eingerichtet; die Schaffung einer parlamentarischen Versammlung der KSZE wurde vorgeschlagen. (Izvestia, 1990, 20., 21., 22. November).
21 – M.S. Gorbatschow gab dem sowjetischen und französischen Fernsehen ein Interview. Auf die Frage nach der Grundlage der in Paris getroffenen Entscheidungen antwortete er: „Ich denke, der Kalte Krieg hat eindrücklich gezeigt, dass die moderne Welt nicht auf Gewalt gründen kann. Und ich glaube, die neue Ära wird sich dadurch auszeichnen, dass die internationalen Beziehungen und alles, was damit zusammenhängt, einschließlich Konfliktsituationen, auf politischen Ansätzen, auf Kooperation und Interaktion beruhen. Sie fragen, worauf diese Grundlage beruhen wird? Auf der Übereinkunft zwischen den Völkern, die sich in der modernen Politik widerspiegelt, dass wir zusammenleben, Gemeinsamkeiten finden, kooperieren und die Probleme, die das Leben den einzelnen Ländern, dem europäischen Kontinent als Ganzem und der Weltgemeinschaft stellt, gemeinsam lösen müssen. Und natürlich auf den Institutionen, die im Zuge der Umsetzung dieser Politik entstehen werden.“ Mehrere Fragen betrafen die Ereignisse in der Golfregion. Daraufhin erklärte M.S. Gorbatschow, sein Treffen mit George W. Bush in Paris habe ihnen eine gemeinsame Analyse der Lage ermöglicht. „Was unsere Herangehensweisen und Einschätzungen angeht, gibt es keine Unterschiede … Da die Situation nicht einfacher, sondern im Gegenteil komplizierter wird, haben wir festgestellt, dass eine Analyse auf Ebene des UN-Sicherheitsrats erforderlich ist. Darauf haben wir uns geeinigt.“ Journalisten fragten, ob die UdSSR ein militärisches Eingreifen der USA unterstützen würde, sollte George W. Bush einen solchen Vorschlag unterbreiten. M. S. Gorbatschow sagte: „Wissen Sie, in der Weltöffentlichkeit, insbesondere aber in der Weltpresse, besteht der Wunsch, die Welt in Befürworter einer militärischen Lösung und Gegner eines anderen Weges zu spalten. Meines Erachtens herrscht absolute Einigkeit darüber, dass dieser akute Konflikt unverzüglich und auf politischem Wege gelöst werden muss. Zu diesem Zweck müssen alle Mittel eingesetzt und kombiniert werden, einschließlich des starken Drucks durch militärische Präsenz, Wirtschaftsblockade, politische Isolation und Verurteilung, Kooperation und so weiter. Alle Politiker streben nach wie vor danach, eine militärische Lösung zu vermeiden. Ich denke, dies bleibt die wichtigste Leitlinie. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass Saddam Hussein und sein Regime die gesamte Weltgemeinschaft in die Knie zwingen. Das ist inakzeptabel.“ (Pravda, 22. November 1990).
22 – Das Außenministerium der UdSSR veröffentlichte eine Erklärung zur deutlichen Verschärfung der innenpolitischen Lage in El Salvador. Darin wurde bekräftigt, dass die Sowjetunion eine friedliche Lösung in El Salvador auf der Grundlage der in Genf und Caracas zwischen der salvadorianischen Regierung und der Nationalen Befreiungsfront Farabundo Martí unter Vermittlung des UN-Generalsekretärs getroffenen Vereinbarungen konsequent unterstützt. (Pravda, 23. November 1990).
23. – Der stellvertretende Außenminister der UdSSR, W. F. Petrowski, führte regelmäßige Konsultationen mit den Botschaftern der Länder der Europäischen Gemeinschaften durch, um die Krisensituation am Persischen Golf zu erörtern. (Iswestija, 24. November 1990).
26. – M. S. Gorbatschow erstattete dem Obersten Sowjet der UdSSR Bericht über das gesamteuropäische Treffen in Paris. Er fasste die wichtigsten Ergebnisse zusammen und schloss: „Wir müssen also ein neues Europa aufbauen und lernen, darin zu leben, in dem unserem Staat und unseren Bürgern ein würdiger Platz garantiert ist. Selbstverständlich bringt dies große Verpflichtungen mit sich und erfordert die Anpassung an neue, sehr hohe Standards.“ Der Oberste Sowjet verabschiedete eine Resolution, in der er die Aktivitäten der sowjetischen Delegation auf der Konferenz in Paris billigte. (Prawda, 27. und 28. November 1990).
26. – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrats des Irak, dem Außenminister T. Asiz. Die irakische Führung reagierte auf die Bitte um ein solches Treffen vor der Debatte des UN-Sicherheitsrats über eine neue Resolution zur irakischen Aggression gegen Kuwait. Gorbatschow betonte, die Reaktion der internationalen Gemeinschaft verschärfe sich, und wenn der Irak tatsächlich eine regionale Lösung anstrebe und das Schlimmste verhindern wolle, müsse er nun offen seinen Rückzug aus dem Iran und die Freilassung der Geiseln erklären und diesen auch in die Tat umsetzen. Andernfalls werde die Resolution des UN-Sicherheitsrats verabschiedet – und zwar eine harte. Gorbatschow bat darum, Präsident Saddam Hussein dringend zum Umdenken aufzufordern, da das Schicksal des Irak in seinen Händen liege. Die Zeit dränge. (Prawda, 27. November 1990).
26 – Gorbatschow empfing eine Delegation der Organisation „Parlamentarier für globales Handeln“. Im Gespräch wurden Fragen im Zusammenhang mit der Beendigung von Atomtests erörtert. Gorbatschow lenkte die Aufmerksamkeit insbesondere auf die wachsende Gefahr der nuklearen Weiterverbreitung, deren Beseitigung, wie der Präsident betonte, unmittelbar mit der Beendigung der Atomtests zusammenhänge. Er hob die Notwendigkeit einer strengeren Überwachung der Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags und des Beitritts aller Staaten hervor. Die Ereignisse am Persischen Golf seien in dieser Hinsicht ein ernstes Signal für die internationale Politik. (Prawda, 27. November 1990). Am
26. November warnte W. I. Tschurkin, Leiter der Informationsabteilung des sowjetischen Außenministeriums, in einer Pressekonferenz eindringlich vor dem Irak, der seinen Verpflichtungen zur Gewährleistung der Rückkehr sowjetischer Staatsbürger in die Heimat nicht nachkomme. „Wir möchten ausdrücklich betonen“, sagte er, „dass, wenn die irakische Seite nicht unverzüglich alle künstlichen Hindernisse beseitigt, die sie für die Rückkehr von Bürgern der UdSSR in ihre Heimat geschaffen hat, und deren ungehinderte Ausreise aus dem Irak gewährleistet, dies die sowjetisch-irakischen Beziehungen weiter verkomplizieren und uns zwingen wird, in Bezug auf die Situation am Persischen Golf eine noch härtere Haltung einzunehmen.“ (Iswestija, 27. November 1990).
27. – M.S. Gorbatschow empfing den Außenminister des Königreichs Saudi-Arabien, Salman al-Faisal. Die Teilnehmer des Treffens stellten fest, dass die irakische Führung UN-Beschlüsse und die Meinung der internationalen Gemeinschaft beharrlich ignoriert. Angesichts des militärischen Potenzials des Irak sind die von ihr gezeigten Ambitionen nicht nur für die Länder der Region gefährlich. Sie widersprechen allen positiven Entwicklungen weltweit, den Bemühungen um die Reduzierung von Atomwaffen, die Abrüstung und die Erreichung universeller Sicherheit und friedlicher Ordnung. Die Parteien brachten die Auffassung zum Ausdruck, dass die Verabschiedung einer neuen Resolution des UN-Sicherheitsrates erforderlich sei, um eine gerechte Lösung der Krise zu ermöglichen. Dies wiederum werde es ermöglichen, weitere dringende Probleme im Nahen Osten umgehend zu lösen. (Prawda, 28. November 1990).
28. – M.S. Gorbatschow traf sich mit dem persönlichen Vertreter Heinrich Kohls, Horst Teltschik, der zu einem ausführlichen Gespräch über Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit angereist war. (Prawda, 29. November 1990).
29 – Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete eine weitere Resolution zur Lage in der Golfregion. Darin hieß es, da der Irak sich beharrlich weigere, seinen Verpflichtungen und den Bestimmungen zuvor verabschiedeter Resolutionen des UN-Sicherheitsrats nachzukommen, bekräftige der Rat seine Forderung nach der Umsetzung dieser Resolutionen und sei bereit, „dem Irak als Zeichen des guten Willens eine letzte Gelegenheit dazu zu geben“. Der Rat ermächtigte alle mit der Regierung Kuwaits kooperierenden Staaten, „falls der Irak die vorgenannten Resolutionen nicht bis spätestens 15. Januar 1991 vollständig umsetzt, alle notwendigen Mittel einzusetzen, um die Resolution 660 (1990) des Sicherheitsrats und alle nachfolgenden einschlägigen Resolutionen zu unterstützen und umzusetzen sowie den internationalen Frieden und die Sicherheit in der Region wiederherzustellen“ (Iswestija, 30. November 1990). E.A. kommentierte diese Resolution wie folgt: Schewardnadse sagte: „Die Resolution verpflichtet nicht zum Beginn militärischer Aktionen. Sie stellt einen Versuch dar, eine weitere Chance für eine friedliche Beilegung des Konflikts am Persischen Golf zu bieten und dem Irak eine ‚Pause des guten Willens‘ zu gewähren, in der wir nach Abwägung aller Vor- und Nachteile hoffen, dass eine Hinwendung zu einer friedlichen Lösung möglich ist.“ (Prawda, 30. November 1990).
– Bei einer Pressekonferenz im Pressezentrum des sowjetischen Außenministeriums wurde erklärt, die Sowjetunion habe wiederholt ihre Bereitschaft zur Normalisierung der Beziehungen zu Südafrika bekundet, jedoch erst, nachdem der Prozess der Beseitigung der Apartheid in diesem Land unumkehrbar sei. Das sowjetische Außenministerium unterhalte in der Tat regelmäßige Kontakte mit dem südafrikanischen Außenministerium zu Fragen der regionalen Beilegung. Diese Kontakte seien nützlich, und man beabsichtige, sie fortzusetzen.“ (Iswestija, 30. November 1990).


Dezember


2 – Die ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen.
4 – Das Außenministerium der UdSSR veröffentlichte eine Erklärung zur Krise im Persischen Golf. Darin bekundete es seine Unterstützung für die Resolution 678 des UN-Sicherheitsrates, die eine letzte Warnung an den Irak enthält, den Willen der internationalen Gemeinschaft nicht länger zu ignorieren, und erklärte, die „Pause des guten Willens“ müsse mit energischen diplomatischen Bemühungen gefüllt werden. „Vor diesem Hintergrund hat die Sowjetunion die Initiative von US-Präsident George Bush – seinen Vorschlag, amerikanisch-irakische Kontakte in Washington und Bagdad zu führen – verstanden. Die Sowjetunion begrüßt diese Initiative und sieht darin einen konkreten Ausdruck des sowjetisch-amerikanischen Einvernehmens über die Präferenz, die Krise friedlich beizulegen.“ Die Sowjetunion ihrerseits werde ihre Bemühungen fortsetzen, „alle Wege zu einer friedlichen Lösung des Konflikts auszuloten und dabei im Geiste des Konsenses zu handeln, der sich in der internationalen Gemeinschaft und insbesondere unter den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates entwickelt hat.“ (Prawda, 4. Dezember 1990).
10 – M.S. Gorbatschow übermittelte dem neu gewählten Präsidenten der Republik Polen, Loch Wałęsa, eine Glückwunschbotschaft. (Prawda, 11. Dezember 1990).
10.–12. – In Houston (USA) fand ein Treffen zwischen E. A. Schewardnadse und J. Baker statt. Neben der Frage der „Übergangshilfe“ für die Sowjetunion wurden der Vertrag zur Reduzierung strategischer Offensivwaffen und die Lage im Persischen Golf erörtert. Auf die Frage von Journalisten, ob eine Beteiligung sowjetischer Truppen im Falle militärischer Operationen vorgesehen sei, antwortete E. A. Schewardnadse: „Eine sowjetische Beteiligung an militärischen Operationen ist schlichtweg ausgeschlossen.“ Er äußerte weiterhin die große Hoffnung, dass eine vernünftige Lösung für die schwierige Situation im Persischen Golf gefunden werde. (Iswestija, 12. Dezember 1990).
13. – M. S. Gorbatschow empfing Antonio Zicicchi, den Präsidenten der internationalen Nichtregierungsorganisation World Laboratory, im Kreml. Diese Organisation wurde mit der aktiven Unterstützung von M. S. Gorbatschow und G. Andreotti gegründet. Im Gespräch wurde besonderes Augenmerk auf die Entwicklung einer effektiven und umweltfreundlichen Energiequelle durch italienische und sowjetische Wissenschaftler gelegt. (Prawda, 14. Dezember 1990).
Am 13./14. Dezember 1990 empfing Präsident T. Özal den türkischen Präsidenten E. A. Schewardnadse, der sich zu einem offiziellen Besuch in der Türkei aufhielt. Es wurde festgestellt, dass die sowjetisch-türkischen Beziehungen eine neue Qualität erreichten. Die Lage am Persischen Golf wurde scharf verurteilt. Beide Seiten äußerten die Hoffnung, dass die irakische Führung die Situation, in der sie sich befindet, dennoch nüchtern einschätzen und die entschiedene Position der internationalen Gemeinschaft sowie das tatsächliche Machtgleichgewicht am Persischen Golf berücksichtigen werde. Der Irak habe keine andere Wahl. (Prawda, 16. Dezember 1990).
14. – M. S. Gorbatschow traf sich mit dem Präsidenten der Republik Korea, Roh Tae-woo, der sich zu einem offiziellen Besuch in der UdSSR aufhielt. Die Präsidenten unterzeichneten die „Erklärung über die allgemeinen Grundsätze der Beziehungen zwischen der UdSSR und der Republik Korea“, in der das feste Bekenntnis beider Staaten zum Aufbau einer neuen, humaneren, friedlicheren, gerechteren und demokratischeren Ordnung bekräftigt wurde, die auf der Einhaltung des Völkerrechts und der Achtung der Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen, wie sie in ihrer Charta verankert sind, beruht. (Prawda, 16. Dezember 1990).
14. – Die sowjetische Presse veröffentlichte einen Bericht über ein Interview, das M. S. Gorbatschow dem US-amerikanischen Magazin Fortune gegeben hatte. Eine der Kernaussagen des Interviews war die Idee der gegenseitigen Abhängigkeit der UdSSR und der USA. „Strategisch gesehen wird die Sowjetunion nicht gewinnen, wenn es in Amerika schlecht läuft. Nicht nur wir, sondern alle. Ich bin mir auch sicher, dass, wenn die Dinge nicht nach unseren Vorstellungen laufen, das gesamte Spektrum der Beziehungen im Bereich der internationalen Politik betroffen sein wird. Früher hätten sich einige in Amerika die Hände gerieben und gesagt: ‚Oh, wie wunderbar! Es läuft schlecht in der Sowjetunion!‘ Und wir hätten gesagt: ‚Aha, die ersten Anzeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs sind in den Vereinigten Staaten aufgetaucht!‘ Aber jetzt denken wir darüber nach, wie wir durch Zusammenarbeit diese negativen Tendenzen beseitigen können. Das ist ein gewaltiger Wandel, und ich glaube, dass noch nicht alle das begriffen haben. Es gibt Kritiker – in der amerikanischen Regierung und in Amerika allgemein –, deren Ratschläge nach Mottenkugeln riechen. Und wir haben solche Kritiker auch.“ (Iswestija, 14. Dezember 1990)
19. – Im Zusammenhang mit den am 15. Dezember auf einer Sitzung des Europäischen Rates verabschiedeten Beschlüssen zur Entwicklung der Beziehungen zwischen den Europäischen Gemeinschaften in der UdSSR wurde eine Erklärung des Außenministeriums der UdSSR veröffentlicht. „Die Sowjetunion“, so die Erklärung, „ist bereit für eine möglichst umfassende wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der EU. Zu diesem Zweck ist die sowjetische Seite bereit, in naher Zukunft gemeinsam mit der EU-Kommission, die vom Europäischen Rat den entsprechenden Auftrag erhalten hat, die Möglichkeit des Abschlusses eines neuen umfassenden Abkommens zwischen der UdSSR und der EU zu prüfen. Dieses Abkommen soll Fragen des politischen Dialogs, alle Aspekte der Handels- und Wirtschaftskooperation sowie die Zusammenarbeit in weiteren Bereichen umfassen.“ (Prawda, 19. Dezember 1990).
20. – M. S. Gorbatschow sandte Grußworte an die Staatschefs des Kooperationsrates der Arabischen Golfstaaten. „…Ich möchte die Entschlossenheit der Sowjetunion bekräftigen, das Völkerrecht zu wahren und die Wiederherstellung der Souveränität und territorialen Integrität Kuwaits anzustreben. Ich wünsche Ihrem Treffen viel Erfolg und hoffe, dass die gefassten Beschlüsse zur Umsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates beitragen und somit die Krise auf friedlichem politischem Wege überwinden werden.“ (Prawda, 22. Dezember 1990)
20. Dezember 1990 – E. A. Schewardnadse hielt vor dem Kongress der Volksdeputierten der UdSSR eine Rede, in der er seinen Rücktritt erklärte. Er begründete diesen mit persönlicher Verfolgung und der Herabwürdigung der sowjetischen Außenpolitik. Er erklärte, die Gefahr einer Diktatur wachse, und sagte: „Ich danke Michail Sergejewitsch Gorbatschow zutiefst. Ich bin sein Freund, sein Gleichgesinnter. Ich habe die Ideen der Perestroika, die Ideen der Erneuerung, die Ideen der Demokratisierung stets unterstützt und werde sie bis zu meinem Lebensende unterstützen. Und wir haben auf internationaler Ebene Großes erreicht.“ (Prawda, 21. Dezember 1990).
20. Dezember 1990 – Im Anschluss an Schewardnadses Rede äußerte sich Gorbatschow überrascht. Schewardnadses Argumentation war ein Plädoyer für die Perestroika. Er fuhr fort: „…Wir müssen vor unserem Volk und der internationalen Gemeinschaft bekräftigen, was wir auf dem Ersten Kongress getan haben, wo wir die Außenpolitik unseres Staates, sein Engagement für die Verbesserung der internationalen Beziehungen und unsere neuen Ansätze bekräftigt haben, die bereits Früchte für die gesamte moderne Zivilisation tragen und den Weg für eine lange Friedensperiode ebnen.“ (Prawda, 21. Dezember 1990).
Am 27. verabschiedete der Kongress der Volksdeputierten der UdSSR eine Resolution „Im Zusammenhang mit der Lage im Persischen Golf“, in der er seine tiefe Besorgnis zum Ausdruck brachte und die Unterstützung für die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates bekräftigte. Er betonte insbesondere das „Engagement für die Suche nach einer friedlichen Lösung der Krise in voller Übereinstimmung mit diesen Resolutionen“. Der Kongress äußerte die Hoffnung, dass die irakische Führung ein gebührendes Verantwortungsbewusstsein zeigen und die Forderungen der internationalen Gemeinschaft erfüllen würde. „Der Kongress billigt die politische Linie und die praktischen Schritte der sowjetischen Staatsführung und der Regierung der UdSSR im Zusammenhang mit der Krise in der Golfregion, die Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit und die Rückkehr sowjetischer Staatsbürger aus dem Irak in ihre Heimat.“ Der Kongress empfahl dem Obersten Sowjet, die sich entwickelnde Situation bis Mitte Januar 1991 zu prüfen. (Prawda, 30. Dezember 1990).
28. – Michail Gorbatschow empfing eine Delegation der japanischen Zeitung Asahi Shimbun und beantwortete Fragen ihrer Journalisten. Er sagte insbesondere: „Ich glaube keineswegs, dass das Ende der Konfrontation zwischen Ost und West alle Ursachen internationaler Krisen und Konflikte beseitigt. Daher besteht die Aufgabe der neuen Weltpolitik darin, Krisensituationen, sobald sie irgendwo entstehen, mit politischen Mitteln und vor allem durch UN-Mechanismen zu entschärfen. Es darf keinen Raum für die Anheizung von Konflikten durch politische Unterstützung geben, geschweige denn für militärische Hilfe von außen. Diese neue Qualität der internationalen Beziehungen hat die Einigkeit der Weltgemeinschaft hinsichtlich der irakischen Aggression gegen Kuwait eindrucksvoll bestätigt.“ Auf die Frage nach den Zielen und Möglichkeiten eines panasiatischen Sicherheitsforums erklärte Michail Gorbatschow: „Wir müssen uns schrittweise und überlegt einem asiatischen Konsens annähern. Es wird Zeit brauchen, bis potenzielle Teilnehmer des künftigen Treffens dessen Notwendigkeit erkennen und sich vorbereiten. Wir sehen darin einen wichtigen Impuls für einen Prozess, der die Konfliktlösung erleichtern, die Beilegung von Streitigkeiten zwischen bestimmten Staaten auf eine rechtliche Grundlage stellen und zur Annäherung in den derzeitigen Streitfragen beitragen wird. … Es ist bekannt, dass die Außenminister aller asiatischen Staaten von unserer Seite eine Einladung nach Wladiwostok erhalten haben, voraussichtlich im Herbst 1993. Bei diesem Treffen könnten sowohl Datum als auch Ort des asiatischen Gipfels festgelegt werden, der ohne die Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Neuseeland kaum vorstellbar ist. … Das panasiatische Treffen muss über Asien hinausgehen – es wird ein Treffen für den gesamten Asien-Pazifik-Raum sein. Und das oberste Ziel des Asien-Pazifik-Prozesses ist es, diese derzeit stark militarisierte Region in eine Zone der Stabilität zu verwandeln.“ Gute Nachbarschaft und Zusammenarbeit… Es geht nicht darum, die Helsinki-Prinzipien auf asiatischen Boden zu übertragen. Vielmehr geht es darum, den aus der asiatischen Zivilisation hervorgegangenen Bandung-Prinzipien unter Berücksichtigung der europäischen und globalen Realitäten neuen Schwung zu verleihen. Eine rein mechanische Kopie ist ungeeignet.“ (Pravda, 29.–30. Dezember 1990)

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